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20.02.2004

10:42 Uhr

VW hat in China mächtig Marktanteil verloren

Markenimitat auf vier Rädern

VonMarkus Gärtner (Handelsblatt)

Zehn Minuten braucht man, um den chinesischen Albtraum des Volkswagen-Konzerns mit einem Auto zu umrunden. Eine zwei Meter hohe Mauer, dick wie ein Polo breit, mit Stacheldraht und Hochspannungskabel, umgibt den militärisch wirkenden Hochsicherheitstrakt. Am Eingang wehen die rot-blaue Fahne der nordostchinesischen Provinz Jilin und die der Firma, die hier arbeitet: Jiangbei.

Der Polo hat in China einen ungewollten Bruder, den Golo. Foto: VW

Der Polo hat in China einen ungewollten Bruder, den Golo. Foto: VW

JILIN. Bald sollen hier Autos herausrollen, die Golo heißen und wie ein Polo aussehen – ein billiges Markenimitat. 150 000 Stück könnten bei Jiangbei produziert werden, vergangenes Jahr verkaufte VW gerade 40 000 Polos in China.

90 Autominuten westlich der Stadt Jilin produziert Volkswagen unter anderem Bora und Golf. Bis vor einigen Tagen war der Name „Golo“ hier nicht bekannt.

Jetzt mischen sich in dem von personellen Umwälzungen geplagten VW-Team in Peking Ratlosigkeit und Wut. Denn die Situation ist nicht neu: Vor zweieinhalb Jahren kam eine andere Kopie namens „Chery“ auf den Markt und ist seitdem in Ballungszentren wie Peking ein Verkaufshit.

Und ohnehin war die Stimmung schon mal besser. Damals zum Beispiel, als der Marktanteil noch bei 50 Prozent lag. Heute sind es noch 32 Prozent, Toyota, Honda, Hyundai und GM haben in den vergangenen Jahren mächtig attackiert.

Und jetzt auch noch das. Eine weitere Kopie. „Das ist nur ein so kleines Problem“, meint ein Volkswagen-Händler in Peking und macht mit der hohlen Hand das Zeichen für eine Erbse.

Dabei weiß auch er immer noch nicht viel mehr über den Golo. Der Besuch an dessen Wiege, dem alten Gelände der Jiangbei Machinery Works – einer Firma der Volksbefreiungsarmee – dürfte bei VW die Nervosität ein wenig abklingen lassen. Abbruchreif sehen sie aus, die roten, vom Zerfall bedrohten Ziegelgebäude. Die Jiangbei Machinery Works wurde Mitte der 80er-Jahre gegründet, um den Fiat 126 zu kopieren. Irgendwie hat das aber nicht funktioniert.

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