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05.04.2017

18:37 Uhr

VW und Ferdinand Piëch

Keine Party für den Ex-Patriarchen

Ferdinand Piëch, der Volkswagen über Jahrzehnte geprägt hat, wird bald 80 Jahre alt. Das versetzt den Konzern in ein Dilemma: Wie würdigt man den Geburtstag eines Patriarchen, der gerade im Streit abgetreten ist?

Der frühere Firmenpatriarch wird in wenigen Wochen 80 Jahre alt. AFP; Files; Francois Guillot

Ferdinand Piëch

Der frühere Firmenpatriarch wird in wenigen Wochen 80 Jahre alt.

HamburgVolkswagen will den im Streit ausgeschiedenen früheren Firmenpatriarchen Ferdinand Piëch nicht sang- und klanglos ziehen lassen. Der Wolfsburger Konzern sucht nach Wegen, um Piëch zu seinem Geburtstag angemessen zu würdigen. Ein zunächst angedachter Empfang scheide aus, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. „Herr Piëch ist nicht in der Stimmung, dass er dahin gehen würde“, meinte einer der Eingeweihten. Geplant ist nun offenbar eine Zeitungsanzeige in den Osterausgaben überregionaler Tageszeitungen. Piëch wird am 17. April 80 Jahre alt.

Der Enkel des „Käfer“-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hat Volkswagen über mehrere Jahrzehnte geprägt, zunächst als dessen Vorstandschef, später als Aufsichtsratsvorsitzender. Er zog sich nach einem verlorenen Machtkampf mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn vor fast zwei Jahren aus dem Konzern zurück. Nach einem Zerwürfnis mit seiner Verwandtschaft kündigte er unlängst an, einen Großteil seiner Anteile an der Porsche SE zu verkaufen, über die die Familien Porsche und Piëch die Mehrheit an Volkswagen halten. Die Verträge dafür wurden vor wenigen Tagen unterschrieben. Damit zog Piëch einen Schlussstrich unter sein Lebenswerk. Der Ingenieur hat das Wolfsburger Autoimperium mit seinen zwölf Marken erst zu dem gemacht, was es heute ist.

Porsche und Volkswagen: Patriarch Ferdinand Piëch geht – aber nur langsam

Porsche und Volkswagen

Premium Patriarch Ferdinand Piëch geht – aber nur langsam

Ferdinand Piëch verkauft den Großteil seiner Porsche-Aktien an die Familie. Im Aufsichtsrat beginnt der Generationswechsel erst im Herbst. Doch so ganz kann sich der ehemalige Chef noch nicht von Volkswagen trennen.

Den letzten Anstoß für die Trennung hatten Piëchs Aussagen bei der Staatsanwaltschaft und den internen Ermittlungen von VW über den Dieselskandal gegeben. Darin soll der einstige Übervater des Autokonzerns seinem Cousin Wolfgang Porsche und anderen Mitgliedern der engeren Führung im VW-Aufsichtsrat vorgeworfen haben, wie er selbst schon im Frühjahr 2015 über den Abgasbetrug bei Diesel-Motoren informiert gewesen zu sein. Die Betroffenen wiesen dies vehement zurück.

Kurz danach kamen Medienberichte auf, die Familie wolle Piëch auch aus dem Aufsichtsrat der Porsche drängen. Es folgte die Ankündigung des Verkaufs eines Großteils seiner Stimmrechtsanteile von 14,7 Prozent an der Porsche SE.

Ganz kappen wird Piëch die Bande jedoch nicht. Er behält einen kleinen Teil an der Familienholding. Auch seinen Sitz im Aufsichtsrat der Porsche SE behält er vorerst. Denn die Übertragung seiner Anteile an die anderen Familienmitglieder dauert voraussichtlich noch bis Herbst. So lange wolle Piëch seine Rechte im Kontrollrat ausüben, sagte ein Insider.

Ferdinand Piëch – zur Person

Gebürtiger Wiener

Ferdinand Piëch wird am 17. April 1937 in Wien geboren. Seine Mutter ist Louise Piëch, eine Tochter des berühmten Ferdinand Porsche, des Begründers der Dynastie. Mit Anton Piëch hat sie zwar einen Rechtsanwalt geheiratet, doch die Verbindungen zur Autowelt und die Traditionen der Porsches sind auch in dieser Familie immer spürbar.

Maschinenbau-Studium

Ferdinand Piëch will das Erbe seines gefeierten Großvaters antreten. In Zürich legt der junge Mann den Grundstein für seine spätere automobile Karriere und studiert dort Maschinenbau.

Ingenieur bei Porsche in Stuttgart

Nach dem Studium startet Piëch 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen als Entwicklungsingenieur und bleibt dort bis 1972.

Aufstieg zum Audi-Chef

Nach 1972 beginnt seine wichtige Zeit bei Audi, wo er 20 Jahre lang tätig ist und wo er bis zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigt. Die zwei Jahrzehnte in Ingolstadt sind eine wichtige Grundlage für das, was danach noch kommen sollte.

Karriere bei Volkswagen

1992 wechselt Piëch nach Wolfsburg und übernimmt dort das Amt des Vorstandschefs. Zehn Jahre prägt er in der VW-Zentrale das Geschäft von Europas größtem Automobilkonzern, danach wechselt er auf den nicht minder einflussreichen Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden. Länger als ein Jahrzehnt besetzt er die Position des Chefkontrolleurs im Volkswagen-Konzern und bestimmt auch von dort mit, was im Unternehmen passiert und welche Autos gebaut werden. Bis zu jenem verhängnisvollen 25. April 2015, der das Ende von Piëch beispielloser Karriere im VW-Konzerns bedeutete.

Riss zwischen Winterkorn und Piëch

Eigentlich galten die beiden als enge Verbündete, die jahrelang gut zusammenarbeitet haben. Der damalige VW-Chef Winterkorn als Verantwortlicher für das Tagesgeschäft, Piëch im Aufsichtsrat als oberster Kontrolleur und Stratege. Doch Anfang 2015 war der Riss zwischen beiden immer offensichtlicher geworden. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, ist das berühmte Zitat von Piëch gewesen, das im Normalfall sofort das Karriereende seines Nachfolgers bedeutet hätte. Der große Familienpatriarch dürfte immer mehr an den Fähigkeiten Winterkorns gezweifelt haben. Wahrscheinlich wollte er auch verhindern, dass der damalige VW-Vorstandsvorsitzende ihn als Chef des Aufsichtsrates beerbt. Das Land Niedersachsen, der mächtige Betriebsrat und andere wichtige Vertreter der Familien Porsche und Piëch sprachen sich gegen die Ablösung von Martin Winterkorn aus. Sie waren zufrieden mit dessen Arbeit. Sie sahen keinen Grund dafür, den Vertrag des langjährigen Vorstandsvorsitzenden aufzukündigen. Angesichts dieser Isolation zog Ferdinand Piëch die Konsequenz: Er legte sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender nieder und zog sich zugleich aus dem Kontrollgremium zurück. Familie, Land und Betriebsrat – sie waren plötzlich alle auf Distanz zu Ferdinand Piëch.

VW-Dieselaffäre

Heute ist klar, dass Piëch zumindest schon im Frühjahr 2015 von der Dieselaffäre gewusst haben muss, wie seine Aussage vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig belegt. Ferdinand Piëch will andere wichtige Aufsichtsratsmitglieder damals angeblich über die heraufziehende Dieselaffäre informiert haben. Die Aufsichtsräte widersprechen energisch, darunter auch Piëchs Cousin Wolfgang Porsche. Der Streit über diese Aussage hat den Riss in der Familie während der vergangenen Wochen noch größer werden werden lassen.

Kenner der Familie gehen davon aus, dass Piëch mit seiner Verwandtschaft nicht komplett bricht. „Er wird keinen engen Kontakt mehr zu Wolfgang Porsche suchen, das ist klar“, sagte die Person aus dem Familienumfeld. Umgekehrt gelte dies für seinen Cousin wahrscheinlich ebenso. Aber innerhalb des weitverzweigten Clans werde der Österreicher vermutlich auch künftig an Feiern teilnehmen.

Piëchs Ausscheiden dürfte einen Generationswechsel in der Porsche SE auslösen. Als aussichtsreiche Kandidaten für eine Nachfolge gelten seine Nichte Louise Kiesling und sein Neffe Josef Ahorner sowie Stefan Piëch und Julia Kuhn-Piëch.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr hartmut braune

05.04.2017, 19:32 Uhr

.......und so wird immer noch gerätselt.....warum Ferdinand Piech.....die Brocken hingeworfen hat.....und so ist darauf die Antwort ganz einfach.....sicher nicht aus den zwischenmenschlichen Disonanzen....die es in jeder Ehe....jeder Firma....oder menschlicher Verbindung der einfachen und besonderen Art gibt....gehören diese Problemfelder zum Stand der Dinge....die jede Führungskraft mit auf den Weg bekommt.....wenn an den obersten Stellen der Taktstock zum Einsatz kommt....nein... es ist schlicht und ergreifend der Abschied eines Mannes vom Verbrenner....den er maßgeblich mit entwickelt und später begleitet hat....zu erinnern wäre an den legendären 917-er von Porsche....den er konstruiert und auf die Räder und Bahn gestellt hat....um ihn dann auf allen Strecken dieses Planeten.....ihn alles in Grund und Boden fahren zu lassen.....nein.... es ist die Erkenntnis dieses Mannes.... daß diese Zeit vorbei ist......und er den Stromer im Grunde seiner Denke verachtet......ihm nichts aber auch garnichts abgewinnen kann.....aber er die Zeichen der Zeit erkennt und akzeptieren muß.....und fast schon symbolisch seinem Alters-Ende angepaßt die Ära der Ölverbrenner zu Ende geht.....aus den allen bekannten Gründen......das ist die Wahrheit......und nichts aber auch garnichts anderes......und so sagt er neulich mit Recht.....daß ganz andere sich die Stückzahlkrone im Stromerbereich aufsetzen können.....die bis heute noch wenig bekannt sind......

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