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13.12.2013

12:23 Uhr

Wachstumsstrategie

VW nimmt sich Südostasien vor

Volkswagen steuert seinen nächsten Absatzrekord an und schmiedet Pläne für Südostasien. Die Wachstumsmärkte der Asean-Staaten hatte der Konzern bislang vernachlässigt. Dort will er nun den Platzhirsch angreifen.

Volkswagen hat bereits neben dem VW-Werk in Wolfsburg weltweit weitere Produktionsstätten. Eine weitere soll in einem Asean-Staat entstehen. dpa

Volkswagen hat bereits neben dem VW-Werk in Wolfsburg weltweit weitere Produktionsstätten. Eine weitere soll in einem Asean-Staat entstehen.

WolfsburgIn den ersten elf Monaten lieferten die Wolfsburger 8,68 Millionen Autos aus und damit 4,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Der Volkswagen-Konzern zeigt sich trotz der anhaltend konjunkturellen Unsicherheiten sehr robust“, sagte Vertriebschef Christian Klingler laut Mitteilung vom Freitag. Für das Gesamtjahr peilt VW 9,5 Millionen Fahrzeuge an.

Doch während vor allem der weltgrößte Automarkt China den Absatz weiterhin kräftig anschiebt, hat der größte Autobauer Europas noch weiße Flecken auf der Weltkarte der Autobranche. Speziell in Südostasien, wo Experten mit die größten Wachstumschancen ausmachen, fährt Volkswagen dem großen Konkurrenten Toyota bislang deutlich hinterher. Das wollen die Wolfsburger ändern und in absehbarer Zeit auch dort in Eigenregie produzieren, wie Klingler im aktuellen konzerninternen Magazin für Führungskräfte betont.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

„Wir wollen unseren Marktanteil von aktuell gut einem Prozent in der Region deutlich steigern und am Wachstum teilhaben. Das geht nicht nur über den Import und Verkauf“, sagte der Vertriebsvorstand. „Mittelfristig wollen wir für die jeweiligen Märkte auch Fahrzeuge vor Ort bauen.“ Bisher lässt VW im sogenannten Asean-Raum rund um Thailand und Indonesien nur einige teilzerlegte Modelle von zwei örtlichen Partnern montieren – ist also auf Hilfe angewiesen. Toyota kommt dort schon auf einen Marktanteil von rund einem Drittel.

Laut dem VW-internen Magazin läuft die Planung für mehr konzerneigene Asean-Produktion auf Hochtouren – es gebe aber noch keine Beschlüsse. „Entsprechende Gespräche werden bereits geführt. Entscheidungen über neue Asean-Standorte sind aber noch nicht gefallen“, heißt es dort. In der Autobranche ist es kein Geheimnis, dass bei Fabrikplänen für Schwellenländer neben Standortfaktoren wie Infrastruktur und Arbeitskräften auch um Subventionen gepokert wird.

Die zehn größten Autohersteller Europas

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,35 Millionen (-2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,43 Millionen (- 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,56 Millionen (+5,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,62 Millionen (- 8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,64 Millionen (+ 0,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,75 Millionen (-4,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,8 Millionen (- 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 0,89 Millionen (+1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,11 Millionen (-10,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,49 Millionen (-2,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Einen weiteren starken Wachstumstreiber neben China, wo VW 2013 bislang gut ein Drittel aller Wagen verkaufte, können die Wolfsburger gut gebrauchen. Zwar stiegen die weltweiten Auslieferungen im November um 4,3 Prozent auf 828.600 Fahrzeuge. „Die Herausforderungen in den übrigen Weltmärkten bleiben aber unverändert bestehen“, sagte Klingler.

Dabei sehen die Zahlen für den Heimatkontinent Europa sogar von Monat zu Monat besser aus. Seit Januar liegt VW hier nur noch 1,3 Prozent im Minus. Für 2014 rechnen Experten wieder mit einem leichten Zuwachs bei den Neuzulassungen. Dafür schwächelt die Kernmarke Volkswagen Pkw auf dem zweitgrößten Markt der Welt: In den USA brachen die Verkaufszahlen im November um mehr als 16 Prozent ein. Auch dort ist Toyota den Wolfsburgern weit voraus.

Von

dpa

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