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20.11.2015

14:25 Uhr

VW kürzt Investitionen

„Wir fahren auf Sicht“

Angesichts der immensen Kosten für den Abgasskandal kürzt Volkswagen bei den Investitionen. VW-Chef Matthias Müller reduziert die Sachinvestitionen für 2016 auf 12 Milliarden Euro und will „auf Sicht fahren“.

Investitionskürzungen nach Dieselgate

VW-Chef Müller: „Was nicht zwingend notwendig ist, wird gestrichen“

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WolfsburgVolkswagen streicht trotz der immensen Kosten für den Abgas-Skandal seine Investitionen vorerst nicht massiv zusammen. Im kommenden Jahr will der Konzern bei den Sachinvestitionen zwar eine Milliarde Euro kürzen. Man wolle aber nicht auf Kosten der Zukunft sparen, sagte VW-Chef Matthias Müller am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg.

Zugleich betonte der 62-Jährige aber: „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht.“ VW werde in den nächsten Wochen weitere Ausgaben überprüfen und gegebenenfalls auch streichen oder strecken.

Stickoxide und CO2

Stickoxide (NOx)

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator von Benzinern in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer NOx-Reste übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger – er gelingt etwa durch Einspritzung einer zusätzlichen Harnstoff-Lösung in den Abgasstrom.

NOx-Grenzwerte beim Auto

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich, und die Vorschriften können je nach US-Bundesstaat abweichen.

Kohlendioxid (CO2)

Es ist in nicht allzu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach Angaben des Umweltbundesamts rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland - hier spielt CO2 die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und mehr Lkw-Transporte. So ist der Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen. Die Konferenz von Paris (30. November bis 11. Dezember) soll die Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad aufheizt.

CO2-Grenzwerte beim Auto

In diesem Jahr müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. 2021 sind dann nur noch 95 g/km erlaubt. In den USA liegen diese Schwellen geringfügig höher: Die Vorgabe der Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 g/km vor. Bis 2025 sinkt der Durchschnittsgrenzwert auf rund 89 g/km.

Konkret will das Unternehmen für das Jahr 2016 die Sachinvestitionen auf maximal 12 Milliarden Euro reduzieren. Das sei eine Milliarde Euro weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Müller sagte, VW wolle sich auf die Technologien der Zukunft konzentrieren - das sind die Elektromobilität und die Digitalisierung der Branche mit immer mehr Internet im Auto.

So sollen im kommenden Jahr 100 Millionen Euro mehr als bisher geplant in alternative Antriebe investiert werden. Bereits vor Wochen hatte der Konzern für die Hauptmarke VW Einsparungen von einer Milliarde Euro angekündigt.

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Gespart werden soll zum Beispiel bei einem geplanten Designzentrum in Wolfsburg. Der Bau soll verschoben werden, dies führe zu Einsparungen von 100 Millionen Euro, hieß es. Außerdem solle der Bau einer Lackiererei in Mexiko überprüft werden. Bei der Modellpalette werde wie bereits bekannt der Nachfolger des Phaeton verschoben, der dann als Elektroauto auf den Markt kommen soll.

Fast die Hälfte der Sachinvestitionen fließt laut VW in die deutschen Standorte. Dies sei auch ein Bekenntnis zum Heimatmarkt des größten europäischen Autobauers.

Noch vor einem Jahr hatte VW bis 2019 im Konzernbereich Automobile insgesamt Ausgaben von 85,6 Milliarden Euro angepeilt. Dabei beliefen sich die Sachinvestitionen auf 64,3 Milliarden Euro. Eine vergleichbare Fünf-Jahres-Planung gab VW aber diesmal nicht bekannt.

Trotz der gekürzten Investitionen sieht Müller nach wie vor keine akute Gefahr für die Jobs in der Kernbeschäftigung. „Gemeinsam mit den Arbeitnehmer-Vertretern werden wir weiterhin alles dafür tun, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten.“ Ähnlich hatte sich bereits VW-Markenchef Herbert Diess geäußert.

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