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15.03.2016

14:39 Uhr

VW Financial Services

Volkswagen-Finanzsparte kündigt härteren Sparkurs an

Die Finanztochter des VW-Konzerns steht derzeit gut da – noch. Trotz Abgaskrise können die Braunschweiger solide Zahlen für 2015 vorlegen. Doch die Folgen der Diesel-Affäre schlagen sich auch hier nieder.

Sollte VW in den USA zu Rückkäufen gezwungen werden, müsste der Finanzierer formal vom Hersteller entschädigt werden. dpa

Volkswagen

Sollte VW in den USA zu Rückkäufen gezwungen werden, müsste der Finanzierer formal vom Hersteller entschädigt werden.

Frankfurt/BraunschweigVolkswagen hat mit seinem Leasing- und Finanzierungsgeschäft im vergangenen Jahr trotz des Abgas-Skandals deutlich mehr verdient, muss beim Sparen nun aber einen Gang hoch schalten. 2016 und 2017 will die VW Financial Services AG (VWFS) 300 Millionen Euro an Kosten einsparen – 100 Millionen waren es bereits 2015.

„Dabei kommen wir um manche harte Einschnitte nicht herum“, sagte VWFS-Finanzchef Frank Fiedler am Dienstag bei der Vorstellung der Zahlen in Frankfurt. „Es wird nicht mehr alles möglich sein, was wir früher als selbstverständlich angesehen haben.“

Im laufenden Jahr dürfte es für das Unternehmen teurer werden, sich frisches Geld zu besorgen, weil große Ratingagenturen die Noten für die Kreditwürdigkeit der Braunschweiger gesenkt hatten. 2015 hätten sich die Kosten für die Beschaffung neuer Mittel noch nicht erhöht, sagte Fiedler. „Dies wird aber voraussichtlich 2016 der Fall sein.“

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Diese Unsicherheit lässt den Autofinanzierer auch bei seiner Prognose für das laufende Jahr vorsichtig werden. 2015 stieg das operative Ergebnis um knapp 13 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Für 2016 setzt sich die VW-Finanzsparte 1,7 Milliarden Euro als Mindest-Zielmarke.

VWFS-Chef Lars-Henner Santelmann führte unter anderem die unklaren Refinanzierungskosten als Grund an. Unterm Strich kletterte der Gewinn um 35 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Bereits im vergangenen Jahr hatte die VW-Tochter Rückstellungen wegen möglicher Verluste im Abgas-Skandal gebildet.

Die Gefahr ist zum Beispiel, dass VWFS Leasingautos zu einem höheren vertraglich zugesicherten Preis zurückkaufen muss, als diese eigentlich wert sind. Grund dafür könnten möglicherweise die Manipulationen oder der Rückruf sein.

2015 habe VWFS 353 Millionen außerplanmäßige Abschreibungen gemacht, davon 286 Millionen wegen des Dieselthemas, sagte Risikovorstand Michael Reinhart. Für die USA wurden zusätzlich netto 96 Millionen Euro an Rückstellungen gebildet. Sollte VW in den USA zu Rückkäufen gezwungen werden, müsste der Finanzierer formal vom Hersteller entschädigt werden, sagte Vertriebschef Christian Dahlheim. Da gebe es in den Vereinigten Staaten „eine ganz klare gesetzliche Regelung“.

In den USA sind VWFS zufolge 32.112 VW-Leasing-Fahrzeuge unterwegs, die über die US-Finanzierungstochter Volkswagen Inc. laufen und von den Abgas-Manipulationen betroffen sind. Außerdem gebe es 120.000 entsprechende Fahrzeuge, die über eine Finanzierung laufen – dafür müssten aber keine Restwert-Rückstellungen gebildet werden.

Von

dpa

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