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28.12.2015

16:04 Uhr

VW-Tochter

Audi fährt mit Investitionsplänen auf Sicht

Die Investitionsbereitschaft hat nach dem Abgasskandal auch bei der VW-Tochter Audi nachgelassen. Drei Milliarden Euro will der Konzern im kommenden Jahr ausgeben. Doch wie geht es danach weiter?

Die Investitionsbereitschaft bei Audi ist gedämpft. Die Wolfsburger wollen 2016 die Sachinvestitionen auf maximal rund zwölf Milliarden Euro senken – etwa eine Milliarde weniger als bisher im Schnitt pro Jahr geplant. obs

Audi

Die Investitionsbereitschaft bei Audi ist gedämpft. Die Wolfsburger wollen 2016 die Sachinvestitionen auf maximal rund zwölf Milliarden Euro senken – etwa eine Milliarde weniger als bisher im Schnitt pro Jahr geplant.

MünchenDer VW -Abgasskandal dämpft auch bei der Konzerntochter Audi die Investitionsbereitschaft. Der Oberklasse-Hersteller will zwar im kommenden Jahr mit mehr als drei Milliarden Euro annähernd so viel Geld in neue Modelle und Technologien stecken wie bereits früher angepeilt. Jedoch wollte sich Audi bei der Bekanntgabe seiner Pläne am Montag nicht mehr über den restlichen Zeitraum bis 2019 äußern, für den bisher ebenfalls jährliche Ausgaben von über drei Milliarden Euro eingeplant waren.

„Es ist klar, dass wir durch Zeiten der Unsicherheit und Volatilität gehen und uns darauf einstellen“, sagte ein Audi-Sprecher. Im Zuge des Skandals um manipulierte Abgaswerte hatte Volkswagen wegen der Kosten für die Umrüstung von elf Millionen Diesel-Fahrzeugen und drohender Milliardenstrafen bereits im November die Investitionen gekürzt.

Die Wolfsburger wollen 2016 die Sachinvestitionen auf maximal rund zwölf Milliarden Euro senken, etwa eine Milliarde weniger als bisher im Schnitt pro Jahr geplant.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Audi hatte vor einem Jahr noch Investitionen von 24 Milliarden Euro über fünf Jahre bis 2019 angekündigt. Davon waren als Sachinvestitionen 17 Milliarden Euro eingeplant, also durchschnittlich 3,4 Milliarden Euro im Jahr. Nun sollen es im kommenden Jahr 3,3 Milliarden Euro sein, sagte eine mit dem Vorhaben vertraute Person. Das Unternehmen äußerte sich vorsichtiger und sprach lediglich von „mehr als drei Milliarden Euro“. Für die Zeit nach 2016 will sich Audi jetzt nicht mehr festlegen.

Anders als bei der Veröffentlichung seiner Investitionspläne vor einem Jahr machte Audi deutlich, auf die Kosten zu achten, und schwieg auch über den Umfang der geplanten Neueinstellungen. „Wir wollen mit dem aktuellen Investitionsprogramm natürlich die starke Position unserer Marke ausbauen, dabei aber auch durch weitere Prozess- und Kostenoptimierung Spielraum gewinnen“, erklärte Finanzvorstand Axel Strotbek.

Der Bau eines neuen Windkanals werde um ein Jahr verschoben. Das Unternehmen sucht unverändert Spezialisten für alternative Antriebe, Leichtbau und IT, nannte diesmal aber keine Zahlen.

Von

rtr

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