Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.03.2013

15:37 Uhr

Wachstumsmarkt China

Große Konkurrenz für deutsche Exporteure

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung warnt deutsche Unternehmen vor der Stärke aufkommender chinesischer Konkurrenten. Allerdings ist der Markt aus dem Reich der Mitte stark von deutscher Industrie abhängig.

Trotz allem essenziell wichtig für den chinesischen Markt: Maschinenbau aus Deutschland. dapd

Trotz allem essenziell wichtig für den chinesischen Markt: Maschinenbau aus Deutschland.

BerlinDeutschlands Exporteure müssen sich einer Studie zufolge warm anziehen, um weiter vom Wachstumsmarkt China profitieren zu können. Hauptgrund dafür sei der zu erwartende Aufstieg chinesischer Unternehmen in Richtung technologischer Weltspitze, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Prognos-Analyse für die Bertelsmann Stiftung.

„Deutsche Firmen werden nur dann ihre aktuellen Erfolge auf dem Mega-Markt China bewahren können, wenn sie ihren technologischen Vorsprung bewahren und damit - zum Beispiel im Investitionsgüterbereich - auch künftig für ihre chinesischen Kunden unverzichtbar sind”, sagte Bertelsmann-Experte Helmut Hauschild. „Die Wirtschaft muss mehr in Forschung und Entwicklung investieren, um langfristig gegenüber der Konkurrenz aus China zu bestehen.”

Bisher laufe der deutsch-chinesische Handel nach dem Muster „hoch spezialisierte Investitionsgüter aus Deutschland gegen kostengünstige Konsumgüter aus China”. Daher standen die gegenseitigen Ein- und Ausfuhren in der Vergangenheit meist auch nicht in direkter Konkurrenz zur heimischen Industrie, sondern stellten eine Ergänzung zu den im Inland produzierten Gütern dar. Im Klartext: Für hochtechnologische Produkte „Made in Germany” gab es auf dem chinesischen Markt kaum Alternativen. Das dürfte sich der Studie zufolge ändern. „Künftig werden immer mehr deutsche Unternehmen in direkter Konkurrenz mit Wettbewerbern aus China stehen.”

Damit werde zwischen beiden Ländern auch der sogenannte intra-industrielle Handel dominieren, wie er zwischen Industriestaaten auf vergleichbarem Entwicklungsstand - etwa Deutschland und Frankreich - normal sei. Der Trend gehe bereits in diese Richtung. Betrug der Anteil dieser Art von Handel am gesamten deutsch-chinesischen Handelsvolumen 1992 nur etwa fünf Prozent, waren es 2010 laut Studie bereits 20 Prozent.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Derzeit sei die Abhängigkeit Chinas von deutschen Produkten höher als umgekehrt. „Der deutsche Maschinenbau spielt für Chinas Industrie eine Schlüsselrolle”, betonte Hauschild. Sollte Deutschland als Lieferant für Maschinen ausfallen, stünde die exportorientierte chinesische Wirtschaft vor großen Problemen. Deutschland wiederum sei vor allem bei Computern, Laptops und Textilien abhängig von Importen aus dem Reich der Mitte. Betrug Chinas Anteil der deutschen Textilimporte 1992 knapp sieben Prozent, so liegt er laut Studie derzeit bei über 31 Prozent. Bei Büromaschinen, Computern und Laptops stieg der Anteil von unter einem Prozent auf nahezu 44 Prozent.

Der Außenhandel zwischen beiden Ländern boomt seit vielen Jahren. Allerdings mussten die deutschen Exporteure 2012 mit 2,7 Prozent ihr schwächstes Wachstum im China-Geschäft seit 2005 wegstecken. Grund war die Konjunkturabkühlung in China.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Oldi.

19.03.2013, 16:10 Uhr

Das ist ja nun wahrlich nichts Neues und war zu erwarten. Genauso ist es abzusehen, dass mittelfristig Deutschland diesen Wettbewerb verlieren wird. Dank dem billigen Euro, der fett, träge und blind macht. Dank unserer unfähigen, mittelalterlichen Bildungspolitik. Die Dekadenz solch einer Politik hat in der Geschichte genügend Beispiele.

Unsere politische Unfähigkeit trägt einen Namen der in die Geschichtsbücherstehen wird, Merkel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×