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22.06.2017

06:03 Uhr

VW: Streik in der Slowakei

Böses Erwachen im Autoparadies

VonHans-Peter Siebenhaar

Tausende Volkswagen-Mitarbeiter in der Slowakei streiken für höhere Löhne. Der linkspopulistische Premier unterstützt sie dabei. Doch der Arbeitskampf bringt den für die Autobauer so attraktiven Standort in Gefahr.

Die Beschäftigten fordern eine Gehaltssteigerung von 16 Prozent. Imago

Proteste vor dem VW-Werk Bratislava

Die Beschäftigten fordern eine Gehaltssteigerung von 16 Prozent.

WienAm Rand von Bratislava steht der ganze industrielle Stolz der Slowakei: das Werk von Volkswagen. Es ist eine kleine Stadt innerhalb der Hauptstadt und Symbol des Autolandes Slowakei. Doch der Haussegen beim größten Arbeitgeber des osteuropäischen Landes hängt schief. Denn die Beschäftigten haben dort zum ersten Mal in der Geschichte von Volkswagen in der Slowakei die Arbeit niedergelegt.

Der Ausstand in Bratislava soll nach Gewerkschaftsangaben bis zum 3. Juli dauern. Dann beginnen die Werksferien. Am Mittwochnachmittag fanden Gespräche zwischen Management und Arbeitnehmervertretern statt. Der slowakische Premier Robert Fico sagte zu Beginn: „Ich begrüße eine schnelle Einigung.“

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Die VW-Beschäftigten in Bratislava fordern deutlich höhere Löhne. Sie verlangen eine Gehaltssteigerung von 16 Prozent. Volkswagen bot zuletzt 8,9 Prozent innerhalb eines Jahres und eine Einmalzahlung von 350 Euro sowie Boni.

Lange galt die Slowakei als Autoparadies. Niedrige Löhne, niedrige Steuern und eine Industriepolitik unter Regierungschef Robert Fico, die den Autokonzernen ihre Wünsche von den Lippen ablas. Doch der Standort entwickelt sich zum Albtraum für den Wolfsburger Autoriesen. Ausgerechnet der ansonsten so autofreundliche Premier stellt sich hinter den Arbeitskampf.

„Warum sollte ein Unternehmen, das die hochwertigsten und luxuriösesten Autos mit einer hohen Arbeitsproduktivität baut, seinen slowakischen Arbeitern die Hälfte oder ein Drittel dessen zahlen, was es den gleichen Mitarbeitern in Westeuropa zahlt?“, fragt der Linkspopulist und spricht damit offenbar vielen seiner Landsleute aus dem Herzen. Bratislava liegt mit dem Auto nur eine dreiviertel Stunde von Wien, wo Mitarbeiter für die gleiche Tätigkeit das Doppelte oder Dreifache erhalten. Das ist auch einer der Gründe, weshalb sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als zwei Drittel der Beschäftigten an dem Ausstand beteiligt haben.

Der Präsident des slowakischen Automobilverbandes (ZAP), Juraj Sinay, sorgt sich unterdessen um den Automobil- und Wirtschaftsstandort. „Die Slowakei galt bislang als stabiler Wirtschaftsstandort. Mit dem Streik werden die Unternehmen künftig sorgfältiger überlegen, ob sie weiter in die Slowakei investieren“, sagte Sinay dem Handelsblatt. In dem osteuropäischen Land hängen über 60.000 Arbeitsplätze direkt und indirekt an der Autoindustrie.

VW ist traditionell in der Slowakei ein begehrter Arbeitgeber. Denn die Wolfsburger zahlen weit über dem Durchschnitt. Mit einem Monatslohn von durchschnittlich 1804 Euro verdienten die VW-Mitarbeiter rund doppelt so viel wie ihre Kollegen in anderen Betrieben. Im ersten Quartal dieses Jahres lag der Durchschnittslohn nach Angaben der Statistikbehörde bei 897 Euro.

Kommentare (19)

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Herr Tom Müller

22.06.2017, 09:26 Uhr

Verstehen kann ich die Mitarbeiter in der Slowakei schon. Man muss jedoch auch mal die unterschiedlichen Unterhaltskosten betrachten.
1800€ Brutto in der Slowakei sind nicht mit 1800€ Brutto in Deutschland zu vergleichen.
Das Angebot einer Erhöhung von 8% sind generell schon ein faires Angebot.

Ich hoffe man kann sich schnell einigen, so dass beide Seiten ein gutes Ergebnis erzielen.

Herr Hans-Jörg Griesinger

22.06.2017, 09:36 Uhr

Ein DEUTSCHER Autobauer lässt in der Slovakei produzieren.
Das sind die negativen Seiten der Globalisierung und was hat nun der deutsche Arbeitnehmer davon, dem man seinen möglichen inländischen Arbeitsplatz in die Slovakei exportiert, weil die Arbeitskraft dort viel billiger einzukaufen ist.
Ein Grund mehr sich keinen Volkswagen mehr zu kaufen.
Ich habe keine Lust mehr, solche Unternehmen wie VW weitehin als Kunde zu unterstützen.

Herr J.-Fr. Pella

22.06.2017, 09:42 Uhr

@ Herr Griesinger

Wenn Sie ein r e i n e s deutsches Auto kaufen wollen, werden Sie es wohl selbst in Deutschland bauen müssen, einschl. den Kauf eines Stahl- und Kunststoffwerkes.

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