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20.05.2016

16:16 Uhr

VW-Strategie 2025

„Die Zeiten des Weltautos sind passe“

Bis Mitte Juni will VW-Chef Matthias Müller seine bis 2025 anvisierten Ziele fest verkünden. So soll der Konzern fit für Wandel der Mobilität werden und genauer auf die „Einhaltung von Zielen und Vorgaben“ achten.

Der Manager will bis Mitte Juni seine Strategie bis 2025 präsentieren. dpa

Volkswagen-Chef Matthias Müller

Der Manager will bis Mitte Juni seine Strategie bis 2025 präsentieren.

HannoverVolkswagen -Chef Matthias Müller versucht, die Mitarbeiter für seine neue Strategie zu gewinnen. Erste Grundzüge der bis 2025 geltenden Ziele stellte der 62-Jährige am Freitag vor mehreren hundert Managern in Wolfsburg vor. Seinem Reuters in Auszügen vorliegenden Redemanuskript zufolge soll Europas größter Autokonzern sowohl flexibler als auch profitabler werden, um den Wandel der Mobilität zu bewältigen.

Das viele Geld, das Volkswagen in die Digitalisierung und das automatisierte Fahren investieren will, muss erst verdient werden. Dafür sollen die Reibungsverluste in dem Mehrmarken-Konzern verringert würden. „Es kann nicht sein, dass ein Konzern, der zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkauft, die Skaleneffekte und Synergien nicht in dem Maße hebt, wie das eigentlich möglich und nötig wäre.“ Das könne mancher Wettbewerber leider besser, räumte Müller ein.

Um den Rückstand möglichst rasch aufzuholen, will Müller den Konzern mit weltweit mehr als 600.000 Beschäftigten umpolen. Nicht mehr die Zentrale in Wolfsburg soll in allem das Sagen haben. Stattdessen sollen die einzelnen Marken und Regionen mehr Befugnisse bekommen. „Die Zeiten des Weltautos sind endgültig passe“, sagte Müller, der den Konzern seit September führt. Der damalige Porsche-Chef war nach dem Rücktritt von Martin Winterkorn im Zuge der Abgasaffäre an die Spitze des Konzern gerückt.

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Die neuen Ziele sollen Winterkorns Strategie 2018 ablösen, der Volkswagen mit harter Hand geführt und vieles selbst entschieden hatte. Kritiker bemängeln, der autoritäre Führungsstil habe mit dafür gesorgt, dass Missstände nicht offen angesprochen wurden. Das soll mit dafür verantwortlich sein, dass die Abgasmanipulation überhaupt möglich wurde, die Volkswagen in die tiefste Krise seiner Geschichte gestürzt hat.

„In der 'neuen' Volkswagen-Welt hat der Konzern primär eine steuernde und integrierende Funktion“, sagte Müller. Die Zentrale in Wolfsburg sei jedoch „kein zahnloser Tiger“. „Wir werden künftig genauer darauf achten als das früher der Fall war, ob Ziele erreicht und Vorgaben eingehalten werden.“

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Mit den neuen Zielen will Müller das angeschlagene Imperium für die Digitalisierung, Vernetzung und neue Mobilitätsdienstleistung fit machen. Dafür kündigte Müller acht große Konzerninitiativen an. Teil der Initiativen ist auch ein konzernübergreifendes Unternehmen, das demnächst gegründet werden soll. Damit will Volkswagen das Geschäft rund um Mobilitätsdienste vorantreiben.

Details seiner Strategie will der Konzernchef Mitte Juni präsentieren und damit noch vor der Hauptversammlung am 22. Juni. Damit wird der Juni zu einem weiteren Entscheidungsmonat für Volkswagen. Denn bis zum 21. Juni hat der Konzern Zeit, um mit der US-Regierung einen Kompromiss auszuhandeln. Davon hängt ab, wie hoch die Strafe für Verstöße gegen US-Umweltrecht ausfällt. Die Abgasmanipulation, von der weltweit rund elf Millionen Dieselautos betroffen sind, war im September in den USA aufgeflogen.

Von

rtr

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