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23.11.2015

23:34 Uhr

VW und Dieselgate

Auch Audi setzt auf Schummel-Software

Der Skandal um die Manipulation von Abgas-Werten weitet sich immer weiter aus: Am Montagabend hat auch die VW-Tochter Audi die Installation einer Software zugegeben, die von den US-Behörden als illegal angesehen wird.

Dieselgate weitet sich aus

VW-Tochter: Auch Audi gibt zu, verbotene Software benutzt zu haben

Dieselgate weitet sich aus: VW-Tochter: Auch Audi gibt zu, verbotene Software benutzt zu haben

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IngolstadtDer Autobauer Audi hat im Abgas-Skandal der Konzernmutter Volkswagen die Installation einer Software zugegeben, die in den USA als illegales Schummelprogramm gilt. Das Unternehmen teilte am Montagabend mit, den US-Behörden bei der Zulassung von 3,0-Liter-Diesel-Autos insgesamt drei Software-Programme nicht offengelegt zu haben.

Eines davon werde nach geltender US-Gesetzgebung als „Defeat Device“ betrachtet. Als Defeat Device bezeichnen die US-Umweltbehörden EPA und Carb verbotene Programme zur Manipulation von Abgas-Messwerten bei Emissionstests.

Betroffen sind insgesamt 85.000 Autos der Marken Audi, Porsche und VW aus den Modelljahren 2009 bis 2015. Audi hatte den Motor entwickelt und in den USA in den Modellen A6, A7, A8, Q5 und Q7 eingebaut. Volkswagen setzt den Motor im Touareg und Porsche seit dem Modelljahr 2013 im Cayenne ein. „Alle betroffenen Modelle sind technisch sicher und fahrbereit“, betonte Audi in einer Stellungnahme. Der Verkauf dieser Modelle wurde bereits gestoppt, daran werde sich auch „bis auf weiteres“ nichts ändern, hieß es.

Audi will nun die Software „überarbeiten, detailliert dokumentieren und in den USA neu zur Genehmigung vorlegen“, teilte der Autobauer mit. Das werde einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

VW-Abgasskandal: Aufwand für Nachrüstung laut Müller „überschaubar“

VW-Abgasskandal

Aufwand für Nachrüstung laut Müller „überschaubar“

VW soll technische Lösungen für 90 Prozent der manipulierten Autos gefunden haben. Der Aufwand sei überschaubar, so Vorstandschef Müller. Bald will er einen Zwischenbericht zur Aufarbeitung des Abgasskandals vorlegen.

Das Eingeständnis ist eine bemerkenswerte Kehrtwende im Emissionsskandal. EPA und Carb hatten dem VW-Konzern Anfang November vorgeworfen, auch in einigen Drei-Liter-Fahrzeugen Defeat Devices eingebaut zu haben. Zunächst bestritt der Autobauer die neuen Vorwürfe. Das Dementi wurde laut Konzernkreisen vom Vorstand besiegelt. Das war ein Fehler, wie sich nun heraus stellt.

Mitte September hatte der VW-Konzern eingeräumt, bei Zwei-Liter-Motoren gezielt getrickst zu haben. Das betrifft 482.000 Fahrzeuge in den USA.

Erst am Freitag hatten sich die Regulierer dann mit weiteren Vorwürfen an den Autokonzern gewandt. Die verdächtige Software sei nicht nur – wie bis dahin angenommen – in den Drei-Liter-Motoren der Modelljahre 2014 bis 2016. Die Software sei bereits von 2009 an eingebaut worden, teilten die Behörden mit und kündigten weitere Untersuchungen an.

CO2-Schummeleien bei VW: Wer prüfte wen?

VW

TÜV Nord GmbH, Deutschland

Porsche

TÜV Nord GmbH, Deutschland (Abgas) und Luxemburg (Gesamtfahrzeug)

Audi

ATE EL s.a.r.l., Luxemburg

Seat

INTA, Madrid und IDIADA, Madrid, Spanien

Skoda

TÜV Süd Autoservice GmbH und Vehicle Certification Agency, Bristol, Großbritannien

„Die Behörden bestehen weiterhin darauf, dass VW und Audi so schnell wie möglich eine effektive und angemessene Lösung entwickelt, die für die Autobesitzer nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden ist“, sagte eine EPA-Sprecherin. Potenzielle Strafen und Entschädigungen würde die Behörde im Rahmen der Ermittlungen mit dem US-Justizministerium ermitteln, hieß es.

Carb-Chefin Mary Nichols pochte vergangene Woche im Interview mit dem Handelsblatt darauf, dass die Wolfsburger auch Schritte einleiten müssen, um die Umweltschäden durch die zusätzlichen Emissionen zu kompensieren.

Unterdessen kommt VW in Europa bei der Bewältigung des Skandals voran. Für mehr als 90 Prozent der betroffenen Konzernfahrzeuge in Europa seien inzwischen Lösungen bestätigt, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Montag in Wolfsburg vor rund 1000 Führungskräften. Dabei sei der Aufwand für die Nachrüstung „technisch, handwerklich und finanziell überschaubar“.

Bei Autos mit 1,6-Liter-Motoren sind demnach laut Müller keine „grundlegenden Eingriffe“ am Motor notwendig - wie VW zunächst angenommen habe. Für die Autos seien neben einem Software-Update zwar auch Hardware-Maßnahmen erforderlich. Dabei gehe es aber um „relativ einfache Veränderungen“ am Luftgitter beziehungsweise an der Luftfilterkassette, sagte Müller in der Rede.

Bei den anderen Motorvarianten, denen mit 1,2- und Zwei-Liter-Hubraum, reicht nach VW-Angaben ein Update der Abgas-Software. Für Autos mit Zwei-Litern-Hubraum hatte VW dies bereits mitgeteilt. Für Fahrzeuge mit 1,2-Liter-Motoren soll VW bis Ende November Lösungen vorschlagen. Auch hier genüge aber voraussichtlich ein Softwareupdate, hieß es.

In ganz Europa müssen 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Nach früheren dpa-Informationen sind europaweit rund drei Millionen Fahrzeuge mit dem 1,6-Liter-Diesel unterwegs. Die größere Variante mit 2,0-Litern-Hubraum kommt auf etwa 4,6 Millionen Fahrzeuge, 340.000 haben den kleinen Motor mit 1,2 Litern. Zusätzlich zu diesen insgesamt rund acht Millionen Wagen mit Euro-5-Norm ruft VW freiwillig 500.000 Diesel zurück, die nur die Normen Euro 3 und Euro 4 erfüllen.

In Deutschland muss VW wegen des Abgas-Skandals insgesamt 2,4 Millionen Wagen in die Werkstätten rufen. Die Aktion soll Anfang 2016 beginnen. Es geht um verschiedene Motoren- und Fahrzeugmodelle.

Bei der Abgas-Software geht es um Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Außerdem aber hatte VW bei 800.000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht. Konzernchef Müller kündigte an, Mitte Dezember einen Zwischenbericht zum Skandal vorlegen zu wollen.

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Kommentare (23)

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Account gelöscht!

24.11.2015, 07:48 Uhr

Und die Vernichtung der deutschen Autoindustrie wird von unseren Medien und unserer Politik weiter vorangetrieben. Nach VW kommt jetzt eine deutsche Automarke nach der anderen an den CO2-Abgaspranger.
Die Lügenmärchen von der menschengemachten CO2 Klimaerwärmung ist das blutige Werkzeug einer Grün-Sozialistischen Ideologie, die unsere Wohlstands- und Industrie- wie auch Sozialgesellschaft in das CO2 freie Mittelalter zurückdiktieren will.
Energieeinsparzwang, CO2 Verbot, EEG, Energiewende....all dies sind die politischen Werkzeuge (Gesetze und Verordnung) die gegen die freie Marktwirtschaft und damit gegen die Freiheit der Gesellschaft gerichtet ist. Die Freiheit über freies Angebot und Nachfrage SELBST zu BESTIMMEN und sich nicht von einer ideologischen Politik/Gesetzesmacher vorschreiben zu lassen, was Gut oder Schlecht für unsere Freiheit und unseren Wohlstand ist.
Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge (Energie wenden zu können), dann der Betrug / Selbstbetrug (marktfeindliches EEG/CO2 Verbot) danach der Mangel (Energie/CO Einsparzwang) und zum Schluss die Armut (unbezahlbare Strompreise und eine Industrie, Unternehmensfreie, weil CO2 freie Gesellschaft).

Frau Monika Forro

24.11.2015, 08:11 Uhr

Der Bundesverkehrsminister und das KB lassen sich von VW ein ums andere Mal vorführen. Oder sieht die Realität so aus, dass DOBRINDT Audi und einen weiteren Automobilhersteller aus Bayern protegiert.
Immer neue Betrugsfälle bei VW lassen mittlerweile die Zerschlagung von VW inkl. sämtlicher Töchter in ein neues Licht rücken. Mittlerweile verstrickt sich auch der neue Vorstand wie man der Presse entnehmen kann. Transparenz gegenüber Betrugsopfern und Behörden sieht anders aus. DOBRINDT erfährt vermutlich seine Neuigkeitenebenso wie Millionen betroffener Autobesitzer aus den Medien.

De facto verletzt er letztlich seine Pflicht, den Betrug unabhängig der Strafverfolgungsbehörden aufzuklären. Im KBA herrscht wohl Chaos, dies kann nur möglich sein, weil mit DOBRINDT doch eher mit allem überfordert zu sein scheint. Er hat längst den Überblick seiner zahlreichen erfolglosen Projekte und Baustellen verloren. Jahrelanges Dampfgeplaudere gepaart mit Populismus hat zusätzliche Spuren hinterlassen. Am Ende wussten alle bei seinem Amtsantritt, dass er nur für die Realisierung Seehofers Mautprojekt angetreten ist. Auch damit ist er krachend gescheitert.

Auf DOBRINDTs Konto geht, dass is heute kein einzigs Betrugopfer von VW proaktv angeschrieben wurde. Wozu braucht Deutschland diesen Bundesverkehrsminister überhaupt? Schadet er nicht mehr? Er sollte sich mal an den USA orientieren, da kann er noch einiges lernen.

Herr Wolfgang Wüst

24.11.2015, 08:25 Uhr

Hier wird eines unterschlagen: VOLKSWAGEN ist ein Staatsunternehmen. 25% gehören dem Land Niedersachsen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ich frage mich seit langem, wie es VW schafft, dass flächendeckend medial der Begriff SCHUMMEL-Software benutzt wird. Es handelt sich hierbei keineswegs um Schummelei, sondern um handfesten BETRUG. Warum nennt das kein Medium so? Ist das die Angst vor der Marktmacht als Anzeigekunde?! Auch diese Frage möge sich jeder selbst beantworten.

Die Marktmacht von Unternehmen gehört zwar nicht eingeschränkt, aber staatlicherseits rigoros kontrolliert. Dazu ist es zwingend notwendig, dass der Staat keine eigenen Anteile an Unternehmen hält, die er zu kontrollieren hat.

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