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28.09.2015

10:42 Uhr

VW und Dieselgate

Volkswagen suspendiert weitere Top-Manager

Volkswagen hat weitere Konsequenzen aus dem Dieselskandal gezogen: Laut einem Agenturbericht wurden die Entwicklungschefs der Marken Audi, VW und Porsche beurlaubt. Einer der Manager wehrt sich aber offenbar dagegen.

Der Vorstand für technische Entwicklung bei Audi wehrt sich angeblich gegen seine Suspendierung. dpa

Ulrich Hackenberg

Der Vorstand für technische Entwicklung bei Audi wehrt sich angeblich gegen seine Suspendierung.

Berlin/HamburgIm Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen sind Konzernkreisen zufolge drei weitere Vorstände beurlaubt worden. Die Entwicklungschefs der Marken Audi, VW Pkw und Porsche, Ulrich Hackenberg, Heinz-Jakob Neußer und Wolfgang Hatz seien von ihren Aufgaben entbunden worden, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Die Manager übernahmen damit die technische Verantwortung für die Abgas-Affäre. Reuters hatte bereits vergangene Woche über den bevorstehenden Abgang der Manager berichtet.

Am vergangenen Mittwoch war Konzernchef Martin Winterkorn zurückgetreten. Er hatte damit die politische Verantwortung für den Skandal übernommen, der den Ruf des weltweit größten Autobauers ramponiert hat. Als seinen Nachfolger bestimmte der Aufsichtsrat den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller. Er soll die Aufklärung vorantreiben und verlorenes Vertrauen für Volkswagen zurückgewinnen.

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Als neuer König in Wolfsburg verfügt Müller über alle Insignien der Macht. Doch seine Spielräume sind begrenzt. Gewerkschaften, Politik und eine Hundertschaft an Ermittlern in Deutschland und den USA setzen ihm enge Grenzen.

Einem Insider zufolge wehrt sich Hackenberg gegen seine Suspendierung. Der Manager war 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi nach Wolfsburg gewechselt. Er gilt als Erfinder des Baukastensystems, das Volkswagen derzeit bei immer mehr Marken einführt. Später kehrte Hackenberg nach Ingolstadt zurück, um Audi mit neuen Elektroautos auf die Sprünge zu helfen. Weder Audi noch VW und Porsche wollten sich zu der Beurlaubung der drei Entwicklungschefs äußern.

Volkswagen hatte zugegeben, Abgaswerte in den USA mit einer verbotenen Software manipuliert zu haben. Weltweit sollen bis zu elf Millionen Fahrzeuge mit dieser Software ausgestattet sein. Die VW-Aktie hatte daraufhin massiv an Wert verloren. Zeitweise büßte der Wolfsburger Konzern fast ein Viertel seines Börsenwerts ein.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Volkswagen drohen zahlreiche Schadensersatzklagen. In den USA ist eine erste Klage von Aktionären anhängig. Ein Pensionsfonds aus Michigan habe diese wohl erste Aktionärsklage auf den Weg gebracht. ADR-Investoren hätten durch die Abgasaffäre Hunderte Millionen Dollar verloren, so der Klagevorwurf. Seit Bekanntwerden des Skandals vor anderthalb Wochen hätten die ADR, ähnlich wie die Aktie, fast ein Drittel an Wert verloren. Der Fonds will laut Medienberichten auch andere Aktionäre vertreten und sucht nach Unterstützern.

VW drohen in den USA zudem milliardenschwere Strafzahlungen. In mehreren Bundesländern wurden bereits zahlreiche Klagen eingereicht. Die Anwälte argumentieren damit, dass VW die Kunden getäuscht habe. Diese hätten mehr gezahlt, um vermeintlich umweltfreundliche Autos zu fahren.

Von

rtr

Kommentare (30)

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Herr Harald Meier

28.09.2015, 11:56 Uhr

Saß am Freitag nicht der Winterkorn zur Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft?
Ach ne, das war der andere - der Blatter Sepp.
Aber kommt noch!

Herr Renatus Isenberg

28.09.2015, 12:01 Uhr

Hatte Obama nicht kürzlich über den Flüchtlingsstrom aus Nahost gesagt: "Europa schafft das schon"?
Sind die Schweizer Banken nicht mit Klagen aus den USA überzogen worden? Sind europäische Automarken nicht die ärgsten Konkurrenten amerikanischer Marken auf den grössten Märkten China und USA?
Der Flüchtlingsstrom wurde hauptsächlich von den USA verursacht, die dafür nicht zahlen wollen. Der angebliche Abgasskandal ist lächerlich, weil Amerikaner erstens sich um Umwelt überhaupt nicht kümmern. Zweitens die beliebten amerikanischen schweren und gross motorisierten PKWs / Pickups ein mehrfaches an Abgas produzieren als ein - unter allen Umständen - vergleichbarer Schadstoff Ausstoss eines sparsamen deutschen Diesels.
Die Amerikaner brauchen Geld. Die weltweiten US "Kontrollgänge" von Militär und Politik sind teuer, der Dollar ist kein staatliches Zahlungsmittel, das irgendeine Deckung hätte, sondern ist Papier einer privaten hoch-profitablen Geldausgabe Anstalt(FED), für das der US Bürger hart arbeiten muss und wenig Realwert bekommt. Da muss man Einnahme Quellen (er-)finden.
Man sollte den Fehler bei VW nicht herunterspielen, aber klar machen, dass das Ausschlachten dieses VW Fehlers ein Schlachtfest für den amerikanischen Fiskus ist, der nicht zur Völkerverständigung beiträgt. Geldstrafen und Freiheitsstrafen gegen Verantwortliche bei VW werden weit über das hinausgehen, als was ein deutsches Gericht an aftrikanische Islamisten Terroristen für Massenmorde jüngst verhängt hat. Weil wir Deutschen Angst haben kuschen wir vor jedem, weil die USA die Welt bedrohen können, knebeln sie, wer sich ihnen in den Weg stellt.

Matt Anderson

28.09.2015, 12:18 Uhr

@Renatus
Um dieses gesamtheitlich Problem des Kuschens vor der "Großmacht" USA zu lösen, müsste die deutsche Bevölkerung erst mal aufhören vor Obama's Abgesandte Merkel zu kuschen. Da wird sich aber leider nichts in dieser Hinsicht tun. Und so geht es mit unserem Land weiter in Richtung Selbstopferung.

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