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11.08.2016

18:26 Uhr

VW nennt Reparaturfrist

Anwälte im US-Dieselvergleich fordern 332 Millionen Dollar

Die Anwälte der US-Kläger im Diesel-Skandal fordern die Erstattung mehrerer hundert Millionen Dollar Rechtskosten von VW. Markenchef Diess will den Markt trotzdem nicht aufgeben – und hofft auf „eine zweite Chance“.

In den USA erwartet den Konzern eine Milliardenstrafe – und Millionenforderungen der Anwälte der Kläger. dpa

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In den USA erwartet den Konzern eine Milliardenstrafe – und Millionenforderungen der Anwälte der Kläger.

Düsseldorf, FrankfurtDer milliardenschwere US-Vergleich von Volkswagen im Diesel-Skandal füllt die Taschen der Kläger-Anwälte. Sie fordern bis zu 332,5 Millionen Dollar an Gebühren und anderen Rechtskosten, wie aus einem Gerichtsdokument vom späten Mittwochabend (Ortszeit) hervorgeht. Volkswagen hatte mit einem mehr als 15 Milliarden Dollar teuren Vergleich die Hunderte Sammelklagen von Dieselbesitzern sowie Klagen von Behörden und US-Bundesstaaten beigelegt.

Volkswagen und die Kläger-Anwälte hätten sich bislang nicht auf die Höhe der Gebühren geeinigt, hieß es in dem Dokument. Die Bedingungen des Vergleichs sehen vor, dass der zuständige Bezirksrichter Charles Breyer die Anwaltsgebühren genehmigen muss.

Derweil will der Konzern bis Mitte kommenden Jahres alle vom Dieselskandal betroffenen Fahrzeuge repariert haben. „Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Großteil der Themen in 2016 und den Rest im ersten Halbjahr 2017 bewältigen werden“, sagte VW-Markenvorstand Herbert Diess der „Wirtschaftswoche“. Für 4,6 Millionen der weltweit rund 10,5 Millionen betroffenen Dieselfahrzeuge seien bereits technische Lösungen erarbeitet und von den Behörden freigegeben worden.

Wer Volkswagen verklagt

Große Probleme für VW

Volkswagen hat sich zur Beilegung des Dieselskandals in den USA mit Klägern auf Zahlungen von mehr als 15 Milliarden Dollar verständigt. Der außergerichtliche Vergleich mit Behörden und Dieselbesitzern ist der erste große Schritt zur Aufarbeitung der Manipulation. Weltweit sieht sich Volkswagen mit milliardenschweren Schadenersatzklagen auch von Anlegern konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen des Konzerns sind neben Autobesitzern und Behörden die dritte große Gruppe, die finanzielle Ansprüche an den Konzern stellt. Weltweit werfen Investoren dem Unternehmen vor, es habe die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr über die Manipulation mit ihren schwerwiegenden finanziellen Folgen zu spät informiert. Der Konzern müsse deshalb auch für Kursverluste von VW-Wertpapieren aufkommen. Volkswagen hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Andreas Tilp

Der Tübinger Rechtsanwalt hat nach eigenen Angaben beim Landgericht Braunschweig eine Klage eingereicht, mit der rund 280 institutionelle Anleger aus mehreren Ländern fast 3,3 Milliarden Euro Schadensersatz für Kursverluste fordern. Außerdem vertritt Tilp mehr als 1100 Privatanleger, die durchschnittlich einen Schaden von 47.000 Euro geltend machen.

Quinn Emanuel

Die Hamburger Kanzlei Quinn Emanuel reichte Klagen für rund 50 institutionelle internationale Investoren ein, darunter der milliardenschwere Pensionsfonds für Lehrer in Kalifornien, ein Staatsfonds und Hedgefonds. Die geforderte Summe beläuft sich auf 680 Millionen Euro. Unterstützt wird Quinn Emanuel vom Prozesskostenfinanzierer Bentham Europe, an dem der US-Hedgefonds Elliott beteiligt ist.

Pensionsfonds aus Boston

Der Pensionsfonds für Angestellte der US-Stadt Boston hat nach Angaben einer Anwaltskanzlei eine Sammelklage gegen Volkswagen eingereicht. Er hält Anleihen von Volkswagen und wirft dem Autobauer vor, seine Gläubiger getäuscht zu haben, wie die Kanzlei Labaton Sucharow mitteilte. Die Klage wurde bei einem US-Bezirksgericht in Kalifornien eingereicht.

Niederländische Stiftung

Eine als Stiftung eingerichtete Kläger-Organisation pocht auf einen außergerichtlichen Vergleich. Volkswagen könne so zu geringeren Kosten eine Welle von Schadensersatzklagen abwenden, erklärte Henning Wegener, Chef der nach niederländischem Recht gegründeten „Stichting Volkswagen Investors Claim“.

Nieding + Barth

Die Frankfurter Kanzlei hatte ebenfalls eine Klage am Landgericht Braunschweig angekündigt. Insgesamt strengten 66 Investoren aus den USA und Großbritannien dieselbe Klage an, die Volkswagen einen Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz wegen verspäteter Bekanntgabe der illegalen Abgasmanipulation von Diesel-Fahrzeugen in den USA vorwirft.

Alllianz und Dekabank

Der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank ziehen gegen Volkswagen wegen der Abgasaffäre vor Gericht. Finanzkreisen zufolge beteiligt sich das Wertpapierhaus der Sparkassen neben der Allianz-Tochter AGI an der Klage. Die Deka ist nach Reuters-Daten elftgrößter VW-Aktionär und hält einen Anteil von 0,6 Prozent.

Kleinanleger

In Deutschland gingen beim zuständigen Landgericht Braunschweig zudem rund 120 Klagen von Kleinanlegern ein, die Schäden von jeweils zwischen 600 Euro und zwei Millionen Euro geltend machen.

Verschrottungen von Fahrzeugen in größerem Umfang solle es nicht geben, sagte Diess dem Magazin. Dies wäre dann notwendig, wenn VW nicht in der Lage wäre, die Autos entsprechend der geltenden Gesetze in den USA umzurüsten.

Von einem Rückzug der Marke VW aus den USA hält der Marken-Chef nichts: „Das wäre aus meiner Sicht ein Fehler.“ Amerika sei ein Land, „in dem man zwar hart bestraft wird, aber dann auch eine zweite Chance bekommt“, sagte Diess der „Wirtschaftswoche“.

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