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19.05.2015

16:28 Uhr

VW, Daimler, Siemens & Co.

Top-Konzerne starten mit Rekord in 2015

Die Dax-Konzerne haben ihren Umsatz laut einer Studie im ersten Quartal um neun Prozent gesteigert. Die guten Zahlen verdanken die Unternehmen vor allem der Euro-Schwäche. Experten warnen aber vor zu viel Optimismus.

Spitzenreiter beim operativen Gewinn war der Autokonzerne Volkswagen (3,3 Milliarden Euro). dpa

VW-Logo

Spitzenreiter beim operativen Gewinn war der Autokonzerne Volkswagen (3,3 Milliarden Euro).

Frankfurt/StuttgartDeutschlands Top-Konzerne sind beflügelt vom schwachen Euro einer Studie zufolge mit Rekorden bei Umsatz und Gewinn ins Jahr 2015 gestartet. Nach einer Auswertung des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) stieg der Umsatz der Dax-Unternehmen im ersten Quartal zusammengerechnet um neun Prozent auf 336 Milliarden Euro. Mindestens 60 Prozent des Zuwachses verdanken die Konzerne nach EY-Schätzungen dabei der Schwäche der Gemeinschaftswährung, die seit vergangenem Sommer gegenüber Dollar und Co. an Wert einbüßte.

Beim Gewinn war die Entwicklung den Angaben zufolge weniger positiv: Insgesamt steigerten die 30 Dax-Unternehmen ihren operativen Gewinn (Ebit) um drei Prozent auf 32,8 Milliarden Euro. Zwölf Unternehmen verzeichneten allerdings einen Rückgang.

Dennoch fielen Umsatz und Gewinn der Studie zufolge so hoch aus wie noch nie zuvor in einem ersten Quartal. „Die exportorientierten Unternehmen in Deutschland profitieren massiv vom niedrigen Eurokurs, der ihre Produkte im Ausland billiger macht beziehungsweise zu positiven Wechselkurseffekten bei der Umrechnung in Euro führt“, sagte EY-Partner Thomas Harms am Dienstag. Er warnte allerdings vor zu großem Optimismus: „Niemand kann sagen, wie lang die Euroschwäche anhält“. Die Wechselkursgewinne von heute könnten die Wechselkursverluste von morgen sein.

Die Mängelliste des Volkswagen-Konzerns

Enormes Tempo

Volkswagen ist unter Konzernchef Martin Winterkorn rasant gewachsen. Seit der Schwabe 2007 das Steuer bei den Wolfsburgern übernahm, wurden der Sportwagenbauer Porsche, die beiden Lkw-Bauer MAN und Scania sowie der Motorradhersteller Ducati in das Imperium eingegliedert. Der Absatz des weltumspannenden Autokonzerns mit inzwischen zwölf Marken kletterte um zwei Drittel auf mehr als zehn Millionen Fahrzeuge. Der Umsatz stieg erstmals über 200 Milliarden Euro, für VW arbeiten nahezu 600.000 Menschen, fast doppelt so viele wie vor sieben Jahren. Bei dem enormen Tempo von VW haben sich allerdings auch zahlreiche Risse aufgetan.

Schwache Rendite

Die Ertragskraft der Wolfsburger Kernmarke VW schwächelt, weil bei ihr ein Großteil der hohen Entwicklungskosten anfallen, von denen andere Marken wie Seat und Skoda profitieren. Vom Umsatz blieben im ersten Quartal 2015 magere zwei Prozent beim Betriebsgewinn hängen. Die Marke mit dem VW-Logo ächzt unter einer zu großen Zahl an Ausstattungsvarianten und Fahrzeugmodellen. Dadurch muss VW gegen hohe Kosten anverdienen, kann seine Wagen jedoch als Massenhersteller nur zu erschwinglichen Preisen verkaufen.

Auch die anderen Pkw-Marken schöpfen nach Meinung von Experten die Möglichkeiten nicht aus, die ein Konzern von der Größe Volkswagens bietet. Zwar profitieren die Wolfsburger bei den Kosten immer mehr von der Baukastentechnik, auf der nun auch der neue Passat und der Familienwagen Touran basieren. Doch tanzt nach Wahrnehmung des Betriebsrats noch so manche Marke bei der Gleichteilestrategie aus der Reihe. Betriebsratschef Bernd Osterloh glaubt, dass VW wesentlich mehr als die angekündigten fünf Milliarden einsparen könnte, wenn sich alle an die Vorgaben hielten. Insidern zufolge will VW über alle Marken hinweg zehn Milliarden Euro sparen.

Maues US-Geschäft

Auf dem wichtigen US-Markt fristet VW ein Nischendasein - obwohl die Wolfsburger in Chattanooga ein neues Werk errichtet haben. Die Aufholjagd ist ins Stocken geraten, bevor sie richtig angefangen hat. Denn der extra auf den Geschmack der Amerikaner abgestimmte US-Passat verkauft sich nur schleppend, weil die Konkurrenz ihre Modelle schneller erneuert. Zudem hat VW im Land der Straßenkreuzer und Geländewagen keine entsprechenden Modelle im Angebot. Das rächt sich jetzt, da die Spritpreise niedrig sind. Die von Winterkorn angekündigten großen SUV kommen erst 2016/2017. Bis dahin könnte VW jenseits des Atlantiks vollends ins Abseits geraten, fürchten Experten.

Zu stark in China

Auf dem weltgrößten Automarkt kann VW dagegen seine ganze Stärke ausspielen. In der Volksrepublik sind die Wolfsburger mit fast 40 Prozent Marktführer. Die Stärke kann sich jedoch schnell in ein Risiko verwandeln. Denn der chinesische Markt wächst bei weitem nicht mehr so rasant wie noch vor einigen Jahren. In den ersten Monaten 2015 sanken die Absätze der Kernmarke VW sogar.

Südamerika

In Südamerika, wo die Wolfsburger einst der Konkurrenz davon fuhren, schrumpft der Absatz seit einiger Zeit dramatisch, weil sich der VW zu lange auf dem Erfolg der vergangenen Jahre ausgeruht hat. Piëch soll dies neben anderen Themen im Aufsichtsrat offen angeprangert haben.

Schwerfällige Lkw-Allianz

Die vom mittlerweile als AR-Chef abgetretenen Ferdinand Piëch geforderte Allianz der beiden Lkw-Töchter MAN und Scania kommt nur schleppend in Gang. Am Montag beschloss der Aufsichtsrat die lang erwartete Gründung einer Holding für die beiden Lkw-Marken. Piëch hatte seit Jahren einen eigenen Lkw-Konzern schaffen wollen, um VW auf Augenhöhe mit Konkurrenten wie Daimler und Volvo zu bringen. Für mehr Bewegung soll nun der von Daimler zu VW gewechselte Lkw-Boss Andreas Renschler sorgen.

Keine Billigautos

Seit Jahren versuchen die Wolfsburger vergeblich, im Billigsegment Fuß zu fassen. Die Hoffnungen, dies zusammen mit Suzuki zu schaffen, sind geplatzt, weil sich der japanische Kleinwagenspezialist von VW dominiert sah. Aus der angestrebten Partnerschaft wurde ein Rosenkrieg. Währenddessen machen andere wie der französische Konkurrent Renault mit seiner Billigtocher Dacia das Geschäft. VW hat Insidern zufolge zuletzt mit dem chinesischen Hersteller Great Wall über eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung günstiger Autos gesprochen.

Spitzenreiter beim operativen Gewinn waren demnach die Autokonzerne Volkswagen (3,3 Mrd.) und Daimler (2,9 Mrd.), gefolgt von Allianz (2,85 Mrd.) und Siemens (2,55 Mrd.).

Von

dpa

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