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09.11.2015

11:51 Uhr

VW-Wiedergutmachung für Dieselgate

Keine Gutscheine für deutsche Schummeldiesel-Käufer

Volkswagen steht in den USA kurz davor, Käufer von manipulierten Autos zu entschädigen. Jedes Betrugsopfer soll offenbar mehr als 1000 Euro erhalten. Für deutsche Verbraucher soll das laut VW aber nicht gelten.

Vorwürfe gegen Ex-Chef

Zwang Winterkorn seine Ingenieure zur Manipulation?

Vorwürfe gegen Ex-Chef: Zwang Winterkorn seine Ingenieure zur Manipulation?

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Düsseldorf/WolfsburgIn den USA wird Kundenpflege großgeschrieben. Jetzt heißt es, dass dort vom Abgas-Skandal bei VW betroffene Autobesitzer mit einer Geldzahlung entschädigt werden sollen. Kaum machen Berichte darüber die Runde, fordern Verbraucherschützer eine ähnliche Regelung auch für Deutschland. „Das Unternehmen muss zu seiner Verantwortung stehen“, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), der „Rheinischen Post“. „Darum wären solche Gutscheine in Deutschland das Minimum, um die betroffenen Verbraucher zu entschädigen.“

Die Möglichkeit, getäuschte Kunden über Gutscheine zu entschädigen, gelte „ausschließlich“ für die USA und Kanada", sagte dagegen ein VW-Sprecher am Montag in Wolfsburg. VW entwickle individuell für jeden Markt ein „Maßnahmenpaket“ für Kunden, um auf den Manipulationsskandal zu reagieren. Wie Lösungen in Deutschland aussehen könnten, stimmt VW demnach derzeit mit den Behörden ab. Für die USA sollen in der nächsten Woche Details bekanntgegeben werden.

Die Geheimtricks bei Abgastests

Der Vorwurf

Dieser Vorwurf der US-Behörden wiegt schwer: Volkswagen soll auch bei aktuellen Motoren in den USA illegale Software einsetzen. Der Konzern halte Angaben zu den Programmen gezielt zurück, sagen die US-Abgaswächter. Die US-Umweltschutzbehörde EPA wirft dem VW-Konzern vor, auch bei Sechszylinder-Dieselmotoren mit 3,0 Litern Hubraum eine verbotene Software einzusetzen. Sollte der neue Vorwurf zutreffen, würde das den Abgas-Skandal zuspitzen. Denn dann käme die Abgas-Affäre in der Gegenwart bei aktuellen Motoren an. Auch die VW-Renditeperle Porsche geriete in den Strudel. Doch VW dementiert. Die Fragen und Antworten:

Wer ist die EPA und was macht sie?

Autobauer müssen bei der US-Umweltschutzbehörde EPA (United States Environmental Protection Agency) ihre Modelle testen lassen, um eine Genehmigung für den Verkauf zu erhalten. Die EPA hatte den Skandal um millionenfach manipulierte Diesel aus dem VW-Konzern losgetreten, als sie im September auf eine versteckte Software beim Vierzylinder-Motor EA 189 hinwies. Das Programm erkennt, dass die Autos für Abgastests auf dem Prüfstand sind und aktiviert einen Sparmodus, bei dem weitaus weniger Stickoxid ausgestoßen wird. Für das Gas gelten in den USA besonders strikte Grenzwerte. Volkswagen räumte die Vorwürfe ein.

Welche Dimension hat der jüngste Vorwurf?

Anfangs hatte die EPA in den USA nur den Vierzylinder-Motor EA 189 mit 2,0 Liter Hubraum im Visier und es ging um die Modelljahre 2009 bis 2015. Inzwischen wirft die US-Behörde dem Autobauer auch vor, bei Sechszylinder-Dieseln mit 3,0 Liter Hubraum zu tricksen – und es geht auch um das aktuellste Modelljahr, also um frisch gebaute Wagen.

Welche Modelle sind unter der EPA-Lupe?

Die Geländelimousinen VW-Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q5 sowie die Limousinen Audi A6 Quattro, Audi A7 Quattro, Audi A8 und dessen Langversion. Rund 10 000 Wagen sind seit dem Modelljahr 2014 laut EPA verkauft worden, hinzu komme eine „unklare Zahl“ aktueller Modelle.

Was hält die EPA bisher in der Hand?

Die Behörde hat laut eigenen Angaben am 25. September – also eine Woche nach dem ersten Vorwurf gegen VW – alle Autobauer informiert, dass sie flächendeckend nach ähnlichen verbotenen Softwareprogrammen suche. Die EPA schreibt dazu: „Diese Tests haben erhebliche Bedenken ausgelöst über das Vorhandensein illegaler Abschalteinrichtungen in zusätzlichen Fahrzeugen von VW-Pkw, Audi und Porsche. (...) Es handelt sich um ein sehr ernsthaftes Thema für das Gesundheitswesen.“

Was sagt der VW-Konzern zu dem Vorwurf?

Der Autobauer teilte noch am Montagabend mit, dass nichts Illegales in den Fahrzeugen stecke: „Die Volkswagen AG betont, dass keine Software bei den 3-Liter-V6-Diesel-Aggregaten installiert wurde, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern.“ Volkswagen werde mit der EPA „vollumfänglich kooperieren“, um alles aufzuklären.

Was ist der Kern des Problems, bei dem Aussage gegen Aussage steht?

Es geht um das komplexe Management für Motor, Getriebe und Abgase. Dabei greifen Softwarelösungen andauernd ein, nicht nur bei VW. Ein Motor muss etwa wissen, in welcher Höhe er unterwegs ist, weil das die Sauerstoffsättigung ändert. Für bestimmte Auslastungsbereiche führt die Steuerung auch Abgase zurück und verbrennt sie erneut.

Warum das geschieht?

Zum Beispiel wegen des Temperaturmanagements oder um gezielt Stickoxide zu reduzieren – ist hoch kompliziert und für Laien nicht zu beurteilen. Die Wolfsburger jedenfalls betonen in Reaktion auf den EPA-Vorwurf, es sei nichts geschehen, „um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern“. Bei dem kleineren Dieselmotor mit 2,0 Liter Hubraum räumte VW die Vorwürfe dagegen ein und gab zu, ein „defeat device“ zu nutzen, als ein Instrument für eine gezielte Veränderungen in der Testsituation. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) spricht dabei von einer „unzulässigen Abschalteinrichtung“.

Wie belegt die EPA, dass es sich um ein „defeat device“ handelt?

Die Behörde sagt, sie habe ihre Testmethoden daraufhin verfeinert, mögliche „defeat devices“ aufzuspüren. Und sie wirft VW vor, die verbotene Software ganz gezielt so ausgelegt zu haben, dass sie die Testprozedur in den USA erkennt und dann eingreift. Und die EPA behauptet, VW habe an der fraglichen Stelle Transparenz vermieden und Informationen zurückgehalten: „Die Software in diesen Fahrzeugen beinhaltet ein oder mehrere Zusatz-Instrumente zur Abgas-Kontrolle, die der Konzern bei der Zulassung der Modelle nicht offengelegt, beschrieben und begründet hat.“ VW fasst im Konjunktiv zusammen, dass „eine Software-Funktion vorhanden sei, die im Genehmigungsprozess nicht hinreichend beschrieben worden sei“. Zu dem konkreten Vorwurf der angeblich vorenthaltenen Informationen sagt VW bisher nichts.

VW will in den USA betroffenen Autobesitzern offenbar Geld anbieten. Besitzer von Diesel-Autos sollten als Wiedergutmachung Gutscheine im Wert von bis zu 1250 US-Dollar (rund 1150 Euro) bekommen, berichtete das Online-Portal „The Truth about cars“. Ein Gutschein über 500 US-Dollar könne überall eingelöst werden, einer über 500 bis 750 US-Dollar bei Volkswagen-Händlern.

Zur Aufarbeitung des Abgas-Skandals ist am Montag auf dem VW-Werksgelände in Wolfsburg erneut das Präsidium des Aufsichtsrates zu einer Sitzung zusammen gekommen. Das sechsköpfige Gremium wollte bei der Zusammenkunft nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unter anderem über die jüngst von Betriebsratschef Bernd Osterloh geäußerte Kritik am Konzernvorstand beraten.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht Osterloh in der Mitverantwortung. Er sei „der mächtigste Mann im VW-Konzern“, sagte Dudenhöffer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben). „Es ist unvorstellbar, dass Osterloh nichts davon gewusst hat, dass die Mitarbeiter über Jahre in einem System der Angst und der chronischen Überforderung gearbeitet haben.“ Dieses System habe „maßgeblich dazu beigetragen“ offenbar auch mit illegalen Manipulationen Konzernziele zu erreichen.

Darüber hinaus dürften weitere Personalfragen sowie die neusten Erkenntnisse der internen Ermittlungen eine Rolle bei den Beratungen des Aufsichtsratspräsidiums hinter verschlossenen Türen gespielt haben.

Im Anschluss an die Sitzung des Präsidiums stand für 11.00 Uhr eine Sitzung des Aufsichtsrates auf der Tagesordnung. Auch dabei sollte es um Konsequenzen der weltweiten Manipulationen an Dieselfahrzeugen gehen. Zusätzliche Sorgen bereiten den VW-Kontrolleuren auch die jüngst bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten von Diesel- und Benzinfahrzeugen. Durch unerlaubte Maßnahmen soll bei Tests der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 nach unten korrigiert worden sein.

Seit September befindet sich Europas größter Autobauer in der größten Krise der Unternehmensgeschichte. Den Wolfsburgern drohen Milliardenkosten und strafrechtliche Ermittlungen. Am Sonntagabend hatte in Wolfsburg bereits der zur Aufarbeitung des Skandals einberufene Sonderausschuss getagt. Auch die Ergebnisse dieser Beratungen soll dem Vernehmen nach am Montag zur Sprache kommen.

Kommentare (28)

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Herr Marc Otto

09.11.2015, 09:44 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte verwenden Sie keine Zitate ohne Quellenangabe.

Herr Marc Otto

09.11.2015, 09:46 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr wulff baer

09.11.2015, 09:52 Uhr

Wahrscheinlich gibts für die doofen Deutschen keinen Cent.
Obwohl deutsche Kunden durchschnittlich 30% mehr für ihren Neuwagen bezahlen müssen als der Ami.
Denn bei uns gibt es auch keinen nennenswerten Verbraucher-Schutz aber einen Justizminister, der gerne Moscheen besucht, aber millionenfache Grenzverletzungen nicht strafbar findet.
Lieber beschäftigt sich der sogenannte Justizminister mit der Ortung von Hasstiraden, die sich teilweise auch auf seine besch.. Amtsführung beziehen.
Ganz zu schweigen von Maut-Dobrinette und Drohnen-Reglementierer.
Was ist denn eigentlich mit dem Ober-Aufseher und Hauptverantwortlichen?
Hat er seine 30 Millionen für korrekte Geschäftsführung schon erhalten?

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