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24.04.2015

16:18 Uhr

VW-Machtkampf

Aufsichtsräte nehmen Piëch ins Visier

Im VW-Machtkampf wendet sich das Blatt. Nach den Attacken gegen den Vorstandsvorsitzenden Winterkorn gerät nun Piëch selbst in die Kritik. Einige Aufsichtsratsmitglieder halten den Patriarchen für nicht mehr tragbar.

Vor zwei Wochen war VW-Patriarch Ferdinand Piëch öffentlich von Konzernchef Winterkorn (67) abgerückt. dpa

Übermächtig?

Vor zwei Wochen war VW-Patriarch Ferdinand Piëch öffentlich von Konzernchef Winterkorn (67) abgerückt.

Wolfsburg/Hamburg/BerlinIm Machtkampf bei Volkswagen gerät nach einem „Spiegel“-Bericht VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch unter Druck. Er sei als Aufsichtsratsvorsitzender des VW-Konzerns nicht mehr tragbar, sagten mehrere Mitglieder des 20-köpfigen Kontrollgremiums, wie der „Spiegel“ am Freitag berichtete.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus dem Umfeld der niedersächsischen Landesregierung erfuhr, stößt Piëchs Vorgehen gegen den Chef des Wolfsburger Konzerns immer mehr auf Unverständnis: „Noch zwei, drei solche Sachen sollte er sich jetzt nicht mehr leisten“, sagte eine Person mit Kenntnis der Situation. Ministerpräsident Stephan Weil, der das Land im Präsidium des VW-Aufsichtsrats vertritt, hatte in den vergangenen Tagen von der VW-Spitze wiederholt mehr Professionalität gefordert.

Auch einige Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gingen auf Distanz zu Piëch. Ein Insider aus dem Gremium verwies auf den Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums, das sich vor einer Woche hinter Winterkorn gestellt und Piëch damit eine herbe Niederlage zugefügt hatte. „Er (Piëch) muss sich sehr wohl überlegen, was das auch für ihn und seine eigene Position bedeutet“, sagte die Person zu Reuters. „Natürlich hat er (Piëch) auch immer die Möglichkeit, eigene Konsequenzen zu ziehen“, fügte der Insider hinzu. Piëchs Büro in Salzburg wollte sich nicht äußern.

Bei dem Krisentreffen am Sitz der Familien Porsche und Piëch vergangene Woche in Österreich war es beinahe zu einer Revolte gegen Piëch gekommen, der an seiner Kritik an Winterkorn festhielt. Bereits damals hatte ein Rückzug Piëchs im Raum gestanden.

Wichtige Zitate Ferdinand Piëchs

„Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“

Dieser kurze, aber eindeutige Satz von VW-Aufsichtsratschef und Firmenpatriarch Ferdinand Piëch vom 10. April 2015, löste die Debatte um VW-Chef Martin Winterkorn aus. Winterkorn galt kurz zuvor noch als unumstrittener Herrscher im VW-Reich sowie als sicherer Nachfolger von Piëch. Den Machtkampf entschied am 17. April 2015 zunächst Winterkorn für sich. Das Präsidium des Aufsichtsrat erklärte die Bereitschaft, den Vertrag des Managers über das Jahr 2016 hinaus zu verlängern.

„Nicht wirklich, aber immer noch besser als die anderen.“

Dass Ferdinand Piëch mit der Entwicklung von Volkswagen nicht zufrieden war, verdeutlichte er im März 2014 mit einer kurzen, aber deutlichen Aussage. Auf die Frage, ob er den VW-Konzern auf einem guten Weg sehe, antwortete er schlicht: „Nicht wirklich, aber immer noch besser als die anderen.“ Damit spielte er darauf an, dass es beim Autohersteller nach Jahren des Erfolgs nicht mehr rund lief. So brachen unter anderem verschiedene Auslandsgeschäfte ein und die Rendite näherte sich der Nulllinie. Besonders ärgerte sich Piëch damals darüber, dass Volkswagen in den USA trotz hoher Investitionen im Vergleich zur Konkurrenz weiter an Boden verlor.

„Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war.“

Im September des Jahres 2013 tauchten Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Abschied Ferdinand Piëchs aus gesundheitlichen Gründen auf. Zudem hieß es, dass der bisherige Konzernchef Martin Winterkorn als Piëchs Nachfolger feststehen würde. Sowohl der VW-Patriarch, als auch Konzern und Betriebsrat dementierten die aufkommenden Gerüchte. Piëch sagte dazu: „Totgesagte leben länger.“ . Außerdem fügte er hinzu, dass er klären wolle, wer der Urheber der Gerüchte war : „Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war.“

„Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche.“

Um die Übernahme von Porsche zu finanzieren, stimmten die VW-Aktionäre im Dezember 2009 nach langer Debatte einer milliardenschweren Kapitalerhöhung zu. Trotz großer Kritik vieler Kleinaktionäre beschloss die Mehrheit der Stammaktionäre damit einen Vorratsbeschluss zur Ausgabe von bis zu 135 Millionen neuer, stimmrechtsloser VW-Vorzugsaktien. Dem Vorwurf, er habe Interessenkonflikte sowie der Kritik, dass die Kapitalerhöhung über Vorzugsaktien erfolgen solle und damit die Stammaktionäre schütze, entgegnete Piëch mit den Worten: „Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche.“ Zuvor hatte Porsche Millionenschulden angesammelt, als sie versucht hatten, VW zu übernehmen.

„Zwölf ist eine gute Zahl.“

Mit dem simplen Satz „Zwölf ist eine gute Zahl" sorgte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kurz vor der IAA des Jahres 2009 für Aufsehen. Das Produktportfolio des Volkswagen Konzerns bestand damals noch aus neun Marken, inzwischen hat sich Piëchs Zitat bewahrheitet: Mit der Komplettübernahme der schwedischen Lkw-Tochter Scania im Jahr 2014 hat Volkwagen das Marken-Dutzend voll gemacht. Zum Konzern gehören die Marken Volkswagen, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Ducati, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Scania und Man.

„Zur Zeit noch. Streichen Sie das 'noch'!"

Mit diesen Worten antwortete Ferdinand Piëch im Übernahmekampf zwischen Porsche und VW im Jahr 2009 auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking noch sein Vertrauen genieße. Für Wiedeking gab es nach dieser Aussage des VW-Patriarchen und nach monatelangen Verhandlungen über eine mögliche Kooperation der beiden Konzerne keine Zukunft mehr bei Porsche. Im Juli 2009 trat Wiedeking von seinem Posten im Aufsichtsrat zurück und machte den Weg für eine gemeinsame Zukunft der Autobauer frei.

„Zwei Kranke in einem Doppelbett oder gar drei ergeben noch keinen Gesunden."

Mit diesen Worten entgegnete der VW-Patriarch am 11. Mai 2009 gelassen einer möglichen Kooperation von Fiat, Opel und Chrysler. Die drei Autohersteller hätten zu unterschiedliche Unternehmenskulturen, die eine erfolgreiche Kooperation verhinderten. Zudem war sich Piëch damals sicher, dass eine funktionierende Allianz etwa 15 Jahre Zeit brauche, genau wie beim Zusammenschluss von Volkswagen und Audi im Jahr 1969. Im Juni 2009 übernahm Fiat dann 20 Prozent der Anteile von Chrysler.

„Ich kenne kein Unternehmen in Deutschland, wo jemand mit zehn Arbeitnehmer-Gegenstimmen überleben konnte.“

Als es im März 2006 um die Zukunft des damaligen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder ging, äußerte sich Ferdinand Piëch im Wall Street Journal Europe deutlich über Mehrheiten für die Vertragsverlängerung Pischetsrieders. Bedeutend war auch Piëchs Zusatz: „Es ist wirklich eine offene Frage." Ein halbes Jahr später war die Frage dann geklärt: Bernd Pischetsrieder verließ den Wolfsburger Autokonzern zum 31. Dezember 2006 und wurde von Martin Winterkorn abgelöst.

Am Sonntag stellten sich dann mehrere Mitglieder des Präsidiums jedoch hinter Piëch, um eine Demontage des Firmenpatriarchen zu verhindern. „Es gibt keinen Grund, den Rücktritt von Dr. Piëch zu betreiben“, betonte der frühere IG-Metall-Boss Berthold Huber, der im Machtzentrum des Wolfsburger Konzerns sitzt. Piëch habe in der Vergangenheit und der Gegenwart Großes für das Unternehmen geleistet.

Die Arbeitnehmer hätten die feste Absicht, den erfolgreichen Weg von Volkswagen mit Piëch und dem durch das Präsidiumsvotum gestärkten Konzernchef Martin Winterkorn fortzusetzen, sagte Huber. Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh setzte sich für das Gespann aus Piëch und Winterkorn an der VW-Spitze ein.

In der Staatskanzlei in Hannover herrscht die Meinung vor, dass Piëch nun unter Beweis stellen muss, dass er „gut und professionell“ im Sinne des Unternehmens handelt. „Ich habe den Eindruck, dass er das verstanden hat“, sagte die Person. Sie verwies auf Piëchs Erklärung gegenüber dem „Spiegel“, wonach der 78-Jährige das Kriegsbeil begraben haben will.

Piëch hatte am Donnerstag Berichte dementiert, er forciere hinter den Kulissen weiter die Ablösung von Winterkorn: „Herr Winterkorn und ich haben uns vergangene Woche ausgesprochen und uns auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt.“ Kritiker halten diese Erklärung jedoch für unglaubwürdig.

Konzernkennern zufolge soll der Aufsichtsratschef bei einem Familientreffen noch in dieser Woche versucht haben, eine Mehrheit zu bekommen, um den VW-Chef doch noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai aus dem Amt zu drängen. Laut "Spiegel" soll er dabei Porsche-Chef Matthias Müller gebeten haben, sich auf einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden des Wolfsburger Autokonzerns vorzubereiten. Die Familienholding Porsche SE lehnte eine Stellungnahme ab. Auch Skoda-Chef Winfried Vahland war in den vergangenen Tagen als Nachfolgekandidat für Winterkorn genannt worden.

Kommentare (1)

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Herr Walter Schimpf

24.04.2015, 15:14 Uhr

Das Handelsblatt liegt wieder einmal schwer daneben. Von einem "Wirtschaftsblatt" sollte man eigentlich mehr Sachkenntnis erwarten.
Wie immer..
Hr. Piech sowie sein Familienclan sind die Eigentümer, hier sogar Mehrheitsanteilseigner, an dem VW-Konzern. Hr. Piechs Rolle geht damit weiter über jene eines AR-Mitglieds hinaus.
Hr. Winterkorn wiederum ist Angestellter dieses Unternehmens. Ein hochbezahlter zwar, aber dennoch immer noch ein Angestellter.
Wie die Sache am Ende des Tages ausgehen wird, ist damit eigentlich klar.

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