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25.01.2016

19:31 Uhr

VW nach dem Abgasskandal

VW-Chef verspricht mehr Nachhaltigkeit

Bis zum Jahr 2020 will der VW-Konzern rund 20 neue Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb auf den Markt bringen. Vorstandschef Matthias Müller fordert Unterstützung von der Politik, um Elektro-Autos beliebter zu machen.

Der Abgas-Skandal hat den VW-Konzern tief erschüttert. Mehr denn je will das Unternehmen daher nun auf Nachhaltigkeit setzen und das Angebot von E-Autos ausweiten. dpa

Abgas-Skandal

Der Abgas-Skandal hat den VW-Konzern tief erschüttert. Mehr denn je will das Unternehmen daher nun auf Nachhaltigkeit setzen und das Angebot von E-Autos ausweiten.

FrankfurtDer vom Diesel-Abgasskandal erschütterte Volkswagen -Konzern will nach den Worten seines Vorstandschefs Matthias Müller mehr als je zuvor auf Nachhaltigkeit setzen und das Angebot an Elektro-Autos ausweiten.

Der Konzern mit seinen zwölf Marken werde bis 2020 rund 20 weitere Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb auf den Markt bringen, kündigte Müller am Montag auf dem Neujahrsempfang des Konzerns in Brüssel an. Um die von den Kunden bisher kaum gefragten Elektroautos zum Erfolg zu machen, müsse die Politik die Unternehmen unterstützen, forderte Müller.

So brauche Europa dringend ein flächendeckendes Netz an Schnell-Ladestationen. Das Vertrauen der Kunden werde nur wachsen, wenn es eine sichtbare und funktionierende Infrastruktur gebe.

Auto-Antriebe

Verbrennungsmotor

Billiges Öl in den USA und der Beginn der Massenmotorisierung durch Ford haben dem „Verbrenner“ zum Durchbruch verholfen. In verschiedenen Varianten treibt er heute beinahe alles an, was fährt. Ob Ottomotor oder Dieselmotor, beide Aggregate werden vor allem mit fossilen Brennstoffen, also Produkten aus Erdöl betrieben. Doch die Technik lässt je nach Modifikation auch anderen Treibstoff zu, etwa Alkohol, Biodiesel, Gase oder gar Frittenfett. So kann der Verbrenner auch ein alternativer Antrieb sein.

Autogas und Erdgas

Der Antrieb mit Autogas funktioniert nach einer technischen Umrüstung in fast allen Benzinmotoren. Die kostet je nach Modell einige tausend Euro. Der günstigere Preis für das Gas spart zwar Geld, die Investition rechnet sich meist aber nur für Vielfahrer. Autogas (LPG) ist allerdings nicht an allen Tankstellen zu haben, zudem schmälert der Zusatztank meist den Platz im Kofferraum. Ist der Gastank leer, fährt der Motor mit Benzin weiter.

Eine andere Möglichkeit ist Erdgas, das ebenfalls in einem herkömmlichen Ottomotor verbrannt wird. Autos mit Erdgas-Antrieb finden sich häufiger in größeren Flotten oder auch in Bussen. Auch hier ist das Tankstellennetz noch nicht flächendeckend. Ein redaktionelles Special zu diesem Thema finden Sie hier.

Hybrid

Autos mit Hybrid-Antrieb haben beides an Bord: einen Verbrennungs- und einen Elektromotor. Dabei gibt es mehrere Varianten wie sogenannte „milde“, „volle“ und Plug-in-Hybriden. In der „milden“ Variante wird die Batterie etwa mit der Bremsenergie aufgeladen und greift dem Verbrennungsmotor unter die Arme. Ein Vollhybrid kann auch rein elektrisch fahren, die Batterie wird während der Fahrt mit dem Benziner geladen, auch wird Energie beim Bremsen erzeugt. Der Plug-in-Hybrid schließlich kann an der Steckdose geladen werden, was seine Reichweite beim elektrischen Fahrbetrieb verlängert. Mehr zum Thema Hybrid und Elektro-Auto lesen Sie hier.

Elektromotor

Reine Elektroautos sind zurzeit noch echte Raritäten auf den Straßen der Welt, obwohl sie in den Anfangsjahren des Automobils schon einmal breiter vertreten waren als Verbrennungsmotoren. Sie werden von Batterien gespeist und kommen ganz ohne fossile Energieträger aus - wenn man davon absieht, dass der Strom oft aus Kohle, Gas oder Atomkraft gewonnen wird. Viele Hersteller forschen derzeit an E-Autos und verfolgen dabei etliche verschiedene Ansätze. So werden etwa herkömmliche Fahrzeuge umgebaut oder ganz neue Konzepte speziell für den Stromantrieb entwickelt.

Dabei hat der Antrieb eine lange Geschichte und ist alles andere als eine neue Idee. Bereits in der Frühzeit der Automobilgeschichte gab es „Stromer“, bei kleinen Lieferwagen erhielt sich der Antrieb. Billiges Öl und wachsender Bedienkomfort verhalfen dem Verbrenner aber zum Durchbruch. Nun erlebt die E-Technik eine Wiedergeburt. Das größte Problem dabei ist die Speichertechnik, sprich die Batterien. Mehr zum Thema Hybrid und Elektro-Auto lesen Sie hier.

Brennstoffzelle

Für Ingenieure ist sie die Krönung des Antriebs - lautlos, leistungsstark und aus dem Auspuff strömt nur Wasserdampf. Die Brennstoffzelle treibt bereits U-Boote an, auch Versuchsautos gibt es längst. Dennoch ist Technik noch lange nicht für den Massenmarkt bereit. Ungeklärt ist etwa die Frage, wie der Wasserstoff energieeffizient und umweltschonend gewonnen werden kann. Auch technisch gibt es noch viel zu klären, vom Ausbau des nötigen Tankstellennetzes einmal ganz zu schweigen. Trotzdem halten viele Experten die Brennstoffzelle für den Königsweg und das batteriegetriebene E-Auto für nicht viel mehr als einen Zwischenschritt in der Entwicklung der Mobilität der Zukunft.

Mit Blick auf die Manipulation der Diesel-Abgaswerte bei weltweit elf Millionen Fahrzeuge bekräftigte Müller, dass Volkswagen die Abgaswerte seiner Fahrzeuge künftig von externen, unabhängigen Prüfern prüfen und bestätigen lassen wolle. Auch sollten Fahrzeuge stichprobenweise unter realen Straßenbedingungen getestet werden.

„Die branchenweit bestehenden Diskrepanzen zwischen offiziellen Prüfwerten und Realverbrauch sind nicht mehr vermittelbar und nicht mehr hinnehmbar“, sagte Müller. „Hier müssen wir als Industrie neue Wege gehen.“

Derzeit wird in der EU über ein neues Testverfahren verhandelt, mit dem Schadstoffe von Pkw nicht nur im Labor, sondern auch im Straßenbetrieb gemessen werden sollen. Das Europäische Parlament hat der Regelung, die die EU-Mitgliedstaaten schon verabschiedet haben, bisher nicht zugestimmt. Viele Parlamentarier halten die Vorgaben noch immer für zu lasch.

Von

rtr

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