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09.06.2016

11:23 Uhr

VW und der Abgas-Skandal

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Datenlöschung

Ein VW-Mitarbeiter soll vor Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen Kollegen aufgefordert haben, Dokumente und Daten zu löschen. Laut Staatsanwaltschaft Braunschweig wurde dem auch nachgekommen. Jetzt wird ermittelt.

Wichtige Daten verschwunden

VW-Skandal: Es ist noch nicht vorbei

Wichtige Daten verschwunden: VW-Skandal: Es ist noch nicht vorbei

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Braunschweig/WolfsburgDie Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter von Volkswagen wegen des Löschens von wichtigen Daten im Abgasskandal bestätigt. „Es gibt ein Verfahren gegen einen Mitarbeiter von VW, der im August 2015 verklausuliert Hinweise darauf gegeben haben soll, dass Mitarbeiter die Daten, was die Dieselproblematik angeht, löschen oder zumindest entfernen sollen“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Klaus Ziehe, am Donnerstag. Er bestätigte damit einen Bericht von NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“.

Wie sich aus den Ermittlungen ergebe, sei diese Aufforderung teilweise befolgt worden. Es gebe daher einen Anfangsverdacht der versuchten Strafvereitelung und der Urkundenunterdrückung.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Nach dem Bericht von NDR, WDR und „SZ“ handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen hochrangigen VW-Juristen, der mit Rechtsfragen der Produktsicherheit in den USA befasst war. Die Aufforderung zur Aktenbeseitigung soll etwa eine Woche gegolten haben. Dann sei von der VW-Rechtsabteilung des Unternehmens ein „litigation hold“ verschickt worden, eine Aufforderung nach US-Recht, Daten für einen eventuellen Prozess zu sichern. Anfang September wurden die US-Behörden dann über den Betrug informiert. Ein Konzernsprecher sagte auf Anfrage von Reuters, man äußere sich nicht zu laufenden Ermittlungen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der jetzt Beschuldigte die Datenlöschung im August 2015 veranlasst haben, also kurz vor Bekanntwerden der Manipulation von Dieselabgaswerten in den USA. Daten wurden nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen zum Teil auf Speichersticks ausgelagert, wie Ziehe weiter erklärte. Die Sticks seien inzwischen mindestens zum Teil wieder zurückgegeben worden. „Wir gehen bislang von keinem größeren Datenverlust aus, der die Ermittlungen maßgeblich behindern oder verzögern könnte“, ergänzte er. Deswegen werde auch nur wegen versuchter Strafvereitelung ermittelt.

Die Ermittlungen waren laut Aufsichtsrat Olaf Lies bereits Thema im Kontrollgremium von Volkswagen. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, sagte der niedersächsische SPD-Wirtschaftsminister am Donnerstag im Landtag in Hannover.

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