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27.10.2015

12:17 Uhr

VW-Lastwagen-Töchter

MAN und Scania haben Probleme in Brasilien

Trotz hoher Kosten für den Umbau der europäischen Lkw-Produktion steigt der Gewinn bei MAN. Doch das ist nur einen Momentaufnahme: Warum die Volkswagen-Tochter nicht gerade optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Der Gewinn entwickelt sich positiv, doch bei den Aufträgen schaut es schlechter aus. dapd

Lkws von MAN

Der Gewinn entwickelt sich positiv, doch bei den Aufträgen schaut es schlechter aus.

MünchenAuch die Lkw-Töchter MAN und Scania machen dem vom Abgas-Skandal gebeutelten VW-Konzern derzeit keine Freude. Vor allem die Lage in Brasilien belastet die Unternehmen weiter. Bei MAN brachen Umsatz und Auftragseingang der Tochter dort im dritten Quartal erneut so stark ein, dass das Wachstum andernorts die Entwicklung nicht auffangen konnte. Scania konnte dank der Geschäfte in Europa die Rückgänge in Südamerika zwar ausgleichen, sinkende Bestellungen deuten aber auch hier auf zunehmende Probleme hin.

Die Bestellungen sackten bei Scania um 14 Prozent ab. Vor allem in den kriselnden Märkten Russland und Brasilien brachen Aufträge weg. In Brasilien kämpfen die Hersteller gegen die Folgen der Rezession. Lkw-Bauer bekommen eine schrumpfende Konjunktur oft besonders heftig zu spüren. Auch Rivale Daimler hat dort Probleme. Die Scania-Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 Prozent auf 22,9 Milliarden schwedische Kronen (2,4 Milliarden Euro). Unterm Strich verdiente Scania knapp 1,6 Milliarden Kronen, ein Plus von 12 Prozent.

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Bei MAN schlug die Schwäche in Südamerika heftiger zu Buche. Der Konzernumsatz sank im Jahresvergleich um 7 Prozent auf 3,26 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Auftragseingang schrumpfte um 9 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro.

Beim operativen MAN-Ergebnis schlugen Kosten für den Umbau des Unternehmens nicht mehr so stark zu Buche wie noch im ersten Halbjahr, als der Konzern rote Zahlen schrieb. Im dritten Quartal legte MAN hier sogar leicht um 4 Prozent auf 86 Millionen Euro zu. Unterm Strich trug vor allem ein besseres Finanzergebnis dazu bei, dass der Gewinn von 22 Millionen Euro auf 54 Millionen Euro stieg.

VW will seine beiden Lkw-Marken MAN und Scania enger miteinander verzahnen. Wegen der hohen Kosten dafür hatte MAN bereits im Juli seine Gewinnerwartungen für das laufende Jahr zusammengestrichen. Der im Mai eingeleitete Sparkurs inklusive des Abbaus von 1800 Stellen werde das operative Ergebnis stark belasten, die operative Rendite dürfte sich mehr als halbieren, hatte der Konzern angekündigt.

Das sind die größten Lkw-Märkte

Platz 10

Osteuropa - 48.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014*

Die Transportbranche in Osteuropa gilt als großer Hoffnungsträger für die Branche - und ist nach Ansicht der Unternehmensberater von Deloitte einer der dynamischsten Märkte weltweit. Die Verkäufe soll jährlich um zehn Prozent anziehen.

*Quelle: Deloitte Truck-Studie

Platz 9

Mittelamerika - 65.500 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die Nähe zu den USA lässt die Industrie florieren, die Nachfrage nach Transportdienstleistungen steigt - und damit auch die Lkw-Verkäufe. Bis 2024 soll der Absatz jährlich um fünf Prozent zulegen.

Platz 8

Japan - 77.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Auf den japanischen Straßen ist der Platz begrenzt, gefragt sind darum vor allem mittelgroße Lkw. Allerdings dürfte sich das Wachstum in Grenzen halten. Prognostiziert wird ein Marktzuwachs von jährlich einem Prozent.

Platz 7

Russland - 116.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der russische Markt hat viel Potential, obwohl in Russland viele Güter über die Schiene transportiert werden. Die aktuelle politische Lage verhagelt die Bilanz. Mittelfristig sieht die Perspektive besser aus.

Platz 6

Brasilien - 164.700 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die größte Volkswirtschaft Südamerikas hat viel Dynamik eingebüßt. Auch für den Lkw-Absatz sind die Prognosen mau. Der Markt soll bis 2024 jedes Jahr um etwa ein Prozent zulegen.

Platz 5

Südostasien - 168.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Thailand, Malaysia und Indonesien gelten als Wirtschaftsnationen mit Potential. Und auch die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen legt jährlich um fünf Prozent zu.

Platz 4

Indien - 237.300 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch fristet der indische Lkw-Markt ein Schattendasein. Doch die Potentiale sind gigantisch. Im Jahr 2024, so prognostiziert es die Unternehmensberatung Deloitte, sollen dort 544.400 Lkw verkauft werden. Das jährliche Wachstum beträgt neun Prozent.

Platz 3

EU - 297.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch landet aber Europa, der Heimatmarkt von Daimler, MAN/Scania und Volvo, auf dem dritten Rang. Mit einem jährlichen Wachstum von vier Prozent bis 2024 ist die Entwicklung durchaus positiv.

Platz 2

USA - 377.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Bis auf Daimler tun sich die europäischen Hersteller noch schwer auf dem US-Markt. Nach Jahren der Konsolidierung sind dort deutlich weniger Wettbewerber im Markt.

Platz 1

China - 985.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der größte Lkw-Markt der Welt wird regiert durch die lokalen Hersteller. Die schiere Menge an verkauften Lkw kaschiert, dass es sich dabei vor allem um kleine, günstige Modelle handelt. Auch die Wachstumsprognosen sind nach Ansicht von Deloitte eher bescheiden. Sie gehen von einem jährlichen Wachstum von einem Prozent aus.

Von

dpa

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