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05.01.2010

07:02 Uhr

Wachstumschancen

Pharmakonzerne suchen neue Märkte

VonSiegfried Hofmann

Novartis übernimmt für 28 Mrd. Dollar die Mehrheit am Augen-Spezialisten Alcon, die Merz-Gruppe will die US-Ästhetikfirma Bioform Medical kaufen. Pharmakonzerne investieren intensiv in neue Produktbereiche – und reduzieren damit die Abhängigkeit von ertragsstarken Medikamenten.

Bunte Pillen: Mit innovativen Medikamenten machen Pharmaunternehmen den größten Umsatz. Doch das Geschäft ist mit hohen Risiken verbunden. Quelle: dpa

Bunte Pillen: Mit innovativen Medikamenten machen Pharmaunternehmen den größten Umsatz. Doch das Geschäft ist mit hohen Risiken verbunden.

FRANKFURT. Pharmakonzerne investieren intensiv in neue Produktbereiche. Sie wollen damit weniger abhängig werden vom zwar lukrativen, aber riskanten Geschäft mit innovativen Medikamenten. So hat jetzt der Baseler Novartis-Konzern für 28 Mrd. Dollar seinen Anteil am Augenheilkunde-Unternehmen Alcon von 25 Prozent auf 77 Prozent aufgestockt. Er übt eine mit dem bisherigen Alcon-Mehrheitseigner Nestlé vereinbarte Kaufoption damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt aus. Zugleich kündigte Novartis ein Übernahmeangebot für die restlichen Anteile an Alcon an. Dafür bietet der Schweizer Konzern 2,8 eigene Aktien je Alcon-Aktie, was derzeit einem Wert von etwa 11,2 Mrd. Dollar entspricht.

Ist diese Offerte erfolgreich, wird Novartis-Chef Daniel Vasella alles in allem knapp 50 Mrd. Dollar für den größten Zukauf in der Firmengeschichte investiert haben, rund das Achtfache des Alcon-Jahresumsatzes von 6,4 Mrd. Dollar und mehr als das 20-Fache des operativen Gewinns.

Die Übernahme fügt sich ein in eine ganze Reihe von Transaktionen, mit denen große Pharmakonzerne in den vergangenen beiden Jahren ihr Geschäft erweiterten und diversifizierten. So hat etwa Branchenführer Pfizer den US-Konzern Wyeth gekauft und Sanofi-Aventis den Tierarzneihersteller Merial übernommen. Die Ziele sind, Umsatzeinbußen aufgrund von Patentabläufen zu kompensieren, die Abhängigkeiten von einzelnen ertragsstarken Produkten zu reduzieren und das Pharmageschäft so zu verstetigen. „Die Transaktionen sind Teil einer Strategie zur Reduzierung von Risiken im innovativen Pharmageschäft“, so Branchenexpertin Britta Holt von der Ratingagentur Fitch.

Eine solche Streuung von Risiken streben die Pharmahersteller unter anderem auch über ein verstärktes Engagement in Schwellenmärkten, den Einstieg ins Geschäft mit Nachahmer-Medikamenten (Generika) und eine Flut von Lizenzvereinbarungen und kleineren Zukäufen im Biotechbereich an. Astra-Zeneca etwa kaufte vor wenigen Tagen die französische Firma Novoxel für 350 Mio. Dollar. Auch der mittelständischen deutschen Pharmafirma Merz, die am Montag den Kauf des US-Ästhetik-Spezialisten Bioform Medical für 253 Mio. Dollar ankündigte, geht es vor allem um eine Verbreiterung des Produktportfolios.

Hintergrund sind die großen Unsicherheiten in der Entwicklung von Medikamenten. Zahlreiche Projekte scheiterten in letzter Zeit im fortgeschrittenen Stadium der klinischen Entwicklung oder in der Zulassungsphase, während auf der anderen Seite wichtige Patente aus den 90er-Jahren auslaufen. Das Geschäft mit innovativen Originalmedikamenten ist damit weniger kalkulierbar geworden. Deswegen streben viele Konzerne in angrenzende Bereiche des Gesundheitssektors. Während bis Mitte des Jahrzehnts der Trend zur Konzentration auf Pharma dominierte, sind einige Großkonzerne in jüngerer Zeit umgeschwenkt. Sanofi-Aventis und Glaxo-Smithkline etwa verstärkten sich durch Zukäufe im Bereich der frei verkäuflichen Medikamente und Gesundheitsprodukte. Der US-Konzern Abbott stieg ins lukrative Geschäft mit Stents zur Erweiterung von Blutadern ein.

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