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28.06.2016

15:30 Uhr

VW-Kunden in Deutschland

Willkommen in der zweiten Klasse

VonLukas Bay

Der Plan steht: Mit bis zu zehn Milliarden Dollar will Volkswagen seine amerikanischen Kunden für den Diesel-Skandal entschädigen. Für die deutschen VW-Fahrer bleibt danach nicht mehr viel Geld übrig.

Die US-Kunden von VW können nach dem Dieselbetrug im Schnitt mit bis zu 20.000 Dollar rechnen – deutsche Kunden werden mit einer unsicheren Reparatur abgespeist. dpa

Keine Entschädigung für alle

Die US-Kunden von VW können nach dem Dieselbetrug im Schnitt mit bis zu 20.000 Dollar rechnen – deutsche Kunden werden mit einer unsicheren Reparatur abgespeist.

DüsseldorfMonatelang dauerte das Pokerspiel an. Nun hat VW erstmals einen detaillierten Plan vorgelegt, wie man die Dieselkäufer in den USA entschädigen will, die man mit manipulierten Motoren betrogen hat. Insgesamt sollen mehr als 15 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro) fließen, um die US-Behörden und Kundenanwälte milde zu stimmen. Weil VW insgesamt rund 16,4 Milliarden Euro für den Diesel-Betrug zurückgestellt hat, bleibt damit wenig Geld übrig, um auch europäische Kunden zu entschädigen.

Der Konzern zeigt sich somit nur dort kulant und reuig, wo umfangreiche Verbraucherrechte gelten und durchgesetzt werden. Die rund 500.000 betroffenen VW-Fahrer in den USA sollen insgesamt gut zehn Milliarden Dollar erhalten. US-Kunden können also im Schnitt mit bis zu 20.600 Dollar rechnen.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Die konkrete Summe hängt am Ende davon ab, ob sich die Kunden für einen Rückkauf entscheiden oder doch nur eine Entschädigung verlangen und weiter darauf warten, dass der Konzern das Fahrzeug repariert. Für Marktbeobachter ist ein Rückkauf sämtlicher Fahrzeuge aber ein wahrscheinliches Szenario, da VW bislang noch keine technische Lösung für die Dieselprobleme gefunden habe und wohl auch keine mehr finden wird, die von den US-Behörden akzeptiert wird.

Wie hoch die Entschädigung am Ende ausfällt, hängt individuell vom gekauften Modell ab, berichtet die „Bild“. Demnach erhalten Käufer eines VW Jetta bei einem Rückkauf einen Preis ab 12.475 Dollar, bei einem Audi A3 TDI sind es bis zu 44.179 Dollar. Wer dagegen auf eine Reparatur wartet, darf sein Auto behalten, kassiert allerdings auch deutlich weniger Entschädigung. Leasing-Verträge können ohne Zusatzkosten vorzeitig gekündigt werden.

Bis Geld fließt, dürften allerdings noch mehrere Monate vergehen. Wenn ein kalifornisches Gericht Ende Juli dem Kompromiss zustimmt, könnte der Plan ab Oktober 2016 umgesetzt werden.

Bis dahin versucht VW alles, um auch die US-Behörden zu beruhigen. Neben den Milliarden für die US-Kunden werden auch die Umweltbehörden Carb und EPA mit kräftigen Entschädigungszahlungen bedacht. 2,7 Milliarden Dollar fließen in einen Fonds, der Stickoxide reduzieren soll. Darüber hinaus verpflichtet sich der Konzern zwei Milliarden Euro in emissionsfreie Fahrzeuge wie Elektroautos zu investieren. Und auch die US-Bundesstaaten sollen mit mehr als 600 Millionen Dollar milde gestimmt werden.

Für die europäischen Kunden dürfte nach diesem Kompromiss nur noch wenig Geld übrig bleiben. Dabei kommen von den rund elf Millionen betroffenen VW-Fahrzeugen ganze acht Millionen aus Europa. Sollte die Strafsumme in den USA voll ausgereizt werden, blieben für den Rückruf dieser Fahrzeuge gerade einmal 2,9 Milliarden Euro übrig. Doch hier wähnt sich der Konzern rechtlich auf der sicheren Seite. Im Handelsblatt-Interview erklärte VW-Chef Müller noch vor wenigen Wochen, die bisher veranschlagten Rückstellungen nicht erhöhen zu wollen. „Nach unseren derzeit seriös abschätzbaren Berechnungen ist das ausreichend“, sagte er.

Kommentare (12)

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28.06.2016, 15:39 Uhr

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Herr Franz Paul

28.06.2016, 15:51 Uhr

Ist doch klar, dass der Deutsche, Mensch dritter Klasse, nichts bekommt.
Im Gegenteil, er wird das bezahlen. Denn der VW-Konzern (zu 20 % im Besitz des Landes Niedersachsen) wird die nächsten Jahre keinen Gewinn machen. Das Land muss daher auf Steuereninnahmen verzichten. Und sich das Geld woanders holen.
Warum aber hat VW auch den Fehler begangen, zu verkünden, man schicke sich an der größte Autohersteller der Welt werden zu wollen? Das kann man im Land des Pickups, SUV, V8 und Monstertrucks natürlich nicht gebrauchen. Erst die Japse, jetzt noch die Krauts? Und wo bleibt Chevy? Nee, das Ding machen wir kaputt, dann wid es ein Übernahmekandidat, dann kauft es Warren Buffet, und DANN darf es der größte Autohersteller der Welt werden. Die Gewinne fließen dann in die USA. Und dann klappts auch wieder mit dem Abgastest.

Herr richard roehl

28.06.2016, 15:59 Uhr

Find ich gut, dann besteht vielleicht eine geringe Chance, dass der Michel merkt, dass er ein unmündiges Zahlschaf zweiter Klasse ist. Aber wenn er bereitwillig die ihm von der Systempresse vorgesetzten Märchen vom ach so überragenden europäischen Verbraucherschutz, z.B in bezug auf TTIP schluckt, habe ich selbst daran meine Zweifel

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