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02.02.2016

14:17 Uhr

VW startet Diesel-Umrüstung

Werkstatt-Show mit dem Verkehrsminister

Seit knapp einer Woche erhalten erste manipulierte Diesel ein Software-Update. Heute lud der Autobauer in eine Werkstatt nach Berlin: Verkehrsminister Dobrindt schaut gespannt zu – und hat Neuigkeiten für VW-Fahrer.

„Wenig Aufwand“. AFP

Verkehrsminister Dobrindt (M.) und VW-Markenvorstand Diess

„Wenig Aufwand“.

BerlinDer VW-Konzern hat in Berlin symbolisch die Umrüstung der vom Abgas-Skandal betroffenen Dieselfahrzeuge gestartet. Im Beisein von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und dem Volkswagen-Markenvorstand Herbert Diess wurde in einer VW-Niederlassung in der Hauptstadt ein Software-Update auf einen Pick-Up-Truck des Modells Amarok aufgespielt. Der Beginn der Umrüstung sei ein „wichtiger Meilenstein“, sagte Dobrindt.

Die ersten Updates waren laut Volkswagen schon in der vergangenen Woche auf Kundenautos aufgespielt worden. Diess versicherte in Berlin, dass die Fahrzeuge nach der Umstellung zu „hundert Prozent“ die gesetzlichen Anforderungen einhielten. Auch beim Verbrauch und bei der Fahrleistung wolle der Konzern keine Kompromisse machen – beim Modell Amarok sei dies auch gelungen. Der Amarok ist das erste Modell, für dessen Umrüstung das Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Freigabe erteilt hat.

Volkswagen und Dieselgate: Was VW-Fahrer zum Riesen-Rückruf wissen müssen

Volkswagen und Dieselgate

Was VW-Fahrer zum Riesen-Rückruf wissen müssen

Es ist ein Rückruf der Superlative: Volkswagen muss in den kommenden Monaten bis zu 11 Millionen Diesel-Fahrzeuge umrüsten. Ende der Woche soll es bereits losgehen. Was betroffene Kunden jetzt wissen müssen.

Diess versicherte, die an den Fahrzeugen nötigen Veränderungen bedeuten für deren Besitzer nur „wenig Aufwand“. Die Umrüstung sei in jedem Fall in weniger als einer Stunde erledigt, oft auch schon binnen 20 Minuten. „Unser wichtigstes Ziel ist es natürlich, dass Vertrauen unserer Kunden zurückzugewinnen“, versicherte Diess. Zugleich entschuldigte er sich für die „Unannehmlichkeit“, das jeweilige Auto zur Werkstatt bringen zu müssen.

VW sei zuversichtlich, dass bis Jahresende alle hierzulande betroffenen Fahrzeuge umgerüstet werden können, sagte Diess. Die Autohäuser seien gut vorbereitet, so dass der Prozess „sehr geschmeidig“ ablaufen könne. „In den nächsten Wochen“ würden nach und nach alle vom Rückruf betroffenen Kunden angeschrieben. Für Motoren mit 1,2 Litern und 2,0 Litern Hubraum soll dabei nur eine Software-Änderung nötig sein. Bei 1,6-Liter-Modellen soll zusätzlich ein Bauteil eingesetzt werden. Aus allen Wagen muss eine Software entfernt werden, die Abgaswerte manipuliert.

„Das nächste Modell wird der Passat sein, der im März zum Rückruf kommt“, verriet Dobrindt. Der Verkehrsminister sagte, der Rückruf werde von der Untersuchungskommission begleitet, die bei seinem Ministerium zum Abgas-Skandal eingerichtet wurde. Die Zusammenarbeit mit VW funktioniere. Deutschland sei mit dem Rückruf wesentlich weiter als andere Länder, in denen teils noch über technische Lösungen diskutiert werde.

Große Rückrufaktionen der Autobranche

Millionen betroffen

Immer wieder müssen Autohersteller Wagen in die Werkstätten beordern. In der Abgas-Affäre steht Volkswagen mit insgesamt elf Millionen betroffenen Autos vor einer der größten Aktionen der vergangenen Jahre. Beispiele für große Rückrufe.

Oktober 2015

In der Diesel-Affäre ordnet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen verpflichtenden Rückruf für 2,4 Millionen Volkswagen-Fahrzeuge in Deutschland an.

September 2015

Fiat Chrysler muss in Nordamerika gut 1,7 Millionen Fahrzeuge wegen technischer Mängel in die Werkstätten beordern. Die Gründe sind Fehler am Lenkrad und Probleme mit Airbags.

August 2015

Wegen Airbag-Problemen ruft Volkswagen in den USA 420 000 Autos zurück. Schwierigkeiten mit einer Feder am Lenkrad könnten dazu führen, dass der Airbag bei einem Unfall nicht auslöst.

Juli 2015

Chrysler ruft in den USA 1,4 Millionen Wagen wegen einer Sicherheitslücke zurück, die zwei Hacker aufgedeckt hatten. Durch fehlerhafte Software könnten Autos aus der Ferne manipuliert werden.

Mai 2015

Der japanische Airbag-Hersteller Takata muss Gefahren bei insgesamt 19,2 Millionen Autos zugeben und läutet damit die bis dahin größte Rückrufaktion der US-Autoindustrie ein.

April 2015

Der japanische Kleinwagen-Spezialist Suzuki Motor ruft rund zwei Millionen Autos in die Werkstätten zurück, die meisten davon in Japan. Grund sind mögliche Defekte bei Zündschlössern.

März 2014

General Motors weitet die Rückrufaktion wegen Problemen an Zündschlössern aus. Betroffen sind mittlerweile rund 2,6 Millionen Fahrzeuge. Sie wurden meist in den USA und Kanada verkauft. Der Konzern muss sich für mindestens 13 Tote und 31 Unfälle verantworten.

November 2013

Volkswagen holt über 2,6 Millionen Autos in die Werkstätten. Weltweit gibt es Qualitätsprobleme. Im selben Monat treten wegen diverser Rückrufaktionen des südkoreanischen Autobauers Hyundai drei Manager dieses Unternehmens zurück.

Juni 2013

Chrysler startet einen massenhaften Rückruf in den USA. Die Verkehrssicherheitsbehörde hatte gefordert, 2,7 Millionen ältere Jeep Grand Cherokee und Jeep Liberty zu prüfen - Tanks könnten bersten, wenn die Geländewagen gerammt würden.

Oktober 2012

Fast 7,5 Millionen Autos weltweit ruft Toyota wegen Problemen mit elektrischen Fensterhebern zurück.

VW hatte im September zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeuge unterschiedlicher Marken des Konzerns eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm beeinflusst den Ausstoß von Stickoxiden bei Tests auf dem Prüfstand, so dass die Werte geringer ausfallen als sie tatsächlich sind. In Deutschland sind von den Manipulationen rund 2,4 Millionen Fahrzeuge betroffen.

Das KBA hatte im Oktober den Rückruf aller betroffenen VW-Dieselmodelle angeordnet. Dieser erfolgt in mehreren Etappen über das Jahr verteilt.

Ansturm auf die Werkstätten

So läuft die Rückrufaktion von Volkswagen

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