Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2013

14:36 Uhr

VW-Tochter Scania

Neue Abgasnorm sorgt für Lkw-Bestellboom

2014 tritt eine verschärfte Abgasnorm für Lastwagen in Kraft, die Fahrzeuge um 10.000 Euro teurer macht. Unternehmen stocken deswegen ihren Fuhrpark auf - und lassen den Umsatz von Lkw-Bauer Scania in die Höhe schießen.

Die Volkswagen-Tochter Scania berichtet als erstes Unternehmen der Branche in Europa über das abgelaufene Quartal. dpa

Die Volkswagen-Tochter Scania berichtet als erstes Unternehmen der Branche in Europa über das abgelaufene Quartal.

StockholmBeim schwedischen Lastwagenbauer Scania ist die übliche Sommerflaute ausgeblieben. Der Auftragseingang kletterte im dritten Quartal um 29 Prozent auf 21.809 Fahrzeuge und damit deutlich stärker als von Experten erwartet. Die Volkswagen-Tochter begründete dies mit einer verschärften Abgasnorm (Euro-6), die nächstes Jahr in Kraft tritt: Viele Kunden bestellten noch vorher Fahrzeuge, um ihre Flotten zu erneuern, da die derzeitigen Lkw pro Stück rund 10.000 Euro günstiger sind als die dann zulässigen. Die Branche macht sich schon länger auf diesen Vorzieheffekt gefasst. Scania hat deswegen bereits die Produktion hochgefahren.

Der Auftragseingang in Europa habe sich merklich verbessert, auch verglichen zum zweiten Jahresviertel, obwohl das dritte Quartal üblicherweise deutlich schwächer sei, teilte Scania mit. In Europa, wo Scania rund die Hälfte seiner Geschäfte macht, lag der Auftragseingang sogar um 84 Prozent über dem Vorjahr. Die Anleger zeigten sich erfreut: Die Aktie legte 1,2 Prozent zu.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Im neuen Jahr könnte Scania wie der gesamten Branche eine längere Durststrecke bevorstehen. Dann ist der Verkauf der alten Lkw der Abgasnorm Euro-5 definitiv beendet. Scania-Chef Martin Lundstedt sagte, die Euro-5-Lastwagen seien mehr oder weniger ausverkauft. Der Auftragseingang im vierten Quartal werde daher bereits aus Euro-6-Fahrzeugen bestehen. In Lateinamerika, wo staatliche Subventionen das Geschäft im vergangenen Jahr deutlich angeheizt hatten, ebbte der Boom weiter ab.

Insgesamt sorgte die Bestell-Boom bei Scania für einen Anstieg des Betriebsgewinns im Quartal um knapp fünf Prozent auf umgerechnet 224 Millionen Euro. Die Schweden sind die ersten der Branche in Europa, die über das abgelaufene Quartal berichten. Am Donnerstag folgt Branchenprimus Daimler, am Freitag der schwedische Rivale Volvo. Scanias Schwester im VW-Konzern, MAN, legt nächsten Dienstag ihre Bilanz vor.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×