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01.04.2016

16:00 Uhr

VW-Zulieferer

Immer mehr melden Kurzarbeit an

Rund um das Wolfsburger VW-Stammwerk melden immer mehr Lieferanten und Dienstleister Kurzarbeit an. Im Vorjahresmonat war kein einziger Betrieb von Kurzarbeit betroffen.

Es mehren sich Hinweise auf negative Folgen des Sparkurses in der Abgas-Krise. Reuters

Volkswagen

Es mehren sich Hinweise auf negative Folgen des Sparkurses in der Abgas-Krise.

HelmstedtDie Kurzarbeit bei Lieferanten und Dienstleistern im Umfeld des Wolfsburger VW-Stammwerks ist erneut gestiegen. Im Februar meldeten insgesamt 43 Ingenieurdienstleister und Betriebe aus der Industrie für 322 Mitarbeiter Kurzarbeit an.

Dies geht aus vorläufigen, am Freitag veröffentlichten Zahlen der Arbeitsagentur Helmstedt hervor, die auch für Wolfsburg und Gifhorn zuständig ist. Schon im Januar war die Kurzarbeit gestiegen.

Damit mehren sich die Hinweise auf negative Folgen des Sparkurses bei dem Autobauer in der Abgas-Krise. Im Vorjahresmonat war kein einziger Betrieb von Kurzarbeit betroffen. Die Zahlen seien zwar vorläufig und könnten auch Mehrfachnennungen einzelner Betriebe enthalten, erläuterte eine Sprecherin der Arbeitsagentur Helmstedt. Sie seien aber ein wichtiges Indiz. „Der Beratungsbedarf zur Kurzarbeit ist da und er liegt genau in diesen Branchen“, sagte sie. Ein VW-Konzernsprecher sagte am Freitag, dass sich Volkswagen nicht zu Fragen anderer Unternehmen äußern könne.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Vor einem Monat war bekanntgeworden, dass Niedersachsens Autobau im Januar den heftigsten Bestelleinbruch seit sieben Jahren erlebte. Die Order aus dem Inland sackte im Vergleich zum Januar des Vorjahres um ein Drittel (34 Prozent) ab. Die Branche ist ganz maßgeblich vom VW-Konzern und dessen Zulieferern geprägt.

Während der Metall-Arbeitgeberverband die Zunahme der Kurzarbeit auf die VW-Krise zurückführte und besonders auf Probleme kleinerer Zulieferer verwies, hält die IG Metall das für Schwarzmalerei. Laut der Gewerkschaft ist die Auftragslage unter den sechzehn größten Autozulieferern Niedersachsens stabil, teils liefen Sonderschichten.

Von

dpa

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