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21.09.2015

11:11 Uhr

VW-Manipulationen in den USA

Das schmutzige Spiel mit dem sauberen Diesel

VonLukas Bay

Volkswagen hat die Abgaswerte seiner Dieselmotoren in den USA manipuliert. Das erschüttert das Vertrauen der US-Verbraucher in eine Technologie, in der die Deutschen weltweit führend sind. Eine Analyse.

Skandal in den USA

Abgas-Manipulation bei VW: Was wusste Winterkorn?

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DüsseldorfGerade schien es, als hätte der Diesel sein schmutziges Image ablegen können. Diesel, das stand in den USA für Ruß und Schmutz, ölige Trucks und Gestank. Entsprechend marginal war der Anteil an den Verkäufen. Die Deutschen schickten sich an, das zu ändern. Immerhin gilt die hiesige Automobilindustrie in der Dieseltechnologie als führend. Kurzerhand taufte man die Technologie „Clean Diesel“, um das saubere Image schon im Namen zu transportieren.

Tatsächlich stieg in der Folge der Anteil der Diesel-Fahrzeuge im US-Markt – wenn auch auf einem niedrigen Niveau. Um den Deutschen Paroli zu bieten, kündigten auch Chrysler und General Motors Diesel-Modelle für ihren Heimatmarkt an. Der deutsche Automobilzulieferer Bosch sagte gar einen US-Marktanteil des Dieselantriebs von zehn Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts voraus, derzeit liegt er noch bei unter drei Prozent.

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Abgas-Manipulatoren traut man nicht: Anleger entziehen VW das Vertrauen, die Aktie stürzt 23 Prozent ins Minus. In den USA werden Diesel-Fahrzeuge aus dem Handel genommen, erste Rücktrittsforderungen werden laut.

Und jetzt das: Mit einer speziellen Software soll Volkswagen die US-Behörden über die wahre Umweltbelastung durch ihre Dieselmotoren getäuscht haben. Ein Vorwurf, der den Konzern teuer zu stehen kommen könnte. Und der das mühsam aufgebaute Vertrauen der Amerikaner in die Dieseltechnologie nachhaltig zerstören könnte. In einem Land, in dem das Benzin mit umgerechnet 53,5 Euro-Cent pro Liter noch günstiger ist als der vergleichsweise hoch besteuerte Diesel, haben es die Selbstzünder ohnehin schon schwer genug.

Der Skandal um die manipulierten Abgaswerte von VW ist damit eine Katastrophe für die gesamte deutsche Autoindustrie. Denn der schmutzige Diesel beherrscht wieder die Öffentlichkeit. In einer gemeinsamen Kampagne werben Audi, BMW, Mercedes, Bosch und VW seit Jahren für den „Clean Diesel“. Darin loben die Autobauer den hohen Drehmoment und vor allem die hohe Effizienz der Technologie. „Das ist nicht mehr der Diesel deines Großvaters“, verspricht die Kampagne.

Vermintes Gelände – Volkswagen und die USA

Schwieriges Geschäft

In China, dem wichtigsten Automarkt der Welt, stampft VW ein Werk nach dem anderen aus dem Boden. In den USA zählt Europas Branchenprimus erst eines, vieles läuft dort noch nicht rund. Eine Chronologie.

13. Januar 2013

VW-Chef Martin Winterkorn spricht zur Automesse in Detroit erstmals von einem neuen SUV-Modell speziell für die USA.

2. Mai 2013

Nach 31 Monaten auf steilem Expansionskurs muss Volkswagens Kernmarke für den April 2013 erstmals wieder rückläufige Verkäufe melden. Seitdem finden die Wolfsburger nicht in die Spur.

18. Juni 2013

Im schwelenden Streit um einen Betriebsrat für das einzige US-Werk von Volkswagen in Chattanooga droht der mächtige Konzernbetriebsrat damit, weiteres Wachstum dort zu blockieren.

12. Dezember 2013

Michael Horn löst Jonathan Browning als Chef von Volkswagens US-Sparte ab. Medien spekulieren, Browning müsse wegen der Verkaufszahlen gehen. Volkswagen nennt „persönliche Gründe“.

12. Januar 2014

Winterkorn kündigt das neue SUV-Modell für 2016 an. „Amerika ist der weltweit härteste Automarkt“, räumt er ein. Als mögliche Produktionsorte gehen Chattanooga und Mexiko ins Rennen.

14. Februar 2014

Die VW-Mitarbeiter in Chattanooga votieren gegen den Vorschlag, sich von der US-Autogewerkschaft UAW vertreten zu lassen. Damit kann VW zumindest vorerst nicht die vom Betriebsrat geforderte Arbeitnehmervertretung nach deutschem Vorbild aufbauen.

19. Februar 2014

Betriebsratschef Bernd Osterloh meldet sich zu Wort. Er könne sich „durchaus vorstellen“, dass ein weiterer Standort in den USA „nicht unbedingt wieder in den Süden gehen muss“.

14. Juli 2014

VW teilt mit: Der Cross Blue geht nach Chattanooga.

10. Januar 2015

VW zeigt auf der Messe in Detroit neben dem bereits bekannten großen Geländewagen Cross Blue eine Coupé-Variante. Martin Winterkorn verspricht, in den USA wieder in den Angriffsmodus zurückkehren zu wollen.

18. September 2015

Die Verkäufe gerade der Marke VW fallen nach den beiden schlechten Jahren 2013 und 2014 in den USA noch einmal schlechter aus. Von Januar bis August verkaufte in den USA 238.100 Autos und damit 2,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Quelle: dpa, scc

Das Kalkül dahinter: Der Diesel soll den Amerikanern als Alternative zum Hybridantrieb schmackhaft gemacht werden. Bis 2025 müssen die Autobauer ihre Kraftstoffeffizienz auf 54,5 Meilen pro Gallone steigern – so schreibt es das Gesetz vor. Bisher liegen sie noch deutlich darunter. Nur zwei Technologien scheinen geeignet, um den zukünftigen Herausforderungen zu begegnen: der Hybrid- und der Dieselantrieb.

Kommentare (55)

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Herr Marc Otto

21.09.2015, 11:16 Uhr

Was Dr. Piech derzeit schon offen ausgesprochen hatte, bewarheitet sich gerade.

WIKO ist untragbar für Volkswagen. Er hat, samt seiner Hintermänner, vollkommen versagt. Wenn man Wiko nich endlich feuert, wird der Konzern nachhaltig wegsacken.

Hier handelt es sich um ein brutales Versagen, was schlimmen Image-Schade beinhaltet. Es ist außerdem nur die Spitze vom Eisberg und der unfähige Wiko hat den gut laufenden Konzern, wie die Titanic, voll auf den Eisberg gefahren.

Wiko = Captain der Titanic.

Herr Rainer Feiden

21.09.2015, 11:27 Uhr

Alles eine Frage der Batrachtungsweise.
Wer kümmert sich denn mal um die Feinstaubemissionen "sauberer" Benzin-Direkteinspritzer?
http://www.autobild.de/artikel/gefaehrlicher-russ-aus-benzin-direkteinspritzern-2773267.html

Und irgenein Bundesumweltamt will ja schon das Fahren mit Dieselautos überhaupt verbieten.

http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/schlaglichter_nt/article146593647/Umwelthilfe-fordert-Fahrverbot-fuer-Diesel-Autos.html

Also schnell die KfZ-Steuer rauf, damit das E-Mobil doch noch zum, Erfolg wird. Aber den Kat fürs Kohlekraftwerk nicht vergessen, gelle.

Herr Günther Schemutat

21.09.2015, 11:28 Uhr

Der Tipp an die USA könnte womöglich aus dem eigenen Haus kommen und es könnte sich dabei um eine teure Rache an Winterkorn handeln.

Alles andere wäre die Dummheit des Jahrhunderts und ein weltweiter Absturz nicht nur der Aktien sondern auch in das Vertrauen gepaart mit weltweiten Entschädigungsforderungen.

Inwieweit wusste die ROT/GRÜNE Niedersaches Regierung als Anteilseigner von diesen Betrug? Das muss überprüft werden.

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