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28.07.2016

10:53 Uhr

VW-Halbjahresbilanz

Volkswagen hat das Autobauen nicht verlernt

VonStefan Menzel

Die Abgasaffäre trübt die guten Zahlen des ersten Halbjahres – Volkswagen muss neue Rückstellungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro bilden. Dennoch hat sich das operative Geschäft deutlich verbessert.

Der Volkswagen-Konzern präsentiert recht gute Zahlen für das zweite Quartal. Die Hoffnungen wachsen, die Dieselaffäre bald abschütteln zu können. dpa

Volkswagen-Modelle bei einem US-Händler

Der Volkswagen-Konzern präsentiert recht gute Zahlen für das zweite Quartal. Die Hoffnungen wachsen, die Dieselaffäre bald abschütteln zu können.

DüsseldorfWenn die Abgasaffäre nicht wäre, könnte der Volkswagen-Konzern an diesem Donnerstag glänzen. Im ersten Halbjahr ist der operative Gewinn im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahrs um gut sieben Prozent auf 7,5 Milliarden Euro gestiegen. Wie das Unternehmen weiter mitteilte, wäre die operative Rendite dadurch auf 7,0 Prozent (Vorjahr: 6,4) geklettert. Vor allem die Konzerntöchter Audi, Porsche und Skoda haben dieses Ergebnis getragen. Nach Steuern hat VW im Halbjahr insgesamt 3,6 Milliarden Euro (5,7) verdient.

Bei der Marke Volkswagen, auf die sich die Dieselaffäre konzentriert, gibt es leichte Verbesserungen des operativen Geschäfts. Bei VW greifen auch erste Schritte zur Effizienzsteigerung. Das vergleichsweise gute Geschäft geht zudem auf die unverändert hohen Absatzzahlen in China zurück. Außerdem werden fast überall in Europa mehr Autos verkauft. Auch das Flottengeschäft mit Firmenwagen läuft für Volkswagen wieder besser. Der Umsatz ist im Konzern im ersten Halbjahr um 0,8 Prozent auf knapp 108 Milliarden Euro gefallen.

Wer Volkswagen verklagt

Große Probleme für VW

Volkswagen hat sich zur Beilegung des Dieselskandals in den USA mit Klägern auf Zahlungen von mehr als 15 Milliarden Dollar verständigt. Der außergerichtliche Vergleich mit Behörden und Dieselbesitzern ist der erste große Schritt zur Aufarbeitung der Manipulation. Weltweit sieht sich Volkswagen mit milliardenschweren Schadenersatzklagen auch von Anlegern konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen des Konzerns sind neben Autobesitzern und Behörden die dritte große Gruppe, die finanzielle Ansprüche an den Konzern stellt. Weltweit werfen Investoren dem Unternehmen vor, es habe die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr über die Manipulation mit ihren schwerwiegenden finanziellen Folgen zu spät informiert. Der Konzern müsse deshalb auch für Kursverluste von VW-Wertpapieren aufkommen. Volkswagen hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Andreas Tilp

Der Tübinger Rechtsanwalt hat nach eigenen Angaben beim Landgericht Braunschweig eine Klage eingereicht, mit der rund 280 institutionelle Anleger aus mehreren Ländern fast 3,3 Milliarden Euro Schadensersatz für Kursverluste fordern. Außerdem vertritt Tilp mehr als 1100 Privatanleger, die durchschnittlich einen Schaden von 47.000 Euro geltend machen.

Quinn Emanuel

Die Hamburger Kanzlei Quinn Emanuel reichte Klagen für rund 50 institutionelle internationale Investoren ein, darunter der milliardenschwere Pensionsfonds für Lehrer in Kalifornien, ein Staatsfonds und Hedgefonds. Die geforderte Summe beläuft sich auf 680 Millionen Euro. Unterstützt wird Quinn Emanuel vom Prozesskostenfinanzierer Bentham Europe, an dem der US-Hedgefonds Elliott beteiligt ist.

Pensionsfonds aus Boston

Der Pensionsfonds für Angestellte der US-Stadt Boston hat nach Angaben einer Anwaltskanzlei eine Sammelklage gegen Volkswagen eingereicht. Er hält Anleihen von Volkswagen und wirft dem Autobauer vor, seine Gläubiger getäuscht zu haben, wie die Kanzlei Labaton Sucharow mitteilte. Die Klage wurde bei einem US-Bezirksgericht in Kalifornien eingereicht.

Niederländische Stiftung

Eine als Stiftung eingerichtete Kläger-Organisation pocht auf einen außergerichtlichen Vergleich. Volkswagen könne so zu geringeren Kosten eine Welle von Schadensersatzklagen abwenden, erklärte Henning Wegener, Chef der nach niederländischem Recht gegründeten „Stichting Volkswagen Investors Claim“.

Nieding + Barth

Die Frankfurter Kanzlei hatte ebenfalls eine Klage am Landgericht Braunschweig angekündigt. Insgesamt strengten 66 Investoren aus den USA und Großbritannien dieselbe Klage an, die Volkswagen einen Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz wegen verspäteter Bekanntgabe der illegalen Abgasmanipulation von Diesel-Fahrzeugen in den USA vorwirft.

Alllianz und Dekabank

Der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank ziehen gegen Volkswagen wegen der Abgasaffäre vor Gericht. Finanzkreisen zufolge beteiligt sich das Wertpapierhaus der Sparkassen neben der Allianz-Tochter AGI an der Klage. Die Deka ist nach Reuters-Daten elftgrößter VW-Aktionär und hält einen Anteil von 0,6 Prozent.

Kleinanleger

In Deutschland gingen beim zuständigen Landgericht Braunschweig zudem rund 120 Klagen von Kleinanlegern ein, die Schäden von jeweils zwischen 600 Euro und zwei Millionen Euro geltend machen.

Doch am Ende trübt wieder die Abgasaffäre die vergleichsweise gute Zahlen des ersten Halbjahres. Volkswagen muss neue Rückstellungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro bilden. Schon im vergangenen Jahr hatte der Konzern dafür 16,2 Milliarden Euro zurückgelegt. Weitere Sonderbelastungen von 600 Millionen Euro trüben das an sich gute operative Ergebnis. Allein die schwedische Lastwagen-Tochter Scania hat 400 Millionen Euro wegen der möglichen Beteiligung an einem Lkw-Kartell zurückgestellt. Die EU-Kommission in Brüssel ermittelt gegen die Volkswagen-Tochter.

VW-Vorstandschef Matthias Müller zog in einer ersten Reaktion eine positive Zwischenbilanz. „Gerade angesichts der aktuellen Belastungen können wir mit dem Halbjahresergebnis zufrieden sein. Die Zahlen zeigen, dass unser operatives Geschäft solide ist“, sagte Müller am Donnerstagmorgen in Wolfsburg. Finanzchef Frank Witter warnte zugleich, dass weiter „enorme Kraftanstrengungen“ notwendig seien, um die hohen Belastungen aus der Dieselaffäre aufzufangen.

„Die verbesserte Rendite der Konzernmarke VW ist ein klarer Hinweis darauf, dass sich die Dinge bei Volkswagen schneller als erwartet verändern“, meinte Arndt Ellinghorst, Autoexperte beim Investmentberater Evercore ISI in London. Aus Investorensicht ist für ihn unter den Automobilherstellern weltweit Volkswagen der interessanteste Wert – weil in Wolfsburg unter dem neuen Management eine echte „Turnaround-Story“ begonnen habe.

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Der österreichische Anwalt Eric Breiteneder ist einer der Vertreter der niederländischen Stichting Volkswagen Car Claim, die Ansprüche von VW-Dieselbesitzern durchzusetzen will. Jetzt erhöht die Stiftung den Druck.

Im Schatten der Abgas-Affäre kommt die renditeschwache Kernmarke VW-Pkw wieder langsam zurück auf Kurs. Die Hausmarke um Golf und Passat erreichte im zweiten Quartal des laufenden Jahres 808 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), wie Volkswagen am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Zwar liegt dieser Wert klar unter den 914 Millionen Euro aus dem zweiten Viertel des Vorjahres. Jedoch war das Startquartal von 2016 für die Kernmarke unter dem Druck der Abgasaffäre mit nur 73 Millionen Euro Ebit noch weit enttäuschender. In den letzten drei Monaten von 2015 hatte die Marke VW sogar Verluste geschrieben.

Der VW-Konzern trotzt besonders mit seinen Auslieferungen der Dieselkrise. Ein starker Monat Juni schob den Autobauer bei seiner Verkaufsbilanz zum Halbjahr merklich ins Plus. Im Juni lieferte Europas größter Autobauer mit seinen zwölf Marken 883.400 Fahrzeuge an Kunden aus; 5,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Mit dem starken Juni stehen nach sechs Monaten die Zeichen bei den Verkäufen klarer als zuvor auf Zuwachs: 5,12 Millionen Fahrzeuge – vom VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw – sind 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Trotz der Dieselkrise steuert der Konzern damit 2016 auf ein Auslieferungsplus zu. VW muss aber wahrscheinlich auch mehr Rabatte geben, um die Autos am Ende auch verkaufen zu können.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

28.07.2016, 09:44 Uhr

erster...Erster.....ERSTER

---------------------------------------------------------- 8da mach ich doch mal vor FREUDE den carlos



ERSTER Kommentar


Herr Toni Ebert

28.07.2016, 10:44 Uhr

Man sieht, dass Herr Müller ein echter Profi ist. Kein Wunder, denn Dr. Piech wollte, dass Müller den Konzern lenkt und nicht der abgehobene und naiv dumme Wiko.

Und wie man sieht, Herr Müller weiß, was Amis (in ihre privaten Taschen) haben wollen. Die Leistungen sind erbracht worden und nun kann man die Sache auslaufen lassen.

Baron v. Fink

28.07.2016, 10:51 Uhr

Auch hier ein Desaster, keine Dividenden, nur eine Wurst. Was glauben diese Leute wovon der Aktionär lebt ? Vom Auto abstauben ? Warum werden all diese Karren gebaut ? Ist das ein Beschäftigungsprogramm ?

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