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19.05.2016

10:18 Uhr

VW-Haustarif

Verhandlungen gehen in die entscheidende Runde

Bei den Verhandlungen für den VW-Haustarif mit seinen 120.000 Beschäftigten steht eine wichtige Weichenstellung an. Ein Angebot von Arbeitgeberseite könnte die Gespräche über Nacht entscheidend voranbringen.

Die Gewerkschaft will 5 Prozent mehr Geld und eine neue Regelung für die auslaufende Altersteilzeit. dpa

Kundgebung in Wolfsburg

Die Gewerkschaft will 5 Prozent mehr Geld und eine neue Regelung für die auslaufende Altersteilzeit.

Wolfsburg-HannoverIn die zuletzt stockenden Verhandlungen um den VW-Haustarif dürfte am Donnerstag sichtbare Bewegung kommen: Die IG Metall und die Arbeitgeberseite treffen in Hannover in dritter Runde aufeinander. Insider sprechen von der entscheidenden Begegnung, in der die Weichen entweder auf einen zügigen Abschluss oder auf die große Konfrontation gestellt werden. Die Gewerkschaft will 5 Prozent mehr Geld und eine neue Regelung für die auslaufende Altersteilzeit.

Bisher fehlt ein Angebot der VW-Arbeitgeber um Verhandlungsführer Martin Rosik. Der hatte zuletzt lediglich Verhandlungsbereitschaft beim Thema Altersteilzeit erklärt, aber noch kein Angebot für eine Lohnerhöhung vorgelegt. IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine hatte deswegen die zweite Gesprächsrunde nach nur einer Stunde abgebrochen. Meine warf VW vor, sich hinter den parallel laufenden Verhandlungen im Metall-Flächentarif zu verstecken. Die haben inzwischen aber einen Pilotabschluss bekommen.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Und auch ein weiterer Punkt ist mittlerweile vom Tisch: Trotz Diesel-Krise erhalten die etwa 120.000 VW-Haustarifler für 2015 knapp 4000 Euro Erfolgsbeteiligung. Zuvor hatten Zehntausende VW-Mitarbeiter ihre Entschlossenheit demonstriert. Allein in Wolfsburg zogen 35.000 Menschen vor das Vorstandshochhaus.

Der VW-Haustarif gilt vor allem für Niedersachsen. Verhandlungsführer Rosik argumentierte zuletzt, das Thema Altersteilzeit und der Wandel von Aufgaben müssten Vorrang vor der Geldforderung haben. Mit der Elektromobilität und der digitalisierten Mobilität steht VW wie die gesamte Branche vor einem grundlegenden Wandel. Rund um den Bau von Verbrennungsmotoren und Getrieben könnte beispielsweise im nächsten Jahrzehnt etliche Arbeit entfallen.

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Warnstreiks im VW-Haustarif sind noch bis Ende Mai verboten. Der Pilotabschluss im Flächentarif aus Nordrhein-Westfalen regelt bei insgesamt 21 Monaten Laufzeit folgendes: Die Beschäftigten erhalten eine Einmalzahlung von 150 Euro und in zwei Schritten dauerhaft mehr Geld: 2,8 Prozent ab Juli 2016 und weitere 2 Prozent ab April 2017.

Der VW-Haustarif ist Deutschlands größter Firmentarif. Er gilt in den sechs westdeutschen VW-Werken Emden, Hannover, Wolfsburg, Salzgitter, Braunschweig und Kassel sowie bei der Finanztochter aus Braunschweig.

Von

dpa

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