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15.01.2008

15:57 Uhr

VW-Prozess

Pischetsrieder will von nichts gewusst haben

Der frühere VW -Chef Bernd Pischetsrieder hat am Dienstag vor dem Landgericht Braunschweig als Zeuge ausgesagt. Er leitete den Konzern vier Jahre lang. Eine Mitwisserschaft in der Korruptionsaffäre bei Volkswagen streitet er aber ab. Stattdessen würdigte er den angeklagten Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert.

Bernd Pischetsrieder sagt als Zeuge in der VW-Affäre aus. Foto: ap Quelle: ap

Bernd Pischetsrieder sagt als Zeuge in der VW-Affäre aus. Foto: ap

HB BRAUNSCHWEIG. Vor Juni 2005, als Schmiergeldforderungen und Lustreisen von Betriebsräten auf VW -Kosten ruchbar wurden, habe er davon nichts gewusst, sagte Pischetsrieder am Dienstag vor dem Landgericht Braunschweig. Auch sein Vorgänger Ferdinand Piëch hatte zuvor eine Verwicklung in die Affäre bestritten.

Pischetsrieder würdigte in seiner Zeugenaussage den wegen Anstiftung zur Untreue angeklagten Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert: "Es ist völlig klar, dass die Sanierung von VW in den 90er Jahren ohne einen Menschen wie Herrn Volkert nicht möglich gewesen wäre." Volkert sei wie ein Markenvorstand bezahlt worden, erläuterte Pischetsrieder. "Das war auch okay."

Die Bandbreite für die Verdienste von Markenvorständen liege generell zwischen 250 000 und 500 000 Euro. Im Detail habe er mit dem damaligen Personalvorstand Peter Hartz nicht über Volkerts Bezahlung gesprochen, sagte Pischetsrieder. Der schwerste Vorwurf in der Anklage gegen Volkert lautet, er habe Sonderboni von fast zwei Mill. Euro ohne Gegenleistung kassiert. Volkerts Anwalt Johann Schwenn sagte, Pischetsrieder habe dargelegt, dass ohne seinen Mandanten die Rettung von VW nicht möglich gewesen wäre. "Mehr Entlastung geht nicht", sagte Schwenn. Die Untreue, deretwegen Volkert angeklagt ist, erfordere einen Schaden. "Den kann ich immer weniger erkennen."

Pischetsrieder berichtete, er habe sich nicht im Einzelnen um Unregelmäßigkeiten bei Betriebsratsspesen gekümmert, die vom ebenfalls angeklagten Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer abgerechnet wurden. "Ich habe mich mit den Details, die dahinter liegen, nicht befasst. Das Problem war schlimm genug."

Auch mit Ferdinand Piëch, der von 1993 bis 2002 VW -Chef war und in dessen Amtszeit Lustreisen auf Konzernkosten fielen, habe er nicht vor Sommer 2005 über Unregelmäßigkeiten gesprochen. "Ich habe mit Herrn Piëch über Produkte und sehr viele Dinge gesprochen, aber über Abrechnungen niemals." Pischetsrieder schilderte seine Bemühungen um Aufklärung: Er habe die interne Revision sowie die Wirtschaftsprüfer von KPMG eingeschaltet. Außerdem hatte er Strafanzeige gegen Gebauer und den damaligen Personalvorstand der VW -Tochter Skoda, Helmuth Schuster, gestellt. Berichte über mutmaßlich von Schuster verlangte Schmiergelder und ein von ihm errichtetes Netz von Tarnfirmen, durch die VW -Mittel abgezweigt wurden, hatten die Affäre publik gemacht.

Pischetsrieder sagte, Auslöser für die spätere Anzeige sei gewesen, dass ihm ein Lieferant den Hinweis gegeben habe, er solle im Zusammenhang mit einem geplanten VW -Werk in Indien Schmiergeld zahlen. Auf einem entsprechenden Vertrag hätten die Namen Gebauer und Schuster gestanden. Darüber habe er selbst mit Hartz gesprochen, berichtete Pischetsrieder: "Herr Hartz war schockiert." Hartz habe "keine Sekunde" gezögert und deutlich gemacht, dass man sich von den beiden Mitarbeitern trennen müsse, sollte sich der Verdacht bestätigen. "Da war kein Zweifel", sagte Pischetsrieder.

Gebauer und Schuster mussten den Konzern verlassen. Hartz selbst wurde vor einem Jahr wegen Untreue verurteilt. Pischetsrieder leitete Volkswagen von 2002 bis Ende 2006.

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