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10.11.2015

18:02 Uhr

VW-Dieselgate

Kraftfahrt-Bundesamt überprüft CO2-Werte

Bis zu 800.000 Fahrzeuge von VW stoßen mehr Kohlendioxid aus, als bei der Typ-Zulassen angesetzt. Auch die Verbrauchsangaben sind somit falsch. Das Kraftfahrt-Bundesamt will die Emissionswerte nun überprüfen.

In den USA drohen dem Autobauer Milliardenstrafen nach dem Abgasskandal. dpa

Düstere Aussichten für VW

In den USA drohen dem Autobauer Milliardenstrafen nach dem Abgasskandal.

HamburgDas Kraftfahrt-Bundesamt lässt den Kohlendioxid-Ausstoß von VW-Fahrzeugen neu ermitteln. Die Flensburger Behörde ordnete die Überprüfung der Emissionswerte der Fahrzeugtypen an, für die Volkswagen falsche Angaben gemacht hatte.

Der Wolfsburger Autobauer hatte eingeräumt, dass bei der Typ-Zulassung zu niedrige CO2-Werte angesetzt und damit falsche Verbrauchsangaben gemacht wurden. Davon sind bis zu 800.000 Fahrzeuge betroffen, darunter erstmals auch Benziner. Laut Bundesverkehrsministerium ist ein Viertel auf deutschen Straßen unterwegs. Die wirtschaftlichen Risiken hatte Volkswagen auf rund zwei Milliarden Euro beziffert.

Stickoxide und CO2

Stickoxide (NOx)

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator von Benzinern in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer NOx-Reste übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger – er gelingt etwa durch Einspritzung einer zusätzlichen Harnstoff-Lösung in den Abgasstrom.

NOx-Grenzwerte beim Auto

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich, und die Vorschriften können je nach US-Bundesstaat abweichen.

Kohlendioxid (CO2)

Es ist in nicht allzu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach Angaben des Umweltbundesamts rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland - hier spielt CO2 die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und mehr Lkw-Transporte. So ist der Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen. Die Konferenz von Paris (30. November bis 11. Dezember) soll die Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad aufheizt.

CO2-Grenzwerte beim Auto

In diesem Jahr müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. 2021 sind dann nur noch 95 g/km erlaubt. In den USA liegen diese Schwellen geringfügig höher: Die Vorgabe der Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 g/km vor. Bis 2025 sinkt der Durchschnittsgrenzwert auf rund 89 g/km.

Ein Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes erläuterte, betroffen seien Euro-6-Fahrzeuge mit dem Motorentyp EA288 mit 1,4-, 1,6- und 2,0-Liter-Dieselmotor und der 1,4-Liter-Benziner. Laut VW beschränkt sich das Problem bei den Benzinern auf Autos mit Zylinderabschaltung. Bevor das Kraftfahrt-Bundesamt mit der Überprüfung beginnt, soll der gesamte Prozess der Ermittlung dieser Werte bei Volkswagen und seinen Dienstleistern untersucht werden.

Die EU-Kommission setzte VW unterdessen eine Frist. Binnen zehn Tagen, gerechnet ab dem 9. November, sollen die Wolfsburger erklären, welche Modelle und wie viele Autos von Manipulationen beim Kohlendioxid-Ausstoß betroffen sind.

Eine EU-Sprecherin betonte, dass der Brief Teil des EU-Vorgehens sei, die CO2-Werte aller Autohersteller zu ermitteln. VW werde nun Gelegenheit gegeben, seine Angaben anzupassen. „Bevor wir über Strafen reden, wollen wir wissen, was VW zu sagen hat“, sagte die Sprecherin.

Die falschen CO2-Angaben waren bei Untersuchungen aufgefallen, die Volkswagen nach Bekanntwerden der Manipulation von Diesel-Emissionswerten eingeleitet hatte. Der Wolfsburger Autobauer hatte nach langem Zögern im September zugegeben, Abgaswerte mit einer Software frisiert zu haben.

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