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21.01.2016

17:43 Uhr

VW im Abgas-Skandal

Brüssel fordert Entschädigung für europäische Kunden

Zwei Gutscheine über je 500 Dollar und drei Jahre Pannenhilfe: In den USA entschuldigt sich VW mit Geschenken für den Abgas-Betrug. Die EU fordert: Europäische Kunden sollten „so behandelt werden wie US-Verbraucher“.

Nach einem holprigen Start mit den US-Behörden üben nun auch EU-Kommissare Kritik an VW – und fordern Entschädigungen für EU-Kunden. dpa

Beschuss von zwei Seiten

Nach einem holprigen Start mit den US-Behörden üben nun auch EU-Kommissare Kritik an VW – und fordern Entschädigungen für EU-Kunden.

BrüsselDie EU-Kommission hat Volkswagen in der Abgasaffäre zur Entschädigung europäischer Kunden aufgefordert. Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska erklärte nach einem Treffen mit Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller am Donnerstag, Kunden aus der EU sollten „so behandelt werden wie US-Verbraucher“. Das Unternehmen dementierte unterdessen Angaben, dass auch Stellenstreichungen bei der Stammbelegschaft geplant seien.

Im September hatte Volkswagen eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Manipulationssoftware eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoß anzeigt. Bienkowska forderte Müller erneut auf, „dem Skandal auf den Grund zu gehen“. Dazu gehöre auch, „dass die Umwelt- und gesundheitlichen Folgen vollständig beurteilt“ würden.

Stickoxide und CO2

Stickoxide (NOx)

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator von Benzinern in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer NOx-Reste übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger – er gelingt etwa durch Einspritzung einer zusätzlichen Harnstoff-Lösung in den Abgasstrom.

NOx-Grenzwerte beim Auto

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich, und die Vorschriften können je nach US-Bundesstaat abweichen.

Kohlendioxid (CO2)

Es ist in nicht allzu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach Angaben des Umweltbundesamts rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland - hier spielt CO2 die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und mehr Lkw-Transporte. So ist der Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen. Die Konferenz von Paris (30. November bis 11. Dezember) soll die Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad aufheizt.

CO2-Grenzwerte beim Auto

In diesem Jahr müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. 2021 sind dann nur noch 95 g/km erlaubt. In den USA liegen diese Schwellen geringfügig höher: Die Vorgabe der Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 g/km vor. Bis 2025 sinkt der Durchschnittsgrenzwert auf rund 89 g/km.

Müller habe zugesichert, „ohne Verzögerung“ die technischen Informationen zu liefern, damit die Kommission einschätzen könne, ob die geplanten Gegenmaßnahmen des Konzerns wirksam seien, hieß es weiter. Bienkowska sagte demnach, es sei „gleichfalls dringend, alle Details mit Blick auf Abweichungen bei CO2-Emissionen und Verbrauchsdaten mitzuteilen“.

Darüber hinaus habe die Kommissarin den Konzern erneut aufgefordert, „sich Gedanken über angemessene Wege zu machen, um Verbraucher zu entschädigen“. Mit europäischen Kunden solle dabei auf dieselbe Weise umgegangen werden wie mit US-Verbrauchern.

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