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24.01.2007

20:13 Uhr

VW wird wieder zentral geführt

Einmal Zukunft und zurück

VonJosef Hofmann und Finn Mayer-Kuckuk

Volkswagen vollzieht die Kehrtwende: Künftig laufen wieder alle Fäden bei starken Konzernvorständen zusammen. Was beim Autohersteller in Wolfsburg geschieht, vollzieht sich auch in anderen Unternehmen. Dabei hat das Modell seine Tücken.

VW kehrt zurück zur zentralen Führung. Foto: ap Quelle: ap

VW kehrt zurück zur zentralen Führung. Foto: ap

FRANKFURT/TOKIO. Manager von Volkswagen dürfte derzeit ein Gefühl beschleichen, das sich mit „Einmal Zukunft und zurück“ gut umschreiben lässt: Als der neue Konzernchef Martin Winterkorn jüngst seine Vorstellung von der Organisation des Autoherstellers bekannt gab, war schnell klar: VW kehrt zurück zur zentralen Führung, wie sie Ex-Chef Ferdinand Piëch bis 2002 propagierte. Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder dagegen hatte den Konzern dezentral geführt, in zwei Markengruppen aufgeteilt und sich als Moderator eigenverantwortlicher Sparten definiert.

Nun passt Winterkorn die Organisationsform von VW „an seinen Führungsstil an“, wie es Albrecht Denninghoff, Automobilexperte von der Commerzbank, formuliert. In der Praxis heißt das: Bei dem Autobauer laufen künftig wieder alle Fäden bei starken Konzernvorständen zusammen, sei es in Forschung und Entwicklung, in der Produktion oder im Vertrieb. Pischetsrieder hatte diese Zentralfunktionen abgeschafft und in die Markengruppen verlagert.

Was Volkswagen erlebt, vollzieht sich auch in anderen Unternehmen. Das strategische Mantra vieler Manager und Berater lautet zwar seit langem „Dezentralisierung“. Die Praxis jedoch zeigt: In Firmenhistorien wechseln Strategien zwischen mehr zentraler und mehr dezentraler Organisation regelmäßig – sei es aus Modegründen, wegen eines Chefwechsels oder um den Konzern in der Krise durch straffe Führung stärker zusammenzuschweißen.

„Unternehmen passen ihre Organisation heute wesentlich schneller an neue Strategien an“, erläutert Harald Hungenberg, Professor für Unternehmensführung an der Universität Erlangen-Nürnberg. Jeder Firmenchef müsse dabei die aktuell geeignete Position zwischen den Polen dezentraler und zentraler Führung finden.

VW-Chef Winterkorn sucht nach Meinung Hungenbergs die zentrale Führungsstruktur, um seine Pläne im VW-Reich besser durchsetzen zu können. Ein Teil des Plans: Er will Doppelausgaben vermeiden, die bei Konzernen mit homogenen Aktivitäten, aber stark eigenverantwortlichen Divisionen oft entstehen. In den vergangenen Jahren war es immer wieder vorgekommen, dass in den Zentralen von VW und Audi an millionenteuren Parallelentwicklungen gearbeitet wurde. Dies führte unter anderem auch dazu, dass sich die Margen des Konzerns von denen der Branchenbesten weit entfernten.

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