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11.12.2013

13:17 Uhr

Wachstum in Fernost

VW-Finanzsparte hofft auf China

Gute Geschäfte mit Finanzierung, Leasing und Co. bringen der Finanzsparte von VW mehr Vertragsabschlüsse. Deutlich mehr Gewinn springt aber nicht heraus. Für die Zukunft hofft der Konzern natürlich: auf China.

Der Volkswagen e-Golf: Volkswagens Finanzsparte zählte zuletzt 12.538 Mitarbeiter, 5320 in Deutschland. ap

Der Volkswagen e-Golf: Volkswagens Finanzsparte zählte zuletzt 12.538 Mitarbeiter, 5320 in Deutschland.

BraunschweigEuropas größter Autobauer Volkswagen steuert in seiner Finanzsparte auf ein konstantes Jahresergebnis zu. Zwar wachse der gesamte Vertragsbestand für Autofinanzierungen, Leasing, Versicherungs- und Serviceleistungen 2013 um voraussichtlich rund 10 Prozent. Doch das Plus bei diesen inzwischen mehr als 10,6 Millionen Abschlüssen (2012: 9,64 Mio) zeige sich weniger auf der Ertragsseite, sagte der Chef der Volkswagen Financial Services AG aus Braunschweig, Frank Witter, am Dienstagabend in Hannover. Basis seiner Aussagen ist eine Hochrechnung des Unternehmens zur Bilanz für 2013.

Demnach sieht Witter beim Ertrag kein spürbares Plus. Seine Sparte erreiche aber das VW-weite Ziel, beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mindestens den Vorjahreswert zu halten. „Das lasse ich durchaus so stehen und unterstreiche das mindestens“, betonte Witter, ohne Details zu einem möglichen Zuwachs zu konkretisieren. Mit ihren 1,41 Milliarden Euro Ebit hatte das VW-Geldhaus 2012 immerhin jeden achten Euro des Konzerns verdient (insgesamt 11,51 Milliarden Euro).

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Witter hob hervor, dass auch Europa trotz des dort rückläufigen Konzernabsatzes „einstellig im Plus“ liege. Das Geschäft mit Leasing, Finanzierung und Co. ist komplex. Die VW-Bank ist - so wie in der Branche üblich - auch ein Steuerungsinstrument für den Verkauf. So sind die Angebote der Autobanken nicht selten ebenso lukrativ wie ein hoher Neuwagenrabatt für Barzahler. Branchenexperten sagen, dass ein über die Autobank subventioniertes Leasing manchmal lukrativer sei.

Was das von Witter in Aussicht gestellte „einstellige Plus“ beim Vertragsbestand in Europa für den Gewinn bedeute, ließ er offen. Er betonte aber, dass die sogenannte Risikokostenquote säumiger Zahler insgesamt gesehen auch 2013 unverändert auf niedrigem Niveau liege. Das Geschäft der Autobanken hängt am Gestern, Heute und Morgen - und nicht zuletzt an den Refinanzierungskosten ihrer Aktivitäten. Bei Letzterem rechnet Witter für 2014 nur mit moderaten Zinssteigerungen.

Laut dem Manager gibt es auf den globalen Pkw-Märkten unter den Autobankkunden große Unterschiede. Manche Nationen finanzierten viel - etwa die USA - und manche sehr wenig - etwa China. Zudem schwanke die Zahlungsmoral von „bestens“ (Kanada) bis „ausreichend“ (Südamerika). Mit rund 7 von insgesamt knapp 11 Millionen Verträgen liegt in Europa aber nach wie vor der Löwenanteil des Geschäfts der VW-Bank.

Im boomenden China - dem inzwischen größten VW-Einzelmarkt - sieht auch Witter die besten Chancen. „China wird signifikant wachsen“, schätzte er. Aktuell entfielen vom konzernweiten China-Absatz nur 7 Prozent auf Finanzierungen oder Leasings der VW-Finanzsparte. Zum Vergleich: In Deutschland ist aktuell mehr als jeder zweite Pkw aus dem VW-Reich (54 Prozent) über die VW-Bank finanziert oder verleast. Dass aus den bisher 7 Prozent in China binnen fünf Jahren „20 oder 25 Prozent werden, ist nicht unrealistisch“, sagte der Chef der VW-Bank.

Witters Ertragsprognose für 2014: nicht unter Vorjahr. Volkswagens Finanzsparte zählte zuletzt 12 538 Mitarbeiter, 5320 in Deutschland.

Von

dpa

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