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31.05.2016

07:16 Uhr

VW im Dauerkonflikt

US-Gewerkschaft läuft Sturm

Nicht nur der Abgas-Skandal macht Volkswagen zu schaffen. Der Konzern hat in den USA auch ein Problem mit der Gewerkschaft UAW: Die will eine Arbeitnehmervertretung im Werk in Chattanooga gründen. Doch VW sträubt sich.

Die Gewerkschaft erhöht den Druck auf den Autobauer. AP

Volkswagen-Werk in Chattanooga

Die Gewerkschaft erhöht den Druck auf den Autobauer.

Wolfsburg/ChattanoogaUnd dann schaltete sich sogar Hillary Clinton ein: „Volkswagen-Mitarbeiter in Tennessee erheben ihre Stimme für die Rechte, die sie verdienen“. Der Tweet der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin rückt eine Dauerfehde in den Fokus, die über Volkswagens Abgas-Skandal in den Hintergrund geraten war. Denn in den USA gibt es noch andere Probleme: Der Konzern reibt sich in einem zähen Konflikt mit der Autogewerkschaft UAW auf – und gerät dabei immer weiter ins Hintertreffen.

Die Auseinandersetzung will angesichts der traditionell starken Arbeitnehmervertretung und des mächtigen Betriebsrats nicht so recht zur Unternehmenskultur bei VW passen. Aber in den USA ist alles etwas anders. Tatsächlich liegt VW schon seit Jahren im Clinch mit der US-Gewerkschaft und die Situation droht zu Ungunsten der Wolfsburger zu eskalieren. Wie konnte es soweit kommen?

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„Volkswagen respektiert das Recht aller seiner Angestellten, in der Frage nach Gewerkschaftsvertretung frei zu entscheiden“, beteuert ein Sprecher. Dennoch lehnt der Konzern die UAW als Tarifpartner bislang strikt ab. Dafür habe man auch gute Gründe, heißt es aus dem Konzern. Denn der Versuch der Gewerkschaft, in einer Abstimmung die Mehrheit der Mitarbeiter im einzigen US-Werk von VW am Standort Chattanooga im Bundesstaat Tennessee hinter sich zu sammeln, war vor zwei Jahren gescheitert.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Die UAW ließ sich jedoch nicht abwimmeln. Die Gewerkschaft hat seitdem einige Etappensiege erzielt, die dazu führten, dass sie nun über Umwege doch noch einen Fuß in die Tür bekommen konnte. Denn im Dezember stimmte eine kleine Gruppe von Facharbeitern für die UAW als Interessenvertretung. VW verweigert die Anerkennung mit Verweis auf den Sonderstatus der Spezialisten, die die Maschinen im Werk instand halten. Zudem habe die Gewerkschaft nur gut 160 von insgesamt über 2.000 Angestellten hinter sich bringen können.

Doch der Konzern bewegt sich damit rechtlich auf dünnem Eis. Die UAW gibt nicht klein bei und hatte Erfolg mit einer Beschwerde bei der US-Arbeitsaufsicht National Labor Relations Board (NLRB). VW will sich nicht zwingen lassen, Löhne und Arbeitsbedingungen mit der Gewerkschaft auszuhandeln, und hat die Entscheidung der Behörde angefochten. Das dürfte allerdings eher ein Spiel auf Zeit sein, als ein adäquates Mittel, die Regulierer umzustimmen.

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