Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.10.2012

10:36 Uhr

VW-Tochter

Audi verdient weniger pro Auto

Audi verkauft mehr Autos, erzielt aber weniger Gewinn pro Fahrzeug. So merkt auch der Premium-Hersteller etwas von der Absatzkrise in Europa. Doch die Rendite kann sich immer noch sehen lassen.

Modell im Audi TT RS Roadstar: Die Rendite pro Auto beim Oberklasse-Hersteller geht leicht zurück. AFP

Modell im Audi TT RS Roadstar: Die Rendite pro Auto beim Oberklasse-Hersteller geht leicht zurück.

IngolstadtDie Autokrise in Europa fordert auch vom erfolgsverwöhnten Premium-Hersteller Audi ihren Tribut. Im dritten Quartal blieb bei der Ingolstädter Volkswagen-Tochter pro verkauftem Fahrzeug weniger Gewinn hängen. Die operative Rendite sank auf 10,5 Prozent, wie Audi am Montag mitteilte. Vor Jahresfrist hatte der Konzern noch eine Marge von 13,1 Prozent eingefahren.

Wie viele Autobauer mit entsprechendem Angebot in der teuren Oberklasse profitiert Audi von guten Geschäften in den beiden weltgrößten Pkw-Märkten China und USA, wo prestigeträchtige Limousinen und Geländewagen nach wie vor gefragt sind. Rückgänge in Europa können so wettgemacht werden, während auf die Heimatregion konzentrierte Massenhersteller wie Fiat, PSA Peugeot Citroen oder Opel die Krise voll zu spüren bekommen.

Im dritten Quartal 2012 verkaufte Audi eigenen Angaben zufolge weltweit gut 364.000 Fahrzeuge, das sind knapp 14 Prozent mehr. Von Januar bis Ende September summierte sich der Absatz auf rund 1,1 Millionen Autos, was einem Plus von fast 13 Prozent entspricht.

Den teilweise deutlichen Markteinbrüchen in den schuldengeplagten Ländern Italien und Spanien habe man sich nicht komplett entziehen können, hieß es. Dafür seien in Großbritannien, Frankreich und Deutschland mehr Fahrzeuge verkauft worden.

Für das Gesamtjahr bekräftigte Finanzchef Axel Strotbek die Prognose, wonach Audi mehr als 1,4 Millionen Autos ausliefern, den Umsatz steigern und beim operativen Ergebnis das Niveau des Vorjahres halten will. "Nach drei Quartalen fahren wir weiter entschlossen auf unser Jahresziel zu", sagte er.

Die operative Rendite betrug in den ersten neun Monaten 11,2 (12,2) Prozent. Damit lag Audi weit vor Konkurrent Daimler mit 7,8 Prozent. Der Münchner Rivale BMW will seine Zahlen in der nächsten Woche vorlegen. Renditekönig ist Porsche mit 18,5 Prozent.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Bilanzer

21.12.2012, 17:40 Uhr

Die Rendite von Audi ist konzernintern m.E. erheblich "konstruiert" um das Premiumtöchterchen besonders schön aussehen zu lassen,da man im Konkurrenzvergleich bei keiner anderen Kennzahl sonst führt.

1. sind lt. Geschäftsbericht mögliche Gewinne des VW-Vertriebs Italien darin enthalten, 2. ebenso die Erträge aus der Millionen-Motorenproduktion für die Konzernschwestern. Jeder Eingeweihte weiß, dass interne Lieferantenbeziehungen nahezu beliebig abgerechnet werden können. Nur so ist zu verstehen, dass Audi mit rund 1,2 Mio. abgesetzter Autos (2011) nahezu so viel Gewinn ausgewiesen hat wie Rest-VW mit rund 7 Mio. Autos. Dabei ist der Modellmix von Audi nicht einmal besonders gut. Der rechnersiche Durchschnittspreis eines Audi ist, wie Untersuchungen ergaben, immer noch erheblich niederer als der eines Durchschnitts-BMWs oder -Mercedes. Der von Audi ausgewiesene Gewinn ist für mich daher Schall und Rauch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×