Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.09.2016

23:19 Uhr

VW-Chef Müller in Linz

„Das ist alles kein Science Fiction“

VonStefan Menzel

Konzernchef Matthias Müller erzählt im österreichischen Linz, wie er seinen Konzern fit für die Zukunft machen will. Digitalisierung und Elektrifizierung steht dabei ganz vorn.

Der VW-Chef sprach im österreichischen Linz über die Digitalisierung des automobilen Geschäfts. AFP; Files; Francois Guillot

Matthias Müller

Der VW-Chef sprach im österreichischen Linz über die Digitalisierung des automobilen Geschäfts.

LinzSolch prominente Gäste gibt es in Linz eher selten. Auch der Moderator spricht von einem „außergewöhnlichen Besuch“. Volkswagen-Chef Matthias Müller ist an diesem Abend in die österreichische Industriestadt gekommen. Mit großem Applaus wird Müller im Saal der örtlichen Raiffeisenbank begrüßt. Sogar zweimal steht der Volkswagen-Chef auf und präsentiert sich dem Publikum. Viel regionale Wirtschaft ist vertreten, auch Unternehmen aus dem Zuliefererbereich gehören zu den Kunden der Raiffeisenbank aus Linz.
Müller baut seinen Zuhörern gleich zu Beginn eine Brücke. „Österreich ist auch ein Stück Volkwagen-Land“, eröffnet Müller seinen Vortrag. Nicht weit von Linz entfernt betreibe die Lastwagen-Tochter MAN ein eigenes Werk, in Salzburg habe die größte und wichtigste Vertriebstochter von Volkswagen ihr Zuhause.

Die Kosten des Dieselskandals für Volkswagen

Teure Folgen

Für die jüngste Einigung mit US-Klägern in Sachen Dieselskandal muss der Volkswagen -Konzern eine weitere milliardenschwere Last schultern. Mindestens 1,2 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,1 Milliarden Euro) muss der Konzern rund 80.000 Besitzern großer Dieselautos in den USA mit umweltbelastenden Drei-Liter-Motoren an Schadenersatz und für den Rückkauf eines Teils der Fahrzeuge bezahlen. Die Kosten könnten nach Gerichtsangaben auf umgerechnet bis zu 3,7 Milliarden Euro steigen, sollten die US-Umweltbehörden die Reparatur eines Großteils der Wagen nicht abnehmen. VW selbst geht davon aus, dass die Reparaturen genehmigt werden.

Knapp vier Milliarden Euro müssen die Wolfsburger bereits für Strafen und Bußen in den USA hinblättern. VW hat mitgeteilt, dass dies die bisherigen Rückstellungen übersteigt und die Ergebnisse 2016 belasten könne. Bisher hat der Konzern 18,2 Milliarden Euro für den Skandal um weltweit millionenfach manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos zur Seite gelegt. Doch abschließend sind die Kosten noch nicht zu beurteilen. Analysten schätzen, dass der Skandal am Ende zwischen 25 und 35 Milliarden Euro kosten könnte. Die größte Unsicherheit geht von den vielen Anlegern aus, die VW vorwerfen, sie zu spät über Dieselgate informiert zu haben und deshalb Schadenersatz fordern.

Vergleich mit US-Kunden zu größeren Motoren

Kurz vor Weihnachten klopfte VW mit den US-Umweltbehörden einen Kompromiss über die Schadenersatzansprüche für etwa 80.000 Diesel-Wagen mit 3,0-Liter-Motoren fest. Ein Viertel der Geländewagen von Audi, VW und Porsche soll zurückgekauft und weitere knapp 60.000 umgerüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Die Höhe der Kosten bezifferte Volkswagen nun mit etwa 1,2 Milliarden Dollar. Zuvor waren sie auf eine Milliarde Dollar geschätzt worden. Schultern muss die Kosten die Tochter Audi, weil sie die 3-Liter-Motoren entwickelt hat. Der nächste Gerichtstermin zur vorläufigen Genehmigung ist für den 14. Februar angesetzt.

Strafzahlung in den USA

Mit dem US-Justizministerium einigte sich Volkswagen Anfang Januar auf eine Strafzahlung von 4,3 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr, als andere Autobauer für Verfehlungen in den USA hinlegen mussten, und auch mehr, als Analysten erwartet hatten.

Vergleich mit US-Kunden zu kleineren Motoren

Im Oktober einigte sich VW mit Hunderten Sammelklägern, Behörden und US-Bundesstaaten über die Höhe der Entschädigung für Käufer von Autos mit den kleineren 2,0-Liter-Dieselmotoren. Das kostet den Konzern bis zu 15,3 Milliarden Dollar (14,5 Milliarden Euro). Der größte Teil entfällt auf den Rückkauf der bis zu 475.000 Fahrzeuge, für den gut zehn Milliarden Dollar reserviert sind. Die tatsächlichen Kosten hängen aber davon ab, wie viele Dieselbesitzer ihre Wagen zurückgeben. Bis vor Weihnachten hatten 104.000 Besitzer in den Rückkauf eingewilligt. Eine Alternative ist die Reparatur der Fahrzeuge. Bisher hat VW die Genehmigung für die Umrüstung von rund 70.000 Autos mit 2,0-Liter-Motor.

Zahlreiche US-Bundesstaaten wollen zudem zivilrechtlich versuchen, einen höheren Schadensersatz durchzusetzen, weil sie mit dem Vergleich nicht zufrieden sind. Dabei geht es um Hunderte Millionen Dollar.

Entschädigung für US-Händler

Seinen rund 650 US-Händlern zahlt VW insgesamt 1,21 Milliarden Dollar Entschädigung, weil sie seit fast einem Jahr keine Dieselautos mehr verkaufen durften. Der Vereinbarung zufolge kauft VW unverkäufliche Diesel-Autos von den Händlern zurück, hält an Bonuszahlungen fest und verzichtet für zwei Jahre auf geforderte Umbauten.

Rückrufe in Europa

Ein großer Brocken ist auch die Umrüstung der rund 8,5 Millionen Dieselautos in Europa. Kostenschätzungen reichen von gut einer bis drei Milliarden Euro.

Entschädigung auch in Europa?

Bundesweit klagen Autobesitzer vor mehreren Gerichten wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz. Allein vor dem Landgericht Braunschweig sind knapp 226 solcher Klagen anhängig. Die auf Verbraucherschutzverfahren spezialisierte Onlineplattform MyRight, die mit der US-Kanzlei Hausfeld zusammenarbeitet, reichte zu Jahresbeginn die erste Musterklage ein. Eine finanzielle Entschädigung der Kunden in Europa lehnt VW ab, obwohl sich Forderungen nach einem ähnlichen Vergleich wie in den USA mehren. Sollten diese dennoch fällig werden, könnte das Volkswagen wegen der viel größeren Zahl betroffener Kunden im Vergleich zu den USA finanziell ruinieren, fürchten Experten. Der Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht von einem Wertverlust in einer Größenordnung von 500 Euro je Fahrzeug aus.

Vergleich in Kanada

Kanadischen Kunden zahlt VW 2,1 Milliarden kanadische Dollar an Schadenersatz für Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung

Aktionärsklagen

Weltweit sieht sich Volkswagen zudem mit milliardenschweren Schadensersatzklagen von Investoren und Kleinaktionären konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen werfen Volkswagen vor, zu spät über das Ausmaß des Abgasskandals informiert zu haben und wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen. Zu den Klägern gehören große US-Pensionsfonds, der Norwegische Staatsfonds, aber auch der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank. Auch die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen klagen wegen Kursverlusten von Pensionsfonds. Beim Landgericht Braunschweig liegen mehr als 1500 Klagen über insgesamt 8,8 Milliarden Euro vor. Dazu soll es ein Musterverfahren vor dem OLG Braunschweig geben. Anlegerklagen muss sich VW auch in den USA stellen.

Teure Anwälte

Die Scharen an Anwälten, die Volkswagen weltweit wegen des Dieselskandals beschäftigt, kosten ebenfalls viel Geld. Der Autoexperte Pieper geht von bis zu einer Milliarde Euro aus, sein Kollege Ellinghorst schätzt die Anwaltskosten auf mehrere hundert Millionen. Auch gegnerische Anwälte muss VW bezahlen – zum Beispiel 175 Millionen Dollar an Juristen, die in den USA die 475.000 Auto-Besitzer mit manipulierten 2,0-Liter-Motoren vertreten hatten.

Quelle: Reuters

Doch schon bald ist Müller bei seinem eigentlichen Thema angelangt: der Zukunft von Volkswagen und der gesamte Automobilbranche. Die jüngste VW-Vergangenheit mit der Dieselaffäre taucht noch einmal kurz auf. Müller spricht davon, dass dabei „moralische Grenzen überschritten“ worden seien. Der VW-Chef kündigt eine „restlose Aufklärung“ an, bittet aber zugleich um Geduld. Denn die internen Ermittlungen bräuchten ihre Zeit.
Dann ist Müller schnell wieder bei der Zukunft. Volkswagen und die Autobranche müssten sich der Digitalisierung, der Urbanisierung und der Nachhaltigkeit stellen. „Unser Geschäft wird sich heute tiefgreifender verändern als in den vergangenen 100 Jahren“, betont er.
Die Digitalisierung des automobilen Geschäfts sei nicht mehr umkehrbar. In zehn bis 15 Jahren würden überall im und um das Auto herum digitale Steuerungsprozesse Einzug gehalten haben. Der Wecker klingelt morgens 15 Minuten früher als geplant, weil über das Auto die ersten Staumeldungen eingegangen und weitergereicht worden sind. Über das Auto meldet sich der Kühlschrank, dass die Milch langsam zur Neige geht und jemand einkaufen gehen sollte. „Das ist kein Science-Fiction, das ist alles nicht mehr weit entfernt“, sagt Müller.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.09.2016, 15:08 Uhr

VW-CHEF MÜLLER IN LINZ
„Das ist alles kein Science Fiction“
von:
Stefan Menzel
Datum:
06.09.2016 23:19 Uhr
Konzernchef Matthias Müller erzählt im österreichischen Linz, wie er seinen Konzern fit für die Zukunft machen will. Digitalisierung und Elektrifizierung steht dabei ganz vorn.

...............................

Als die Glühlampe erfunden wurde...

da haben viele noch KERZEN AUS WACHS trotzdem statt Glühbirnen verbrauchen wollen...

und heute im Jahr 2016 gibt es die 60W Birnen nicht mehr weil es die EU abgeschafft hat...

ABER " VW " WÜRDE KETZT DIE 60W GLÜHBIRNEN ERST ZU PRODUZIEREN BEGINNEN ???

Das gleiche ist mit der ELEKTROMOBILITÄT BEI VW...

seit wie viele Jahren bastelt VW an Ihre Elektromobilität herum ?

Wie viele Gelder des Konzerns hat das ganze bereits in MILLIARDEN VON EURO VERSCHLUNGEN...UND IMMER NOCH IST VW NICHT MARKT GERECHT AUFGESTELLT !!!

Na dann...viel Erfolg Herr Müller bei Ihre Märchenstunden !

Mal sehen wie lange der Aktienmarkt an VW sein geld zur verfügung stellt und nicht aus VW-Aktien aussteigt um dann...

TESLA AKTIEN ZU KAUFEN !!!

:-)))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))



Account gelöscht!

09.09.2016, 16:59 Uhr

SOLARZELLEN STATT LADESÄULE
Dieses E-Auto produziert den Strom einfach selbst
Nutzer von E-Mobilen kennen den Ladesäulen-Blues. Ihre Fahrzeuge sind von einer Ladeinfrastruktur abhängig, die es noch kaum gibt. Der Sion von Sono Motors soll dieses Problem entschärfen, indem er selbst Strom erzeugt

.....................................

Mit einem Schönen Gruß zum Herr Müller nach Linz !

WO KANN BISHER " VW " DA MITHALTEN ???


Frau Pia Paff

09.09.2016, 17:27 Uhr

Habe mit TESLA Aktien 2 Trades gemacht ... beim Autounfall gekauft, beim Raketenabsturz gekauft. Nach Steuern 52.000€ Gewinn. Jetzt lasse ich die Finger von dieser Jump Aktie. VW ist mir langfristig mit 18% Rendite sicherer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×