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15.03.2016

13:55 Uhr

Wacker Neuson

Baumaschinenhersteller erwartet 2016 keine großen Sprünge

Die Krise in der Öl- und Gasbranche sowie die Zurückhaltung der Landwirte bei Investitionen machen Wacker Neuson zu schaffen. Der Hersteller von Baumaschinen muss einen Gewinneinbruch hinnehmen.

Der Nettogewinn des Unternehmens ist im vergangenen Jahr eingebrochen. Wacker Neuson

Baumaschine von Wacker Neuson

Der Nettogewinn des Unternehmens ist im vergangenen Jahr eingebrochen.

MünchenDer Baumaschinenhersteller Wacker Neuson stapelt bei der Prognose tief. „Die für uns wichtige Öl- und Gasindustrie in Nordamerika befindet sich derzeit in einer existenziellen Krise“, sagte Vorstandschef Cem Peksaglam am Dienstag in München. Zudem hielten sich viele Landwirte wegen der niedrigen Preise für Milch und andere Agrarprodukte mit Investitionen in Maschinen zurück. Der Umsatz werde daher 2016 nur leicht auf 1,40 bis 1,45 Milliarden Euro steigen, die operative Rendite (Ebit-Marge) werde lediglich zwischen sieben und acht Prozent liegen.

Bereits im vergangenen Jahr machte sich die schwächelnde Nachfrage nach den Baggern, Radladern, Rüttlern oder Trennschneidern des Konzerns bemerkbar. Der Umsatz kletterte zwar um sieben Prozent auf 1,38 Milliarden Euro, doch der Nettogewinn stürzte um 27,7 Prozent auf 66,2 Millionen Euro ab. Die Ebit-Marge fiel auf 7,5 Prozent von 10,6 Prozent. Vor allem das lukrative Geschäft mit der US-Ölindustrie sei eingebrochen und werde auch im laufenden Jahr weiter schrumpfen, erläuterte Peksaglam.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Seine Hoffnungen setzt er auf Europa, wo Wacker Neuson gut 70 Prozent seines Umsatzes macht. „Europa ist eine Wachstumsfestung“, sagte Peksaglam. In südeuropäischen Ländern wie Spanien erhole sich die Nachfrage nach Jahren der Krise, in Deutschland werde in die Reparatur maroder Infrastruktur investiert.

Die Aktie von Wacker Neuson war am Dienstag mit einem Minus von rund drei Prozent einer der größten Verlierer im Kleinwerteindex SDax. Auch die Dividende, die trotz des Gewinneinbruchs wie im Vorjahr bei 50 Cent je Aktie liegen soll, die Anteilseigner nicht über die verhaltenen Aussichten hinwegtrösten.

Von

rtr

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