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18.11.2014

09:45 Uhr

VW-Tochter

Seat zieht sich aus Russland zurück

Die spanische VW-Tochter Seat soll sich wegen schlechter Verkäufe aus Russland zurückziehen. Doch das wird kaum jemand bemerken: Auf dem Markt spielten die Spanier bislang ohnehin keine Rolle.

Adios Roter, die Volkswagen-Tochter Seat zieht sich aus dem russischen Markt zurück. AP/dpa

Adios Roter, die Volkswagen-Tochter Seat zieht sich aus dem russischen Markt zurück.

MoskauDie Volkswagen-Tochter Seat wird Russland einem Zeitungsbericht zufolge im Januar den Rücken kehren. „Seat wird seine Verkäufe in Russland ab 1. Januar 2015 einstellen“, zitierte die Wirtschaftszeitung „Kommersant“ am Montag Unternehmenskreise. Mittlerweile hat ein Unternehmenssprecher den Bericht bestätigt. Grund sei die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes, vor allem der Fall der Landeswährung Rubel. Er hat seit Beginn des Jahres ein Viertel seines Wertes eingebüßt.

Die Autoverkäufe in Russland waren zuletzt eingebrochen. Seat leidet unter der Marktschwäche. Die Verkäufe von Januar bis Oktober waren zuletzt um 57 Prozent auf 1.357 Fahrzeuge abgestürzt. Im Oktober verkauften die Spanier in Russland gerade einmal 78 Fahrzeuge. Damit kommen sie auf einen Marktanteil von 0,037 Prozent. Selbst unbekannte Marken wie Acura, Changan und Haima verkaufen in Russland mehr Autos.

Die größten Automarken in Russland

Platz 10

Platz 10 - BMW - 6.095 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Nobelmarken laufen in Russland immer noch. Darum kann BMW mit einem Plus von drei Prozent in die Top Ten aufsteigen.

Quelle: AEB ACM

Platz 9

Mercedes-Benz - 7.326 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Noch besser sieht es für Daimler aus. Für die Schwaben legten die Verkäufe in Russland sogar um 18 Prozent zu. Eine Nobelkarosse ist für die Russen ein gute Versicherung gegen Währungsturbulenzen.

Platz 8

Skoda - 10.743 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die tschechische VW-Tochter baut ihre Fahrzeuge in den russischen Werken in Kaluga und Nischni Nowgorod. Bestseller ist der Octavia.

Platz 7

Volkswagen - 11.969 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch VW-Chef Winterkorn sieht die Lage in Russland sehr kritisch. Die Verkäufe der Wolfsburger in Russland sind um satte 40 Prozent eingebrochen.

Platz 6

Toyota - 14.292 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Japaner bleiben in Russland ambitioniert. Auch wenn der Absatz um 29 Prozent eingebrochen ist, will der Weltmarktführer weiter schwarze Zahlen schreiben und Marktanteile gewinnen.

Platz 5

Renault - 17.909 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Franzosen profitieren von ihrem hohen Anteil lokaler Produktion. Dem Abwärtstrend des Markten können sie sich trotzdem nicht entziehen. Die Verkäufe brachen um satte 40 Prozent ein.

Platz 4

Nissan - 18.548 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch der japanische Partner von Renault hat mit Problemen zu kämpfen. Weil der Absatz um 34 Prozent eingebrochen ist, wurde nun auch die Produktion in einigen russischen Werken vorübergehend gestoppt.

Platz 3

Kia - 23.909 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Koreaner fahren in Russland gerade die Strategie "Augen zu und durch". Trotz Verlusten halten sie die Preise stabil. Darum fällt das Minus mit zwei Prozent sehr klein aus.

Platz 2

Hyundai - 25.940 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch die Schwestermarke finanziert das Wachstum in Russland aus der Kriegskasse. Für Hyundai geht es gegen den Markttrend sogar um vier Prozent aufwärts.

Platz 1

Lada - 41.131 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auf dem Heimatmarkt profitieren die Russen zwar von einer Abwrackprämie. Doch auch der Marktführer bekommt das raue Klima des Marktes zu spüren. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Absatz um ein Viertel eingebrochen.

Es ist das traurige Ende eine Expansion, die der damalige Seat-Chef James Muir im Januar 2011 eingeleitet hatte. Im darauffolgenden Jahr hatte Seat die Zahl seiner russischen Handelsstützpunkte mehr als verdoppelt und die im Land angebotene Produktpalette erweitert. Dennoch blieb die Präsenz der Marke in Russland gering. Produziert wurden die Modelle von Seat ohnehin nie in Russland. Für die Kapazitätsauslastung spielt der Rückzug daher keine Rolle.

Und auch für die Strategie des VW-Konzerns in Russland ist Seat irrelevant. Den Löwenanteil der Verkäufe machen die Kernmarke VW (103.000 verkaufte Fahrzeuge von Januar bis Oktober) und die tschechische Tochter Skoda (70.619 verkaufte Fahrzeuge) aus. Während die Kernmarke im Jahresverlauf rund 21 Prozent weniger Fahrzeuge verkaufen, können sich vor allem die Tschechen im Markt behaupten. Sie konnten im abgelaufenen Monat gegen den Markttrend um fünf Prozent zulegen.

Obwohl Seat im vergangenen Jahr mit knapp 6,5 Milliarden Euro die höchsten Umsatzerlöse der Unternehmensgeschichte erzielte, bleibt die Tochter für den VW-Konzern ein Sorgenkind. Die Nettoverluste nämlich kletterten von rund 30 Millionen auf 149 Millionen Euro.

Von

bay

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