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21.02.2014

19:56 Uhr

VW-Bilanz

Die Volkswagenrepublik China

VonLukas Bay

Volkswagen ist mittlerweile der zweitgrößte Autohersteller der Welt. Doch das verdanken die Wolfsburger vor allem ihrem Rekordabsatz in China. Die große Abhängigkeit birgt auch Gefahren.

Mao und der Golf – kein Markt ist wichtiger für Volkswagen als China. Imago

Mao und der Golf – kein Markt ist wichtiger für Volkswagen als China.

WolfsburgMit einem starken Schlussquartal hat Europas größter Autobauer Volkswagen 2013 neue Rekordergebnisse eingefahren. Der Konzern verbuchte vor Zinsen und Steuern 11,7 Milliarden Euro und damit rund 1,5 Prozent mehr als 2012. Das teilte der Wolfsburger Konzern am Freitag anlässlich einer Aufsichtsratssitzung mit.

VW übertraf damit die Prognose leicht, wonach der operative Gewinn auf Vorjahresniveau verharren sollte. Die 197 Milliarden Euro Umsatz übersteigen die bisherige Bestmarke von 192,7 Milliarden Euro für 2012 um 2,2 Prozent. Nach Steuern gab es wie erwartet klare Rückgänge, die mit buchhalterischen Effekten aus der im Sommer 2012 geglückten Porsche-Komplettübernahme zusammenhängen.

Details zur Bilanz legt VW am 13. März vor. Klar war schon nach den Neunmonatszahlen, wie wichtig Porsche seit der Komplettübernahme im August 2012 geworden ist: Damals hatte der Sportwagenbauer in den ersten fünf Monaten unter dem Konzerndach 946 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) beigesteuert - in den neun Monaten von Januar bis September 2013 war es dann bereits das Doppelte.
Damit gleicht Porsche die Rückgänge bei den drei absatzstärksten Marken Volkswagen Pkw, Audi und Skoda aus. Mit den 11,7 Milliarden Euro Konzern-Ebit hat VW trotz des Gegenwinds in Europa das Ziel leicht übertroffen, die 11,5 Milliarden aus 2012 zu bestätigen. Das starke letzte Quartal sorgte dabei für einen gelungenen Schlussspurt.

Chinas Autokonzerne

Saic

Die Shanghai Automotive Industry Corp. gründete mit Volkswagen einst das erste Joint Venture eines chinesischen Herstellers mit einem ausländischen Autobauer. Seit 1998 kooperiert der Konzern auch mit dem US-Riesen General Motors. Zum Portfolio gehören auch die britische Traditionsmarke GM und die chinesische Luxusmarke Roewe. Im Jahr 2012 produzierten die Chinesen 4,5 Millionen Fahrzeuge und sind damit der größte Autohersteller des Landes.

FAW

First Automotive Works aus Nordchina wurde einst unter sowjetischer Führung gegründet, unterhält aber vor allem enge Kontakte zu den japanischen Autobauern. Zu den Partnern gehört neben Toyota, Mazda und Daihatsu aber auch Volkswagen.

Dongfeng

Kein chinesischer Konzern unterhält mehr Joint Ventures als das Unternehmen aus Wuhan. Zu den ausländischen Partnern zählen Honda, Nissan, Peugeot, Kia und Citroën. Mit 3,2 Millionen produzierten Fahrzeug ist Dongfeng der drittgrößte chinesische Autohersteller.

Baic

Bekannt wurde die Beijing Automotive Group weil sie 2009 die Technik des insolventen schwedischen Autobauers Saab aufkaufte. Mit Mercedes-Benz und Hyundai unterhält der Konzern aus der chinesischen Hauptstadt Joint-Ventures. 2012 produzierte Baic 3,1 Millionen Fahrzeuge.

Chang'an

Der Mutterkonzern verdient sein Geld mit Waffen. Doch mit 2,07 Millionen produzierten Fahrzeugen ist der Konzern aus Zentralchina mittlerweile der fünftgrößte Autobauer des Landes. Zu den ausländischen Kooperationspartner gehören Ford, Suzuki, and PSA

Brilliance

Der BMW-Partner Brilliance gehörte zu den ersten chinesischen Autokonzernen, die den Sprung nach Europa wagten - und scheiterten. Mit einer Produktion 591.000 Fahrzeugen ist der Hersteller im Landesvergleich relativ klein.

Chery

Bis 2003 war das Unternehmen aus Wuhu der größte Autoexporteur des Landes. Dabei wurde der Konzern erst 1997 gegründet. Seit 2012 unterhält das Unternehmen ein Joint Venture mit Jaguar und Land Rover. Die Tochtermarke des Konzern Qoros soll bald auch auf den europäischen Markt kommen

Geely

Aus einer Manufaktur für Kühlschrankteile ist einer der größten Autohersteller des Landes hervorgegangen. Übersetzt bedeutet der Unternehmensname Glück verheißende Automobile. Einen Namen in Europa machten sich die Chinesen mit der Übernahme von Volvo.

Volkswagen profitiert heute noch davon, dass man zu den ersten gehörte, die den Weg nach China wagten. Bereits Anfang der 1980er schmiedete man eine Allianz mit der Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC).  Mit dem ersten VW Santana, der im April 1983 in Shanghai von Band lief, startet eine beispielslose Erfolgsgeschichte.

China hat Deutschland als wichtigsten Markt längst abgelöst. Alleine 2013 verkaufte Volkswagen in China 3,27 Millionen Autos, mehr als jeder Hersteller. Auch die Premiumtochter aus Ingolstadt stützt ihr Wachstum im Wesentlichen auf China – mittlerweile wird jeder dritte Audi in China verkauft. 

Ein Ende des Wachstums scheint derzeit nicht absehbar zu sein. 21,98 Millionen Fahrzeuge wurden im Jahr 2013 in China verkauft, melden die staatliche chinesische Vereinigung der Automobilproduzenten (CAAM). Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieses Jahr sollen es sogar 24 Millionen werden. Im Jahr 2025 – so prognostiziert es das CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen – wird jeder dritte Neuwagen in China verkauft. Mit 35,7 Millionen verkauften Fahrzeugen wäre der Absatz mehr als doppelt so hoch wie heute.

Ein Kuchen, von dem Volkwagen sich weiterhin ein großes Stück abschneiden will. Dafür wollen die Wolfsburger ihre Kapazitäten in der Volksrepublik massiv ausbauen: Sieben von zehn neuen VW-Werken entstehen in China. 18,2 Milliarden Euro will der Konzern bis 2018 in den Ausbau der Produktion in China investieren.

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