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20.11.2015

07:59 Uhr

VW

Dieselgate hält Aufsichtsrat in Atem

Heute trifft sich der VW-Aufsichtsrat zur Planungsrunde. Wo früher der Etat erhöht wurde, heißt es jetzt: Kahlschlag. Personalentscheidungen sind offen und Zulieferer Bosch gerät offenbar ins Visier der US-Behörden.

Viel Geld muss VW für die Bewältigung des Abgasskandals aufbringen – Geld, das woanders eingespart werden muss. dpa

Hohe Rückstellungen nötig

Viel Geld muss VW für die Bewältigung des Abgasskandals aufbringen – Geld, das woanders eingespart werden muss.

FrankfurtDiesmal geht es schon um neun Uhr los. Nicht erst um elf oder gar erst um eins wie bei den außerplanmäßigen Aufsichtsratssitzungen bei Volkswagen in den vergangenen Wochen. Es steht schließlich die große Planungsrunde für die kommenden Jahre an. Und zu der wären die 20 Räte an diesem Tag auch zusammengekommen, wenn es keinen Diesel-Affäre oder eine Distanz zwischen den Herren Piech und Winterkorn gegeben hätte. Jetzt führt Hans Dieter Pötsch als oberster Aufseher das Gremium.

Und Matthias Müller wird den 17 Männern und drei Frauen erklären, wie er den Spagat schaffen will zwischen einer bedingungslosen Aufklärung des größten Skandals in der Firmengeschichte und der Neuausrichtung des Konzerns in Richtung alternativer Antriebe und Digitalisierung.

Stickoxide und CO2

Stickoxide (NOx)

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator von Benzinern in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer NOx-Reste übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger – er gelingt etwa durch Einspritzung einer zusätzlichen Harnstoff-Lösung in den Abgasstrom.

NOx-Grenzwerte beim Auto

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich, und die Vorschriften können je nach US-Bundesstaat abweichen.

Kohlendioxid (CO2)

Es ist in nicht allzu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach Angaben des Umweltbundesamts rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland - hier spielt CO2 die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und mehr Lkw-Transporte. So ist der Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen. Die Konferenz von Paris (30. November bis 11. Dezember) soll die Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad aufheizt.

CO2-Grenzwerte beim Auto

In diesem Jahr müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. 2021 sind dann nur noch 95 g/km erlaubt. In den USA liegen diese Schwellen geringfügig höher: Die Vorgabe der Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 g/km vor. Bis 2025 sinkt der Durchschnittsgrenzwert auf rund 89 g/km.

Klar ist, dass gespart werden muss. Wurde auf der Sitzung im vergangenen November der weltweite Etat für die kommenden fünf Jahre bis 2019 im Vergleich zur vorherigen Planung noch einmal um rund fünf Milliarden Euro auf 107,6 Milliarden Euro aufgestockt, so dürften diesmal Kürzungen anstehen. Sehr viel Geld wird künftig für Strafzahlungen und Reparaturen gebraucht. „Alles steht auf dem Prüfstand“, heißt es deshalb seit geraumer Zeit in Wolfsburg. Das gilt für Modelle und Ausstattungen, aber auch für ganze Werke.

Manches Vorhaben, das in der Umsetzung noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, dürfte geschoben werden. Ein Beispiel dafür ist das Top-Modell der Marke VW, der Phaeton. Dessen Neuauflage, die eigentlich für das kommende Jahr geplant wird, kommt nun erst 2019, dann aber voll elektrisch. Der Phaeton in der bisherigen Form ist damit tot. Und bis das völlig neue Modell kommt, hat man erst mal Zeit gewonnen.

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Allzu sehr dürfen die Räte den Rotstift aber auch nicht ansetzen. Zu sehr befindet sich die gesamte Branche derzeit in einem epochalen Umbruch. Hier darf Volkswagen den Anschluss nicht verpassen. Bei VW, Audi und Porsche treiben sie eine Elektro-Offensive voran. Die kostet in den nächsten Jahren Milliarden. Gleiches gilt für Fragen der Digitalisierung oder des autonomen Fahrens. Es wird deswegen an diesem Freitag nicht nur darum gehen, Gelder zu stoppen, sondern auch um deren Umverteilung. Und die Frage: Wie können wir unseren Investitionsetat sinnvoller, effektiver und zeitgemäßer einsetzen?

Kommentare (5)

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Herr walter rehm

20.11.2015, 08:43 Uhr

Endlich wird hier richtig nachgeforscht, auch wenn wie üblich am Ende keiner zur Verantwortung gezogen wird
Ich bin wirklich gespannt, wann sie endlich einmal die Schummelkurse auf den Dax als Manipulation erkennen. Wochentief abgerechnet auf den DAX 10480, wo finden
die Anleger diese Kurse? Die Computerbörsen generieren Milliarden mit nicht vorhandenen Kursen auf Dax und Aktien. Irgendwann stellen sie es fest, dann fällt auch hier ein Kartenhaus zusammen...dauert halt etwas länger als bei VW

Account gelöscht!

20.11.2015, 08:51 Uhr

Schade ist bzw. wäre es, wenn für Freunde des Marke-Portfolios Volkswagen aus Kostengründen die geilen Pre-Showpartys vor den Messen abgesagt werden. Die waren doch immer das Salz in der Suppe auch und vor allem hier auf der IAA, wie zuletzt mit Superstar Felix Jaehn. Work hard, play harder !

Herr hartmut braune

20.11.2015, 10:24 Uhr

.........Volkswagen.......mit der eigenen Ingenieur-Truppe.......und mit im Boot die Ingenieur-Zulieferer-Elite müssen und werden das Problem lösen.......denn wer so trickst, wie VW es gemacht hat.....wird auch ohne Krankenschein und Rezept den Diesel wieder zum Laufen bringen....wird er also weiter dieseln?......ja, so ist es......er wird niemals sterben.......im Gegenteil......denn jetzt erst beginnt eine neue Etappe......deutsches Ingenieur-Wissen auf die Fahne zu schreiben und diese bald auf den Mast nach oben zu ziehen.......sodaß den Amerikanern, die nicht in der Lage sind, einen 1.6 oder 2 Liter......oder noch in anderen Größen zu konstruierenden Dieselmotor herzustellen.......der Ober- und Unterkiefer nach Hinten klappen wird....es wird so kommen.......Mathias Müller von Porsche kommend..... wird in absehbarer Zeit eine überzeugende Meldung in der Weiterentwicklung geben......ein Porschianer wie Müller wird nicht ruhen.....denn der Ehrgeiz wird ihn zu Beginn halb auffressen......und Otto und Erna hängen am Golf und Konsorten......den und die lassen sie sich nicht nehmen......und so werden wir den Kurfuschern verzeihen.......da die reuigen Sünder verstanden haben.......denn jeder von ihnen hat Feuer unterm Stuhl.....also bewahren Ruhe.....diese Marke jet nit kaputt

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