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07.02.2005

07:00 Uhr

Wachstum und niedrige Zinsen sorgen für Rückenwind

Firmen fahren Rekordgewinne ein

VonTorsten Riecke und Ulf Sommer (Handelsblatt)

Die Unternehmen in Amerika und Europa verdienen so gut wie schon lange nicht mehr. Nach Zuwächsen von 20 Prozent und mehr beim Gewinn vor Steuern rechnen viele Firmen diesseits und jenseits des Atlantiks damit, dass die Ertragskurve auch in 2005 weiter nach oben zeigt.

Steigende Firmengewinne - da gibt es auch an der Börse reichlich Anlass zum Feiern. Foto: dpa

Steigende Firmengewinne - da gibt es auch an der Börse reichlich Anlass zum Feiern. Foto: dpa

NEW YORK/DÜSSELDORF. „In fast allen Branchen haben die Analysten in den letzten Wochen ihre Gewinnerwartungen erhöht“, sagte Carsten Klude von M.M. Warburg. Für die im Stoxx 50 erfassten größten europäischen Aktiengesellschaften erwartet der französische Finanzdatenanbieter JCF ein Plus von 10,5 Prozent, für die im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Firmen sogar von 17 Prozent. Auch in den USA ist man optimistisch: „Wir rechnen mit einem Gewinnwachstum von fast zehn Prozent in diesem Jahr“, sagte David Dropsey, Analyst beim Finanzinformationsdienst Thomson Financial in Boston. JCF und Thomson Financial werten die Firmenergebnisse und die Prognosen der Analysten aus.

„Niedrige Zinsen und ein gutes Konjunktur-Szenario werden den europäischen Unternehmen auch in diesem Jahr gute Absätze und Rekordgewinne bescheren“, sagte Klude. Das Wirtschaftswachstum in den USA wird mit vermutlich rund 3,5 Prozent erneut stärker ausfallen als in Europa. Steigende Zinsen und ein langsamerer Produktivitätsfortschritt könnten jedoch das Ertragswachstum der amerikanischen Unternehmen bremsen.

„Die Gewinne werden nicht mehr ganz so stark, aber immer noch stärker als die Gesamtwirtschaft wachsen“, sagte David Wyss voraus. Wyss ist Chefökonom der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) in New York. Sein Kollege Jan Hatzius von der Investmentbank Goldman Sachs wies zudem darauf hin, dass in den USA Abschreibungserleichterungen für neue Anlagen und Maschinen auslaufen. „Nach Abzug der Steuern werden die Gewinne vermutlich nur noch um 2,5 Prozent steigen“, sagte der Ökonom.

Deutsche Firmen profitieren dagegen von einer steuerlichen Änderung. Wegen einer seit dem 1. Januar verbindlichen Änderung der Bilanzierungsregeln muss der so genannte Goodwill, also der Betrag, den ein Käufer bei Übernahme eines Unternehmens über den eigentlichen Wert der Vermögensgegenstände hinaus zahlt, nicht mehr abgeschrieben werden. Für die Hälfte der Dax-Unternehmen, die ihre Rechnungslegung noch nicht entsprechend angepasst haben, ergibt sich daraus ein einmaliger Gewinnschub. Insgesamt geht knapp die Hälfte des prognostizierten Gewinnzuwachses auf diese veränderte Abschreibungsrichtlinie zurück. Ohne den Steuereffekt liegt der Ertragszuwachs im langjährigen Trend. Die stärksten Steigerungen erwarten Analysten für VW mit 100 Prozent, Infineon mit 97 Prozent und Commerzbank mit 82 Prozent.

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