Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.04.2013

15:41 Uhr

Wachstumsprognose

Industrie gibt sich vorsichtig optimistisch

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet für 2013 ein leichtes Wachstum. In seiner Prognose gibt sich der Verband zwar deutlich optimistischer als die Regierung. Zypern sorgt aber weiter für Unsicherheit.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, ist optimistisch für 2013. dpa

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, ist optimistisch für 2013.

Hannover/BerlinDie deutsche Industrie verbreitet wegen der wieder aufgeflammten Schuldenkrise nur vorsichtigen Optimismus. Die meisten Branchen erwarten für 2013 erst in der zweiten Jahreshälfte spürbare Impulse, die sich dann auch in mehr Investitionen niederschlagen könnten. „Wir sehen gute Chancen, dass die Wirtschaft im Laufe des Jahres deutlich an Fahrt gewinnt“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo am Montag auf der Hannover Messe. Er rechne mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung, die nur plus 0,4 Prozent erwartet. Knackpunkt sei das Anspringen der Investitionen, betonte Grillo. „In den letzten fünf Quartalen waren die Investitionen rückläufig. Das muss sich ändern.“

Große Teile der Industrie hatten nach den Boomjahren 2010 und 2011 im vorigen Jahr die Abkühlung der globalen Konjunktur zu spüren bekommen. Vor allem im Schlussquartal 2012 liefen die Geschäfte mau, die gesamte Wirtschaft war mit 0,6 Prozent so stark geschrumpft wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Seitdem verzögert sich die erhoffte Erholung. Denn wegen der chaotischen Zypern-Rettung und des politischen Patts in Italien ist die Euro-Krise zurückgekehrt und mit ihr auch die Unsicherheit für die Betriebe.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

„Das größte Risiko geht unverändert von der Euro-Schuldenkrise aus“, betonte etwa der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Das Zypern-Problem habe die Stimmung der Firmen bereits getrübt und der Schwebezustand in Italien könnte ihre Zuversicht längerfristig belasten. „Ohne eine Rückkehr von Vertrauen werden jedoch die Investitionsgüter- und damit auch die Stahlkonjunktur nicht wieder anspringen.“ Der Verband bekräftigte seine Prognose, wonach die Rohstahl-Produktion in Deutschland 2013 mit rund 43 Millionen Tonnen nur minimal zum Vorjahr steigt. 2007 hatte die Branche noch 48,5 Millionen Tonnen hergestellt. Sie setzt darauf, dass die Konjunktur bei Kunden wie dem Maschinenbau, der Auto- und der Bauindustrie in der zweiten Jahreshälfte anzieht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×