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14.03.2017

10:10 Uhr

VW-Jahresbilanz

Die Kernmarke bleibt Volkswagens Sorgenfall

VonStefan Menzel

Die Marke Volkswagen kommt weiter nicht vom Fleck: Auch im abgelaufenen Jahr sind Umsatz, Gewinn und Rendite gefallen. Nur dank der Töchter geht es für den VW-Konzern nach dem Dieselskandal wieder aufwärts.

Volkswagen-Bilanz

„VW kommt zurück“ - So träumt Volkswagen von der Zukunft

Volkswagen-Bilanz: „VW kommt zurück“ - So träumt Volkswagen von der Zukunft

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WolfsburgDie renditeschwache Marke Volkswagen ist auch im vergangenen Jahr nicht vom Fleck gekommen. Umsatz, Gewinn und Rendite sind im Vergleich zu 2015 gesunken. Der wichtigste Teil des Wolfsburger Autokonzerns leidet weiterhin unter der Dieselaffäre und der niedrigen Produktivität in den deutschen Werken. Für den gesamtem Konzern hat sich die Lage hingegen wegen der guten Ergebnisse der wichtigsten Tochtermarken wieder verbessert.

Der Umsatz der Marke VW ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent auf 105,7 Milliarden Euro gefallen, das operative Ergebnis ging von 2,1 auf 1,9 Milliarden Euro zurück. Dadurch fiel auch die operative Rendite von 2,0 auf 1,8 Prozent, wie der Konzern am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Wolfsburg mitteilte. Volkswagen begründete die schlechteren Zahlen mit Wechselkurseffekten und höheren Vermarktungskosten der Autos, die die Dieselaffäre verursacht habe.

Die Kosten des Dieselskandals für Volkswagen

Teure Folgen

Für die jüngste Einigung mit US-Klägern in Sachen Dieselskandal muss der Volkswagen -Konzern eine weitere milliardenschwere Last schultern. Mindestens 1,2 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,1 Milliarden Euro) muss der Konzern rund 80.000 Besitzern großer Dieselautos in den USA mit umweltbelastenden Drei-Liter-Motoren an Schadenersatz und für den Rückkauf eines Teils der Fahrzeuge bezahlen. Die Kosten könnten nach Gerichtsangaben auf umgerechnet bis zu 3,7 Milliarden Euro steigen, sollten die US-Umweltbehörden die Reparatur eines Großteils der Wagen nicht abnehmen. VW selbst geht davon aus, dass die Reparaturen genehmigt werden.

Knapp vier Milliarden Euro müssen die Wolfsburger bereits für Strafen und Bußen in den USA hinblättern. VW hat mitgeteilt, dass dies die bisherigen Rückstellungen übersteigt und die Ergebnisse 2016 belasten könne. Bisher hat der Konzern 18,2 Milliarden Euro für den Skandal um weltweit millionenfach manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos zur Seite gelegt. Doch abschließend sind die Kosten noch nicht zu beurteilen. Analysten schätzen, dass der Skandal am Ende zwischen 25 und 35 Milliarden Euro kosten könnte. Die größte Unsicherheit geht von den vielen Anlegern aus, die VW vorwerfen, sie zu spät über Dieselgate informiert zu haben und deshalb Schadenersatz fordern.

Vergleich mit US-Kunden zu größeren Motoren

Kurz vor Weihnachten klopfte VW mit den US-Umweltbehörden einen Kompromiss über die Schadenersatzansprüche für etwa 80.000 Diesel-Wagen mit 3,0-Liter-Motoren fest. Ein Viertel der Geländewagen von Audi, VW und Porsche soll zurückgekauft und weitere knapp 60.000 umgerüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Die Höhe der Kosten bezifferte Volkswagen nun mit etwa 1,2 Milliarden Dollar. Zuvor waren sie auf eine Milliarde Dollar geschätzt worden. Schultern muss die Kosten die Tochter Audi, weil sie die 3-Liter-Motoren entwickelt hat. Der nächste Gerichtstermin zur vorläufigen Genehmigung ist für den 14. Februar angesetzt.

Strafzahlung in den USA

Mit dem US-Justizministerium einigte sich Volkswagen Anfang Januar auf eine Strafzahlung von 4,3 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr, als andere Autobauer für Verfehlungen in den USA hinlegen mussten, und auch mehr, als Analysten erwartet hatten.

Vergleich mit US-Kunden zu kleineren Motoren

Im Oktober einigte sich VW mit Hunderten Sammelklägern, Behörden und US-Bundesstaaten über die Höhe der Entschädigung für Käufer von Autos mit den kleineren 2,0-Liter-Dieselmotoren. Das kostet den Konzern bis zu 15,3 Milliarden Dollar (14,5 Milliarden Euro). Der größte Teil entfällt auf den Rückkauf der bis zu 475.000 Fahrzeuge, für den gut zehn Milliarden Dollar reserviert sind. Die tatsächlichen Kosten hängen aber davon ab, wie viele Dieselbesitzer ihre Wagen zurückgeben. Bis vor Weihnachten hatten 104.000 Besitzer in den Rückkauf eingewilligt. Eine Alternative ist die Reparatur der Fahrzeuge. Bisher hat VW die Genehmigung für die Umrüstung von rund 70.000 Autos mit 2,0-Liter-Motor.

Zahlreiche US-Bundesstaaten wollen zudem zivilrechtlich versuchen, einen höheren Schadensersatz durchzusetzen, weil sie mit dem Vergleich nicht zufrieden sind. Dabei geht es um Hunderte Millionen Dollar.

Entschädigung für US-Händler

Seinen rund 650 US-Händlern zahlt VW insgesamt 1,21 Milliarden Dollar Entschädigung, weil sie seit fast einem Jahr keine Dieselautos mehr verkaufen durften. Der Vereinbarung zufolge kauft VW unverkäufliche Diesel-Autos von den Händlern zurück, hält an Bonuszahlungen fest und verzichtet für zwei Jahre auf geforderte Umbauten.

Rückrufe in Europa

Ein großer Brocken ist auch die Umrüstung der rund 8,5 Millionen Dieselautos in Europa. Kostenschätzungen reichen von gut einer bis drei Milliarden Euro.

Entschädigung auch in Europa?

Bundesweit klagen Autobesitzer vor mehreren Gerichten wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz. Allein vor dem Landgericht Braunschweig sind knapp 226 solcher Klagen anhängig. Die auf Verbraucherschutzverfahren spezialisierte Onlineplattform MyRight, die mit der US-Kanzlei Hausfeld zusammenarbeitet, reichte zu Jahresbeginn die erste Musterklage ein. Eine finanzielle Entschädigung der Kunden in Europa lehnt VW ab, obwohl sich Forderungen nach einem ähnlichen Vergleich wie in den USA mehren. Sollten diese dennoch fällig werden, könnte das Volkswagen wegen der viel größeren Zahl betroffener Kunden im Vergleich zu den USA finanziell ruinieren, fürchten Experten. Der Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht von einem Wertverlust in einer Größenordnung von 500 Euro je Fahrzeug aus.

Vergleich in Kanada

Kanadischen Kunden zahlt VW 2,1 Milliarden kanadische Dollar an Schadenersatz für Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung

Aktionärsklagen

Weltweit sieht sich Volkswagen zudem mit milliardenschweren Schadensersatzklagen von Investoren und Kleinaktionären konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen werfen Volkswagen vor, zu spät über das Ausmaß des Abgasskandals informiert zu haben und wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen. Zu den Klägern gehören große US-Pensionsfonds, der Norwegische Staatsfonds, aber auch der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank. Auch die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen klagen wegen Kursverlusten von Pensionsfonds. Beim Landgericht Braunschweig liegen mehr als 1500 Klagen über insgesamt 8,8 Milliarden Euro vor. Dazu soll es ein Musterverfahren vor dem OLG Braunschweig geben. Anlegerklagen muss sich VW auch in den USA stellen.

Teure Anwälte

Die Scharen an Anwälten, die Volkswagen weltweit wegen des Dieselskandals beschäftigt, kosten ebenfalls viel Geld. Der Autoexperte Pieper geht von bis zu einer Milliarde Euro aus, sein Kollege Ellinghorst schätzt die Anwaltskosten auf mehrere hundert Millionen. Auch gegnerische Anwälte muss VW bezahlen – zum Beispiel 175 Millionen Dollar an Juristen, die in den USA die 475.000 Auto-Besitzer mit manipulierten 2,0-Liter-Motoren vertreten hatten.

Quelle: Reuters

Audi verdient zwar immer noch sehr gut, leidet aber ebenfalls unter dem Abgasskandal. Das operative Ergebnis der Ingolstädter Premiumtochter ist von 5,1 auf 4,8 Milliarden Euro gefallen. Die operative Rendite ging von 8,8 auf 8,2 Prozent zurück. Audi musste im vergangenen Jahr Rückstellungen von 1,8 Milliarden Euro wegen der Dieselaffäre bilden.

Porsche und Skoda haben im vergangenen Jahr ebenfalls wieder sehr gut verdient. Beim Stuttgarter Sportwagenhersteller steht ein operatives Ergebnis von 3,9 Milliarden Euro in den Büchern, bei Skoda in Tschechien sind es 1,2 Milliarden Euro. Auch der jahrelange Problemfall Seat aus Spanien entwickelt sich. 2015 verbuchte Seat noch einen operativen Verlust von zehn Millionen Euro, im vergangenen Jahr erreichte die spanische Tochter mit 153 Millionen Euro wieder die Gewinnzone.

Porsche SE und Volkswagen: Ferdinand Piëch soll Posten verlieren

Porsche SE und Volkswagen

Ferdinand Piëch soll Posten verlieren

Ferdinand Piëch dürfte Einfluss bei der VW-Großaktionärin Porsche SE verlieren. Die Familien Piëch und Porsche wollen den 79-Jährigen nicht wieder in das Aufsichtsgremium wählen, berichtet die „Bild am Sonntag“.

Die Vorstände des VW-Konzerns haben im vergangenen Jahr wieder etwas weniger verdient. 2015 hat das Unternehmen seinen Top-Managern insgesamt 63,2 Millionen Euro überwiesen, im vergangenen Jahr waren es 39,5 Millionen Euro. Spitzenverdiener ist Konzernchef Matthias Müller mit 7,2 Millionen Euro. Die anderen Vorstände verdienten durchschnittlich gut drei Millionen Euro. Sie liegen damit unter den künftigen Obergrenzen (Vorstandschef: zehn Millionen, regulärer Vorstand: 5,5 Millionen), die erst für das Geschäftsjahr 2017 gelten.

Eine Sonderregelung galt im vergangenen Jahr für das inzwischen wieder ausgeschiedene Compliance Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt. Sie bekam laut Geschäftsbericht gut zehn Millionen Euro, weil Volkswagen Gehaltsansprüche ihres früheren Arbeitgebers Daimler übernehmen musste.

VW-Chef Matthias Müller

„Wir müssen das Vertrauen unserer Händler und Kunden wieder gewinnen“

VW-Chef Matthias Müller: „Wir müssen das Vertrauen unserer Händler und Kunden wieder gewinnen“

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Kommentare (4)

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Account gelöscht!

14.03.2017, 11:02 Uhr

Das sagt doch schon der Begriff "Volkswagen" !
Aber das Volk leidet gerade unter der Grünsozialistischen Merkeregierung.

Rainer von Horn

14.03.2017, 12:25 Uhr

Wieso werden keine politisch korrekten E-Mobile zusammengeschraubt, man sieht doch bei RWE, Eon und Co. wie zuträglich die Umstellung von fossil auf energiewendisch für das Geschäftsmodell ist?

Account gelöscht!

14.03.2017, 12:41 Uhr

Dann wäre der deutsche Automobilbau mit seinen Zulieferer und damit fast der halben deutschen Volkswirtschaft geschrottet .

Das nennt sich dann Industrie 4.0 mit heute 18 Mio. Migranten als Rucksack, die den Anforderungen aufgrund ihrer Kultur und Bildung uns dann nicht für eine Weiterentwicklung und Fortschritt im Land nicht zur Verfügung stehen werden. Zumindest aber nur eine kleine Minderheit davon.

Und die nächsten Regierungen werden es uns erklären wollen, warum wir geschlafen haben und 50% der heutigen Arbeitsplätze weggefallen sind und nur ein Bruchteil neuer entstanden sind.

Mit Döner & Co. wird Deutschland es garantiert nicht schaffen.

Weder heute noch in Zukunft.

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