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05.05.2015

15:40 Uhr

VW-Hauptversammlung

„Wir hätten eine Klärung unter Männern erwartet“

VonLukas Bay

Nach dem erbitterten Machtkampf und dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch versucht Volkswagen wieder Tritt im Alltag zu finden. Auf der Hauptversammlung gab es Lob für den abgetretenen Patriarchen.

Der VW-Chef lobte in seiner Rede bei der Hauptversammlung den abgetretenen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. AP

Martin Winterkorn

Der VW-Chef lobte in seiner Rede bei der Hauptversammlung den abgetretenen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch.

Hannover„Hinter uns liegen - vorsichtig gesagt - bewegte Tage“, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn am Dienstag in Hannover auf der Hauptversammlung. Der Autobauer sei nun aber „in ruhigerem Fahrwasser unterwegs“, der Fokus liege wieder auf dem Geschäft. Bei dem Aktionärstreffen fehlte erstmals seit über einem Jahrzehnt an der Aufsichtsratsspitze der langjährige VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.
+++Keine weiteren Zukäufe+++
VW-Chef Martin Winterkorn hat derzeit keine neuen Übernahmepläne. Zwölf Marken im Konzernimperium müssen reichen. Finanzchef Hans Dieter Pötsch dementiert auch, dass der Autobauer derzeit plant, sich an Ferrari zu beteiligen.

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Auf der Hauptversammlung von Volkswagen fehlt der Patriarch. Unter den Kleinaktionären wird trotzdem lebhaft über den Abgang von Ferdinand Piëch diskutiert. Ein Stimmungsbericht.

+++Sparprogramm nimmt Fahrt auf+++
„Wir rechnen damit, dass deutlich über eine Milliarde Euro davon bereits im laufenden Jahr ergebniswirksam wird“, sagt Winterkorn . Insgesamt will der Autobauer bei seiner Hauptmarke rund um Golf und Passat etwa fünf Milliarden Euro bis 2017 einsparen. Im ersten Quartal hatte das Programm für mehr Kostenbewusstsein einen Betrag „im niedrigen dreistelligen Millionenbereich“ freigelegt. Mit der Winterkorn-Ansage für die gute Milliarde Euro bis zum Jahresende scheint nun klar, dass zur Jahresmitte mehr Zugkraft zu erwarten ist.
Insgesamt habe Volkswagen bereits ungefähr die Hälfte der angepeilten fünf Milliarden Euro des Sparziels „identifiziert“, sagt Winterkorn. Das Programm soll die Gewinnkraft der Kernmarke von zuletzt nur 2,5 Prozent bis 2017 auf mindestens mehr als das Doppelte anheben. Ziel ist, dass dann 6 Prozent vom Umsatz als Betriebsgewinn hängenbleiben.

+++Renditefragen verhindern raschen Start für Billigauto+++
Volkswagen braucht bei seinem Billigauto für den chinesischen Markt doch noch mehr Zeit. „Es geht uns nicht allein um zusätzliche Verkäufe, sondern es muss für den Konzern vor allem betriebswirtschaftlich Sinn machen“, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn am Dienstag auf der VW-Hauptversammlung in Hannover. „Im Klartext: Auch das Budget Car muss eine angemessene Rendite abwerfen. Das sieht auch der Aufsichtsrat so“, betont Winterkorn. Ein billiges Einstiegsfahrzeug gilt als ein Schlüssel in der Konzernstrategie für die Erschließung neuer Käuferschichten in den aufstrebenden Mittelschichten der Schwellenländer. Schon seit Monaten hängt der Startschuss aber an dem schwierigen Spagat zwischen Qualitätsanspruch und Preisschwelle.

+++ Lob für Ex-IG-Metall-Chef Huber +++
Der Gewerkschafter als Aufsichtsratschef kommt bei den Aktionären an: Berthold Huber bekommt besonderes Lob, dass er „aus den Redebeiträgen die Essenz herausfiltern kann“.

+++ Mittagspause in Hannover +++

+++ „Der arrogante Herr Wiedeking“ +++
Berufskläger Weimann spricht sich gegen Wolfgang Porsche aus: „Es ist nicht lange her, da schickte uns Wolfgang Porsche den arroganten Herrn Wiedeking.“

+++ „Klärung unter Männern“ +++
Klare Worte eines weiteren Aktionärsschützers: Der SdK-Vertreter hätte im Piëch-Winterkorn-Konflikt eine „Klärung unter Männern“ erwartet. Piëch soll nicht entlastet werden. Er schlägt eine Altersgrenze von 70 für Vorstand und Aufsichtsrat vor, „damit sowas nicht nochmal passiert“.

+++ „Sie hatten stets unser Vertrauen“ +++
Ein Vertreter der Belegschaftsaktionäre spricht – und stellt sich hinter dem amtierenden VW-Chef: „Wir sind froh, wie die Diskussion um Winterkorn ausgegangen ist. Sie hatten stets unser Vertrauen.“

+++ Aktionärsvertreter: „Debatte war unprofessionell“ +++
Der Kandidat der Kataris wirbt um die Wahl in den Aufsichtsrat. Es ist kein geringer als der Chef des Lufthansa-Rivalen Qatar Airways, Akbar Al Baker. Dann ist ein Aktionärsvertreter dran. Er nennt die Debatte um Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn „unprofessionell“ – und fragt nach den eigentlichen Gründen für den Zwist bei VW.

+++ 10 Minuten pro Aktionär +++
Die Eröffnungspräsenz: 57,5 Prozent aller Vorzugs- und 92 Prozent aller Stammaktien sind vertreten. Da kann die Aussprache ja starten. Huber bittet die Aktionäre, nicht länger als zehn Minuten zu reden.

Kommentare (3)

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Herr Moritz J. Mueller

05.05.2015, 10:40 Uhr

Kann mich des Eindrucks nicht erwären dass Herrn Winterkorn ein wenig mulmig ist. Menschen wie Winterkorn brauchen oft einen Übervater. Wenn dieser weg fällt befinden sie sich in ein luftleeren Raum. Aber vielleicht meistert Herr Winterkorn es ja auch so gut wie Vittorio Valletta seinerzeit in den zwanzig Jahren nach dem Tod von Senatore Giovanni Agnelli (1).

Herr Norbert Prodante

05.05.2015, 11:24 Uhr

Das ist der Anfang vom VW Ende.
In 10 Jahren erwartet uns eine Rückentwicklung zum Mittelmaß (kein Konzern mehr, sondern ein Kolchos, wird die Folge)
Derjenige, der sucht Schutz für seine Verfehlungen in der Politik, der hat nicht verdient zu bleiben.
Alles andere ist irrelevanter Quatsch!

Sergio Puntila

05.05.2015, 12:17 Uhr

"Klärung unter Männern"...
Der SdK Mann ganz unter dem Eindruck der Ereignisse...

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