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02.08.2013

16:34 Uhr

VW-Tochter

Audi erwartet schrumpfende Rendite

Der Ausbau der Modellpalette kostet Audi viel Geld. Außerdem gibt es auf einigen wichtigen Märkten weniger Schwung. Die Rendite dürfte daher sinken, aber immer noch den Mutterkonzern VW erfreuen.

Ein Audi im Werk Ingolstadt: Die Modellpalette wird ausgebaut. dpa

Ein Audi im Werk Ingolstadt: Die Modellpalette wird ausgebaut.

MünchenAudi steuert wegen höherer Investitionen und der Rabattschlacht im laufenden Jahr auf einen Gewinnrückgang zu. Die Ausgaben für neue Werke, Modelle und Technologien stiegen in der zweiten Jahreshälfte an, sagte Finanzchef Axel Strotbek am Freitag in München. Der Preiskampf im krisengeschüttelten Europa gehe weiter. Bereits im ersten Halbjahr hatte der Autobauer einen Gewinnrückgang verbucht.

Eine konkrete Gewinnprognose wollte Finanzvorstand Strotbek nicht abgeben. "Wir investieren jetzt und ernten später." Audi bekräftigte, die Zahl der weltweit verkauften Fahrzeuge auf mehr als 1,5 Millionen zu steigern. Vertriebschef Luca de Meo kündigte zudem an, das Ziel, 2020 mehr als zwei Millionen Wagen abzusetzen, früher zu erreichen. Ob Audi dann in sieben Jahren Konkurrent BMW vom Premiumthron stoßen kann, ließ er offen.

Die Ingolstädter VW-Tochter bekräftigte ihr Ziel, im Gesamtjahr 2013 eine operative Marge "am oberen Ende des strategischen Zielkorridors von acht bis zehn Prozent" zu erreichen. Von Januar bis Ende Juni erzielte Audi eine Rendite von 10,5 Prozent - das ist weniger als vor Jahresfrist, aber mehr, als die Pkw-Sparten von BMW (9,8 Prozent) und Mercedes (4,9 Prozent) aufboten. Beim Umsatz rechnet Audi nach wie vor mit einem nur leichten Zuwachs im Jahr 2013. In den ersten sechs Monaten legten die Erlöse um 0,8 Prozent zu. Steigen Umsatz oder aber Rendite demnächst nicht signifikant, gibt es wenig Chancen, den Betriebsgewinn von 5,4 Milliarden Euro aus dem vergangenen Jahr auch 2013 zu halten.

Finanzvorstand Strotbek wollte sich dazu nicht äußern. Audi-Chef Rupert Stadler hatte Reuters bereits zum Jahreswechsel gesagt, er lege keine Hand dafür ins Feuer, dass das Ergebnis 2013 wachsen wird. Im ersten Halbjahr sackte der operative Gewinn um acht Prozent auf 2,6 Milliarden Euro ab. BMW verbuchte im selben Zeitraum in der Autosparte ebenfalls einen kräftigen Rückgang.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Beim geplanten Absatzzuwachs profitiert Audi wie die Oberklasse-Konkurrenz davon, dass die Geschäfte in den beiden weltgrößten Automärkten China und USA weiter gut laufen. In Europa dagegen, wo viele Pkw-Märkte am Boden liegen, tut sich Audi schwerer als die Rivalen. Weil die Premiumhersteller rund die Hälfte ihrer Fahrzeuge auf dem Heimatkontinent verkaufen, werden sie von der hiesigen Flaute ebenfalls getroffen.

Vertriebschef de Meo verwies darauf, dass Audi in der Vergangenheit schon zweimal wichtige Meilensteine beim Absatz früher als geplant erreicht habe. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Zwei-Millionen-Marke früher überspringen." Ob Audi dann BMW übertreffen wird - die Münchner wollen schon 2016 mehr als zwei Millionen Fahrzeuge verkaufen - ließen die Manager offen.

Finanzvorstand Strotbek sagte, das Absatzziel sei wichtig, aber nur einer von insgesamt vier Punkten, die sich Audi vorgenommen habe, um 2020 der beste Premiumhersteller zu sein. Dazu gehörten neben dem Volumen die operative Rendite, die Imageführerschaft und die Attraktivität als Arbeitgeber. Auch Mercedes plant, bis 2020 die - einst fast selbstverständlich eingenommene - Führungsposition im Oberklassesegment zurückzuerobern. Audi wollte BMW ursprünglich bis 2015 überholen, verschob dies dann aber um mindestens fünf Jahre nach hinten.

Konzernmutter VW gibt ihren Töchter gern das ehrgeizige Ziel vor, bester Anbieter im Wettbewerb zu werden. VW hatte er erst vor kurzem den Audi-Technikchef ausgetauscht, um die Marke voranzubringen. Der Lkw-Bauer MAN soll beispielsweise bis 2020 bester Lkw-Bauer werden, ist davon aber im Vergleich zu den Rivalen weit entfernt. Auch diese VW-Tochter ließ zuletzt offen, ob das Ziel in punkto Volumen und Rendite noch steht.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

02.08.2013, 12:32 Uhr

"Audi tut sich in Europa schwer."
Der hohe Premiumaufschlag des A1, A3 und Q3 dürfte da wohl eine Ursache sein.

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