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12.05.2016

17:28 Uhr

VW in den USA

Neue SUV sollen Zeit „nach Dieselgate“ einläuten

Noch verhandelt VW im Abgas-Skandal mit den US-Behörden. Doch danach will der Autokonzern zwei neue SUV auf den amerikanischen Markt bringen – und so verspieltes Vertrauen und Marktanteile zurückgewinnen.

VW will schnell den US-Markt zurückerobern. Doch noch steht die Einigung mit den Behörden aus. dpa

Entschädigungsplan in der Verhandlung

VW will schnell den US-Markt zurückerobern. Doch noch steht die Einigung mit den Behörden aus.

WolfsburgDer vom Abgas-Skandal geschüttelte Volkswagen -Konzern hofft bis zum Ablauf des Ultimatums Ende Juni in den USA auf einen Durchbruch in den Verhandlungen mit den Behörden. „Eine endgültige Einigung mit den US-Behörden wäre sicherlich eine Erleichterung und gleichzeitig der Startschuss, um in den USA wieder nach vorn gucken zu können“, sagte VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. VW hat bis 21. Juni Zeit, einen Kompromiss mit der US-Regierung auszuarbeiten.

Grundzüge eines Entschädigungsplans, der den Rückkauf von fast einer halben Million manipulierter Dieselfahrzeuge und die Entschädigung der Autobesitzer vorsieht, waren im April vereinbart worden. Noch keine Einigung gab es über die vom US-Justizministerium verlangte milliardenschwere Strafe wegen Verstößen gegen US-Umweltrecht.

Nach einer Einigung über die Höhe der Strafe könnte VW daran gehen, das ramponierte Image aufzupolieren. Im September hatte der deutsche Konzern zugegeben, seit Jahren Diesel-Abgaswerte durch eine Software manipuliert zu haben, um die strengen Stickoxid-Grenzwerte in den USA einzuhalten.

Einleiten will VW den Neustart in den USA mit zwei Geländewagen, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen sollen. „Das wird eine große Chance für uns sein, die Marke VW wieder in einem positiven Licht zu zeigen“, sagte Stackmann. Diese Fahrzeuge sind neben Kleinlastern (Pick-ups) in den USA sehr beliebt. Die niedrigen Spritpreise haben die Verkaufszuwächse in den vergangenen Monaten noch angeheizt. Dadurch geriet VW auf dem nach China weltweit zweitgrößten Automarkt noch stärker ins Abseits, weil die Wolfsburger solche Wagen dort bisher nicht im Angebot haben.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Stackmann, der Vertriebsvorstand der Marke VW ist, machte deutlich, dass die neuen SUV erst der Anfang sein sollen, um in Amerika aus der Rolle eines Nischenanbieters herauszukommen. „Wir arbeiten natürlich nicht an einer Defensivstrategie in den USA. Wir wollen in Nordamerika nicht nur wieder Fuß fassen, sondern wachsen.“ Eine zentrale Rolle sollen dabei Elektroautos spielen. VW weitet sein Baukastensystem derzeit auf batteriegetriebene Fahrzeuge aus und plant laut Stackmann eine ganze Familie solcher E-Mobile. „Wir sehen gerade für die USA, aber auch international, wieder eine große Chance, die Marke VW zweifelsfrei ökologisch darzustellen.“ Details zur neuen E-Familie verriet Stackmann nicht.

Analysten sind skeptisch, ob VW ein Aufschwung in den USA rasch gelingen kann. „Sicherlich wäre es in den vergangenen Jahren in einem ohnehin wachsenden Markt leichter gewesen, als in einem jetzt bereits auf einem sehr hohen Niveau Marktanteile beim Wettbewerb einsammeln zu müssen“, sagte Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. Ob die E-Mobilität der Wachstumstreiber sein könne, auf den VW setze, werde wird stark davon abhängen, wie sich dieses Geschäft insgesamt in den USA entwickele.

Von

rtr

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