Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.10.2014

10:45 Uhr

VW-Quartalszahlen

Autoriese auf Diät

VonLukas Bay

Volkswagen kann im dritten Quartal wieder deutlich zulegen. Das verdanken die Wolfsburger vor allem Audi und Porsche. Die Kernmarke schwächelt dagegen – und muss nun sparen, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Kosten senken, Effizienz steigern

Leiharbeiter fürchten VW-Sparprogramm

Kosten senken, Effizienz steigern: Leiharbeiter fürchten VW-Sparprogramm

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfFür Volkswagen war der Sommer erfolgreich: Zwischen Juli und Ende September ist der Konzerngewinn auf 2,93 Milliarden Euro gestiegen und liegt damit 58 Prozent höher als im Vorjahr. Der Konzern nimmt weiter Kurs auf die Weltspitze. In den ersten neun Monaten des Jahres haben die Wolfsburger 7,5 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, also etwa 5 Prozent mehr als im Vorjahr. 10 Millionen Fahrzeuge zum Jahresende scheinen realistisch. Die Geschäfte in China laufen rund, der Absatz in Europa kommt wieder in die Gänge.

Wir haben uns im bisherigen Jahresverlauf ordentlich entwickelt", freute sich Konzernchef Martin Winterkorn. Volkswagen müsse jedoch weiter hart daran arbeiten, die Basis für die Zukunft zu legen, begründete er die Zurückhaltung. Winterkorn will bei VW jährlich fünf Milliarden Euro einsparen, um die Renditeschwäche der Hauptmarke zu beheben.
Denn längst rumort es in der heilen Welt des Konzerns: Denn die Kernmarke VW, das Flaggschiff unter der persönlichen Führung von Winterkorn, schwächelt weiter. In den ersten neun Monaten legte die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge zwar um 3 Prozent auf 4,56 Millionen Fahrzeuge zu, doch der Gewinn sackte im gleichen Zeitraum um satte 20 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ab. Die Rendite dümpelt bei mageren 2,8 Prozent. Konkurrenten wie Toyota und General Motors sind längst in ganz anderen Sphären unterwegs und kratzen an der 10-Prozent-Marke.

Dass Volkswagen im Volumengeschäft trotzdem stark ist, hat der Konzern vor allem der tschechischen Schwestermarke Skoda zu verdanken, die 774.000 Fahrzeuge ausgeliefert hat, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch bei der Profitabilität stehen die Tschechen mit einem operativen Ergebnis von 612 Millionen Euro (+75 Prozent) und einer Rendite von 7,4 Prozent deutlich besser da.

Auch die Premiummarken des Konzerns fahren im dritten Quartal weiter Erfolge ein: Auch wenn Audi in puncto Rendite (9,7 Prozent) leicht schwächer abschneidet, fällt der Gewinn mit 3,8 Milliarden Euro immer noch üppig aus. Die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge können die Ingolstädter um zehn Prozent auf 1,3 Millionen steigern.

Sportwagenbauer Porsche bleibt mit 135.600 ausgelieferten Fahrzeugen (+13,3 Prozent), einer Rendite von 15,7 Prozent und einem operativen Ergebnis von 1,9 Milliarden Euro ein weiterer Gewinnbringer des VW-Konzerns. Und die beiden Edeltöchter sind auch der Innovationsmotor: Gemeinsam schultern Audi und Porsche mehr als die Hälfte des 10,2 Milliarden Euro schweren Entwicklungsbudgets.

Doch die Erfolge von Audi und Porsche können die drängenden Probleme des Konzerns kaum kaschieren. Zum einen macht das Sorgenkind Seat trotz steigender Verkäufe weiter Verluste, bis September summieren sie sich auf 88 Millionen Euro. Und zum anderen scheint die schiere Größe für die Kernmarke VW zur Belastung geworden zu sein. Die Entscheidungen dauern lange, Entwicklungen sind zu teuer.

Probleme, die der Vorstandschef nicht länger ignorieren kann und will. Anfang August setzte Winterkorn darum Produktionschef Michael Macht ab, bis zu diesem Zeitpunkt Herr über die 106 Produktionsstandorte der Wolfsburger. „Müssen wirklich Monate vergehen, bis neue Modelle in perfekter Präzision vom Band laufen?“, meckerte Winterkorn vor der Belegschaft. Auch die Umstellung auf den neuen Baukasten erweist sich als teurer als gedacht.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr robert stern

30.10.2014, 12:11 Uhr

„Müssen wirklich Monate vergehen, bis neue Modelle in perfekter Präzision vom Band laufen?“

Deutsche sogenannte "Premium-Fahrzeuge" haben durch die Bank Probleme, von prefekt kann keine Rede sein. Gründe:

-Over-Engeneering (typische deutsches Problem)
-zu schwach ausgelegte aber kostengünstige Teile (zB.Steuerketten, die sich nach 40.000 km mit fatalen Folgen verabschieden)
-Zwang zum EU-Downsizing. Zahrleiche anfällige Sensoren, Pumpen und Stellmotoren ersetzten den Hubraum.

Mit meinem 318i verbrauche ich zwar nur 6,5 Liter Benzin, stehe aber ständig in der Werkstatt:

Zündspulen, Injektoren, Nockenwellensensor, Noxkatalysator, Niederdrucksensor, Luftmassenmesser, Hochdruckpumpe, Steuerkette usw. usw. es nervt.

Und immer muß ich bangen, daß der Münchener Premium-Hersteller mal einen Teil der horrenden Kosten auf Kulanz übernimmt.

Nächstes Mal ein Kia mit 7 Jahren Garantie

Herr Ralf Uhlhorn

30.10.2014, 13:12 Uhr

Von BMW auf KIA umsteigen?! Das ist doch keine Lösung. Die Deutschen bauen phantastische Autos, die Ausstrahlung und Charakter haben. Sicher gibt es Probleme, aber das ist auch kein Wunder bei den Herausforderungen. Beim Elektroantrieb ist Wachsamkeit gefragt. Aber ich habe wenig Bedenken, daß auch hier schnell wieder die Technologieführerschaft erlangt wird, sobald es sich auch lohnt, diese Autos zu bauen. Aus Anlegersicht sollte man auf jeden Fall in VW, Daimler und BMW investiert sein. Die Unternehmen sind moderat bewertet. Wenn allein die Über-Marke Porsche im VW-Konzern adäquat bewertet würde (siehe Tesla), käme man auf Aktienkurse weit jenseits der aktuellen Werte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×