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31.05.2016

12:56 Uhr

VW und das erste Quartal

Hoffnungsschimmer, mehr aber nicht

VonStefan Menzel

Die Konzernoberen von VW können sich über schwarze Zahlen freuen. Doch der Schein trügt: Denn über den Berg sind die Wolfsburger damit lange nicht. Zu groß sind die Unsicherheiten aus der Diesel-Affäre. Ein Kommentar.

Abgas-Skandal und Co.

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Volkswagen darf wieder hoffen. In der Bilanz für 2015 stehen noch miserable Zahlen, die Diesel-Affäre hat dem Wolfsburger Autokonzern den größten Verlust in der Konzerngeschichte beschert. Doch es bewegt sich etwas bei VW, die am Dienstag veröffentlichen Zahlen für das erste Quartal des neuen Jahres geben dem angeschlagenen Unternehmen immerhin die Chance zum Durchatmen.

Der VW-Konzern schreibt zum Jahresauftakt wieder schwarz. Das ist erst einmal keine Überraschung. Denn die gewaltigen Rückstellungen für die Diesel-Affäre, die bei Volkswagen Ende vergangenen Jahres für die riesigen Verluste gesorgt hatten, die gibt es jetzt nicht. Die Wolfsburger können für die ersten drei Monate von 2016 also vergleichsweise normale Zahlen ohne negative Sondereffekte ausweisen.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Positiv zeigt sich daran, dass der große dauerhafte Absturz ausgeblieben ist. Die Kunden haben sich nicht in großen Scharen vom Wolfsburger Konzern abgewendet, sondern kaufen weiterhin ihre Autos.

Danach muss das Urteil für die einzelnen Konzernmarken allerdings differenziert ausfallen. Volkswagen hat es zumindest geschafft, dass die extrem wichtigen Premiummarken Audi und Porsche ziemlich unbeschadet aus der Diesel-Affäre herausgekommen sind. Ohne die Töchter aus Ingolstadt und Stuttgart würde es heute gewaltige Probleme im Konzern geben. Porsche und Audi liefern das Geld, das in Wolfsburg so dringend gebraucht wird.

Denn auch wenn das gesamte Unternehmen jetzt wieder vergleichsweise ordentlich verdient: Das große Problem bleibt die Konzernmarke VW. Dort hat die Diesel-Affäre doch den einen oder anderen Schatten hinterlassen. Das operative Ergebnis für VW liegt im ersten Quartal bei enttäuschenden 73 Millionen Euro, vor einem Jahr und damit vor dem Dieselgate waren es immerhin noch 514 Millionen Euro.

Volkswagen-Quartal: VW streicht Dieselgate aus der Bilanz

Volkswagen-Quartal

VW streicht Dieselgate aus der Bilanz

Im ersten Quartal laufen die Geschäfte für Volkswagen besser. Es gibt keine Rückstellungen mehr für die Diesel-Affäre. Allein schon deshalb gibt es in Wolfsburg wieder schwarze Zahlen.

Der Konzern muss offensichtlich nachhelfen, damit ein VW Golf, Polo oder Tiguan noch ausreichend Käufer finden. Üblicherweise gelingt so etwas mit Rabatten und anderen Preisnachlässen. Aus der Bilanz für das erste Quartal lässt sich ablesen, dass genau das bei VW passiert: Diese Vertriebskosten betrugen von Januar bis März gut 5,1 Milliarden Euro, fast 130 Millionen Euro mehr als vor einem Jahr.

Volkswagen ist definitiv nicht über den Berg, die Diesel-Affäre lässt sich nicht zu den Akten legen. Die Probleme bei der Konzernmarke VW sind ein klarer Hinweis darauf, dass in Wolfsburg noch eine ganze Menge zu tun.

Außerdem müssen die VW-Oberen hoffen, dass die unmittelbaren Kosten zur Bewältigung der Diesel-Affäre kein zweites Mal explodieren. Gut 16 Milliarden Euro sind bislang dafür zurückgestellt worden, viele weitere Milliarden sollten nicht dazukommen.

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