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22.06.2016

17:03 Uhr

VW-Hauptversammlung im Liveblog

„Nicht zu rechtfertigende Belohnung für Misserfolg“

VW-Chef Müller verspricht den Aktionären Sparsamkeit, und kündigt einen Partikelfilter für saubere Benziner an. Doch die Kritik der Anteilseigner ist deutlich. Ein Fonds wird dem Vorstand die Entlastung verweigern.

Momentaufnahme aus Hannover, mit Porsche Turbo S und VW-Aktionären in der Messehalle, wo die Hauptversammlung tagt. AFP; Files; Francois Guillot

Einmal feucht durchwischen, bitte!

Momentaufnahme aus Hannover, mit Porsche Turbo S und VW-Aktionären in der Messehalle, wo die Hauptversammlung tagt.

+++Zusammenfassung bis 17:00 Uhr+++
Heute haben die Kleinaktionäre den Aufstand geprobt. Ohne Aussicht auf Erfolg beantragten mehrere Anteilseigner die Abwahl von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch als Versammlungsleiter, scheiterten aber schon bei dieser Formalie an der Mehrheit der Großaktionäre. Die machtlosen Aktienbesitzer machten dennoch ihrer Kritik am „System Volkswagen“ deutlich Luft. Von einer "Filzokratie" war die Rede, bei der sich das Land Niedersachsen, der VW-Betriebsrat, das Management und die Großaktionärsfamilien Porsche und Piëch gegenseitig Vorteile zuschöben.

Die Entschuldigungen von Konzernchef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch für die millionenfache Abgasmanipulation verpufften in der aufgeheizten Stimmung. „Dieses Fehlverhalten widerspricht allem, wofür Volkswagen steht. Der reumütige Müller sagte, man setze nun alles daran, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Doch Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warf der VW-Führung kollektives Versagen vor: „Wir stehen vor einem Trümmerhaufen.“

Damit beenden wir für heute unsere Live-Berichterstattung von der Volkswagen-HV. Den Tagesverlauf können Sie hier nachlesen.

+++Kapitalmarktrechtliche Pflichten erfüllt+++
VW-Chefjuristin Christine Hohmann-Dennhardt bekräftigt mit Blick auf die strafrechtlichen Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation durch verspätete Information des Kapitalmarktes: „Volkswagen ist unverändert der Überzeugung, seine kapitalmarktrechtlichen Pflichten erfüllt zu haben.“

+++16:06 Uhr: Rednerliste geschlossen+++
Hans Dieter Pötsch schließt um 16:06 Uhr die Rednerliste. Nur wer sich bis jetzt eintragen ließ, hat noch ein Rederecht. Bei Pötsch wächst die Sorge, dass die Hauptversammlung rechtzeitig bis Mitternacht beendet werden kann.

+++Pensionsfonds verweigert die Entlastung+++
Der Vertreter des Pensionsfonds Hermes, Hans-Christoph Hirt, plädiert dafür, Aufsichtsrat und Vorstand die Entlastung wegen der noch laufenden Untersuchungen der Dieselaffäre zu verweigern. „Das ist ein klares Signal an den Aufsichtsrat, dass weitere Veränderungen der Unternehmensführung notwendig sind“, sagt Hirt. Vor allem die Bestellung von Aufsichtsratschef Pötsch sei kritisch, weil er als ehemaliger VW-Finanzvorstand potenziell hafte und damit ein Interessenkonflikt bei der Aufklärung des Skandals bestehe. Die Vorstandsboni kritisiert er als „nicht zu rechtfertigende Belohnung für Misserfolg“. Hermes unterstützt den Antrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, einen unabhängigen Sonderprüfer einzusetzen.

Entlastung für VW-Verantwortliche: Ein Stück aus dem Tollhaus

Entlastung für VW-Verantwortliche

Premium Ein Stück aus dem Tollhaus

In der Einladung zur Hauptversammlung rät VW seinen Aktionären, Aufsichtsrat und Vorstand zu entlasten. Doch warum sollen sie den Verantwortlichen die Absolution erteilen? Der Vorschlag zeugt von purer Ignoranz. Eine Analyse.

+++Läuft der HV die Zeit davon?+++
Die Aussprache ist schon extrem fortgeschritten: Aufsichtsratsvorsitzender Pötsch droht nun mit der Schließung der Rednerliste, „um die Hauptversammlung in angemessenem Rahmen zu Ende zu bringen“. Bis Mitternacht muss das Treffen beendet sein. Noch einmal hatte zuvor ein Kleinanleger einen Antrag zur Ablösung von Pötsch als Versammlungsleiter gestellt. Es gebe einen begründeten Verdacht, dass Pötsch eine Mitverantwortung dafür trage, dass VW zu spät über die Dieselmanipulation informierte. Viele Kleinaktionäre klatschen. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil soll ihn ablösen. Das Ergebnis fällt noch schlechter aus: Nur 0,01 Prozent der Aktionäre stimmen für diesen Antrag.

+++Natürlich geht zurzeit nichts ohne Fußball-Verweise+++
„Hoffen wir, dass die neuen Ansätze wirken und dass VW in der Spitze landet und nicht im Mittelfeld wie der VfL Wolfsburg in der letzten Bundesliga-Saison“, sagt Alexander Scholl von Deka-Fonds. Noch deutlichere Worte findet Christian Strenger, früherer Chef der DWS-Investmentfonds: „Angesichts des Fehlens jeglichen Veränderungswillens und der Wagenburg-Mentalität der Verwaltung, der Familien und des Landes Niedersachsens muss es heute zu der so unerfreulichen Generalabrechnung kommen.“

+++Die Kritik aus dem Kreis der Aktionäre wird lauter+++
„Die Aktie ist ein Trümmerhaufen“, meint Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Abgasskandal in den USA habe gezeigt, „dass der Diesel eine Mogelpackung ist“. Der Führungsspitze des Konzerns hielt er „kollektives Versagen“ vor. Markus Dufner von den Kritischen Aktionären ergänzt: „In Wolfsburg gibt es keine klare Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat.“

+++Zeit für eine Currywurst+++
Mit dem Start der Aussprache leeren sich die Reihen; viele Aktionäre eilen zu den Buffets. Neben Bockwürsten steht die obligatorische Currywurst von Volkswagen auf der Speisekarte. Ein Kleinaktionär betont zwischen zwei Happen: „Ich habe für die Abwahl von Pötsch als Versammlungsleiter gestimmt. In den 0,02 Prozent ist meine Stimme, auch wenn Pötsch bleiben darf.“

+++Kritische vs. Pötsch, die Zweite!+++
Kritische Aktionäre wollten Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch als Versammlungsleiter abwählen. Sie haben mit ihrem Antrag keine Chance gegen die Großaktionäre: Gerade 0,02 Prozent stimmen für die Ablösung von Pötsch.

+++Jetzt sind die Kritischen Aktionäre dran!+++
Die „Kritischen Aktionäre“ nehmen den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch ins Visier, weil er unmittelbar und ohne sogenannte „Abkühlphase“ vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt ist. „Es ist nicht mehr tragbar, dass Herr Pötsch diese Versammlung leitet“, sagt Markus Dufner. In Wolfsburg gebe es keine Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Zuvor meinte ein anderer Aktionär: „Herrn Pötsch möchte ich einmal als blinden Wegseher bezeichnen.“

Der Vorstandschef kündigt auf der HV in Hannover an, dass auch die VW-Benzinmotoren sauberer werden. Vom kommenden Jahr an sollen sie - wie Diesel - mit einem Partikelfilter ausgestattet werden. dpa

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

Der Vorstandschef kündigt auf der HV in Hannover an, dass auch die VW-Benzinmotoren sauberer werden. Vom kommenden Jahr an sollen sie - wie Diesel - mit einem Partikelfilter ausgestattet werden.

+++Bitte fassen Sie sich kurz+++
Die Redezeit für Aktionäre ist auf fünf Minuten begrenzt. Der Grund liegt auf der Hand: Die Hauptversammlung muss vor Mitternacht beendet sein. Andernfalls sind alle Beschlüsse hinfällig und VW müsste das Treffen mit rund 3.000 Aktionären ein weiteres Mal ansetzen.

Von einem großen Protest der Aktionäre kann bislang nicht die Rede sein. Sie folgen den Reden von Pötsch und Müller ruhig und ohne großen Protest. Als Pötsch die Entlastung für den Vorstand rechtfertigt, ist nur ein einzelnes „Unmöglich“ aus den Reihen der Aktionäre zu hören.

+++Müller verspricht eine neue Sparsamkeit+++
„Der Firmen-Airbus steht kurz vor dem Verkauf“, kündigt VW-Vorstandschef Matthias Müller er auf dem Eignertreffen an. Die Zeiten hätten sich im VW-Konzern geändert, niemand brauche einen großen Airbus mehr. Müller ist außerdem noch lange nicht damit zufrieden, wie im großen VW-Konzern miteinander gearbeitet wird.  „Unsere Führungskultur muss besser werden“, sagt er, der Widerspruch des Einzelnen müsse gefördert werden, jeder Mitarbeiter solle mutiger werden.

+++Der Partikelfilter für Benziner kommt+++
Müller kündigt an, dass auch Benzinmotoren bei Volkswagen sauberer werden. Vom kommenden Jahr an sollen auch Benzinmotoren mit einem Partikelfilter ausgestattet werden. „Wir werden die neuen TSI- und TFSI-Motoren des Konzerns sukzessive mit dem Otto-Partikelfilter ausstatten“, sagt Müller. „Den Anfang machen der 1,4 Liter TSI-Motor im neuen Tiguan und der Audi A5 ab Juni 2017“.

Der Partikelausstoß, also letztlich Ruß, werde damit um bis zu 90 Prozent reduziert. Bis zum Jahr 2022 könnten damit sieben Millionen Autos jährlich ausgestattet werden. VW baut etwa zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr.

+++Geld? Anwesend!+++
Die Kapitalpräsenz auf der Hauptversammlung liegt fest: Sie liegt am Mittag bei 93,7 Prozent. Ein ziemlich gewöhnlicher Wert - allein die Familien Porsche und Piech bringen es auf 52,5 Prozent.

+++Rückruf gewinnt an Fahrt+++
„Gestern ist der Bescheid des KBA für rund eine Million weitere Fahrzeuge eingegangen“, sagt der Konzernchef. Damit habe der Konzern nun die Erlaubnis für die Umrüstung von mehr als 3,7 Millionen Fahrzeugen. Darunter seien der VW Passat, Tiguan und Caddy, alle Varianten des Golf, der Seat Exeo, der Skoda Superb sowie verschiedene Modelle von Audi, wie der A3, A4 und Q5. Die Reparatur wird vom KBA nach Typen freigegeben, weil je nach Bauart eine andere Software nötig ist. Sie soll die illegale Abschalteinrichtung ersetzen, die dafür sorgt, dass die Wagen Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten, nicht aber auf der Straße.

Kommentare (32)

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Rainer von Horn

22.06.2016, 12:18 Uhr

Abgas-Skandal hin, Abgasskandal her, der Dieselantrieb ist stigmatisiert und damit in der EU und den USA langfristig genauso mausetot wie Atomkraftwerke. Und dem pösen Benzinantrieb wirds genauso gehen (was aber den Rest der Länder der Erde wohl kaum davon abhalten wird, weiter Öl -auch zu Mobilitätszwecken- zu verbrennen, was dann wie bei der glorreichen Energiewende die Frage nach dem Zweck der Übung aufwirft).
Die einzige Frage, die ich mir heute bei dem Thema VW gestellt habe, war, ob sich der Herr Müller von VW und der Herr Zetsche von Daimler hinsichtlich ihrer ach so medienwirksamen Verkündung einer Elektro-Verkehrswende der deutschen Autobauer abgesprochen haben, bzw. Weisung dazu erhielten. Die Frage wird mir wahrscheinlich keiner beantworten können.

Account gelöscht!

22.06.2016, 12:40 Uhr

Die VW Manager machen den gleichen Fehler wie die EON, RWE und ENBW Manager...diese Manager biedern sich einer marktfeindlichen CO2 freien Energiewende Politik an und werden damit in Zukunft Arbeitsplätze vernichten bzw. ins marktfreundliche "CO2 Ausland" verlagern.
Der Deutsche Wirtschaftsstandort und Industriearbeitsplatz Standort von gut bezahlten Löhnen wird durch die CO2 freie Energiewende Politik von "bezahlten" Managern, Medien, Gewerkschaften und Politik Schritt für Schritt vernichtet.

Energiewende/CO2 Geiselung = erst kommt die Lüge (Energie wenden zu können und das CO2 ein Klimakiller sei), dann kommt der Betrug/Selbstbetrug (EEG und andere marktfeindliche/wirtschaftsfeindliche Subventionszahlungen) danach wird der Mangel (Verschuldung und Kosteneinsparung/Arbeitsplatzabbau) einzug halten und zum Schluss kommt die Armut (Insolvenz, Konkurs und die Vernichtung von Kapital und Arbeitsplätzen.)

Account gelöscht!

22.06.2016, 12:51 Uhr

OH menno.....

Marc und Rainer waren schon wieder schneller, wie macht ihr das nur?
Wie oft am Tag sucht ihr hier nach freien Kommentarstellen?
Als ich schaue alle 20 Minuten nach.

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