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24.06.2015

16:33 Uhr

VW und Daimler

Truck-Chefs wahren Sicherheitsabstand

VonChristian Schnell

Lange Jahre arbeiteten sie für denselben Konzern. Seit Februar steht Daimlers einstiger Truck-Chef Andreas Renschler aber in Diensten von Volkswagen. Jetzt traf er erstmals öffentlich seinen Nachfolger Wolfgang Bernhard.

Daimlers Truck-Chef blickt in die Zukunft. dpa

Wolfgang Bernhard

Daimlers Truck-Chef blickt in die Zukunft.

BerlinDie Begrüßung war routiniert und ganz offensichtlich herzlich. Auch wenn sich mittlerweile hier zwei Konkurrenten gegenüberstehen. Volkswagens neue Truck-Chef Andreas Renschler und Wolfgang Bernhard, sein Gegenüber bei Daimler, sind zu lange im Geschäft, als dass ihnen anzusehen wäre, dass hier die Nummer eins und zwei in Europa aufeinandertreffen. Sicherheitshalber hatten die Initiatoren des Branchenverbandes VDA dann aber für ihr Symposium doch ihren Präsidenten Matthias Wissmann zwischen den beiden positioniert. Allzu viel Nähe sollte hier dann doch nicht aufkommen.

Renschler, der jahrzehntelang in Diensten der Stuttgarter stand, hat dabei den ungleich schwereren Stand. Die beiden ungleichen Töchter MAN und Scania muss er zusammenbringen. Erstere schaffte im Auftaktquartal eine magere Marge von einem Prozent, der zweite dagegen fast zehn. Da ist offenkundig, wo Nachholbedarf ist.

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Volkswagen will die Kosten beim Lastwagenbauer MAN bis 2017 um 850 Millionen Euro senken. 1.800 Arbeitsplätze fallen daher weg. Betroffen sind alle deutschen Werke – ein Standort aber besonders.

Ob er eine Empfehlung für Renschler habe, wurde Bernhard gefragt. „Wenn ich die hätte, würde ich sie ihm persönlich geben“, wiegelte der ab. Wohl wissend, dass seine Aussagen zu Volkswagen dort noch immer kritisch beäugt werden. War doch Bernhard im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls in Wolfsburg tätig, hatte sich dort mit allzu forschen Maßnahmen aber keine Freunde gemacht und kehrte nach einigen Jahren reumütig zu Daimler zurück. Sein dortiger Führungsansatz ließ sich doch nicht so einfach auf die Wolfsburger Welt übertragen.

Renschler weiß, dass er wegen seiner ebenfalls Stuttgarter Vergangenheit nun gerade deswegen unter besonderer Beobachtung steht. Er tritt mit wenigen Ausnahmen deswegen auch nicht nach außen auf und versucht im Inneren die Strippen zu ziehen. Ein Zusammentreffen von Renschler und Bernhard auf einer Bühne ist so Premiere und Neuanfang zugleich.

Das sind die größten Lkw-Märkte

Platz 10

Osteuropa - 48.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014*

Die Transportbranche in Osteuropa gilt als großer Hoffnungsträger für die Branche - und ist nach Ansicht der Unternehmensberater von Deloitte einer der dynamischsten Märkte weltweit. Die Verkäufe soll jährlich um zehn Prozent anziehen.

*Quelle: Deloitte Truck-Studie

Platz 9

Mittelamerika - 65.500 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die Nähe zu den USA lässt die Industrie florieren, die Nachfrage nach Transportdienstleistungen steigt - und damit auch die Lkw-Verkäufe. Bis 2024 soll der Absatz jährlich um fünf Prozent zulegen.

Platz 8

Japan - 77.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Auf den japanischen Straßen ist der Platz begrenzt, gefragt sind darum vor allem mittelgroße Lkw. Allerdings dürfte sich das Wachstum in Grenzen halten. Prognostiziert wird ein Marktzuwachs von jährlich einem Prozent.

Platz 7

Russland - 116.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der russische Markt hat viel Potential, obwohl in Russland viele Güter über die Schiene transportiert werden. Die aktuelle politische Lage verhagelt die Bilanz. Mittelfristig sieht die Perspektive besser aus.

Platz 6

Brasilien - 164.700 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die größte Volkswirtschaft Südamerikas hat viel Dynamik eingebüßt. Auch für den Lkw-Absatz sind die Prognosen mau. Der Markt soll bis 2024 jedes Jahr um etwa ein Prozent zulegen.

Platz 5

Südostasien - 168.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Thailand, Malaysia und Indonesien gelten als Wirtschaftsnationen mit Potential. Und auch die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen legt jährlich um fünf Prozent zu.

Platz 4

Indien - 237.300 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch fristet der indische Lkw-Markt ein Schattendasein. Doch die Potentiale sind gigantisch. Im Jahr 2024, so prognostiziert es die Unternehmensberatung Deloitte, sollen dort 544.400 Lkw verkauft werden. Das jährliche Wachstum beträgt neun Prozent.

Platz 3

EU - 297.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch landet aber Europa, der Heimatmarkt von Daimler, MAN/Scania und Volvo, auf dem dritten Rang. Mit einem jährlichen Wachstum von vier Prozent bis 2024 ist die Entwicklung durchaus positiv.

Platz 2

USA - 377.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Bis auf Daimler tun sich die europäischen Hersteller noch schwer auf dem US-Markt. Nach Jahren der Konsolidierung sind dort deutlich weniger Wettbewerber im Markt.

Platz 1

China - 985.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der größte Lkw-Markt der Welt wird regiert durch die lokalen Hersteller. Die schiere Menge an verkauften Lkw kaschiert, dass es sich dabei vor allem um kleine, günstige Modelle handelt. Auch die Wachstumsprognosen sind nach Ansicht von Deloitte eher bescheiden. Sie gehen von einem jährlichen Wachstum von einem Prozent aus.

Scania, MAN oder gar deren neues Miteinander sollen bei diesem Symposium auch gar nicht das Thema sein. Klimaschutz, Fahrzeugphysik und Transportlösungen stehen im Mittelpunkt. Renschler will sie dafür alle zusammenbringen, die Politik, die Spediteure und die Zulieferer bis hin zu den Reifenbauern, deren Produkte künftig weniger Rollwiderstand bieten müssen. „Entschlossene Politiker und innovative Unternehmen sind der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft“, so sein Credo.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.06.2015, 18:06 Uhr

Da kann Renschler sich bei Berhard informieren ... wie schnell man bei VW fliegt.
Bernhard überlebte immerhin ein Jahr im VW Konzern. Da ist die Messlatte für Renschler sehr hoch.
Gönnt dem VW Konzernvorstand eine Verjüngungskur ... alles über 60 muss weg.

Herr Wolfgang Trantow

24.06.2015, 19:27 Uhr

Berufsbildänderung: In der Aufzählung fehlt unbezahlter Lagerarbeiter, Entlader, Belader usw..

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