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07.08.2013

19:36 Uhr

Waffenindustrie

Deutsche Rüstungsexporte boomen

Die Golfregion rüstet auf. Reiche Staaten wie Katar und Saudi-Arabien investieren Milliardenbeträge in Waffen, die auch aus Deutschland kommen. Wegen der Menschenrechtslage sind die Geschäfte höchst umstritten.

Der Export von Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 nach Saudi-Arabien ist heftig umstritten. dpa

Der Export von Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 nach Saudi-Arabien ist heftig umstritten.

BerlinTrotz aller Kritik an der Menschenrechtslage in den Golfstaaten boomen deutsche Rüstungsexporte in die Region weiter. Im ersten Halbjahr 2013 erteilte die Bundesregierung Ausfuhrgenehmigungen für die sechs Staaten des Golfkooperationsrats im Wert von 817 Millionen Euro. Der mit Abstand wichtigste Abnehmer ist Katar mit 635 Millionen Euro, gefolgt von Saudi-Arabien mit 118 Millionen Euro. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt und über die die „Süddeutsche Zeitung“ zuerst berichtete.

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die Exportgenehmigungen von 570 Millionen auf 1,42 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Die Anträge auf Waffenexporte nach Ägypten wurden unterdessen angesichts der instabilen Lage in dem bevölkerungsreichsten nordafrikanische Land zurückgestellt. Das gelte aber nur, „sofern im Einzelfall keine Gründe für eine unmittelbare positive oder negative Bescheidung vorliegen“, heißt es in einer weiteren Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken.

Im ersten Halbjahr waren Waffenexporte für 13 Millionen Euro nach Ägypten genehmigt worden. Insgesamt ging der Umfang der Ausfuhrerlaubnisse für sechs nordafrikanische Staaten - darunter Libyen und Algerien - von 295 Millionen Euro im gesamten vergangenen Jahr auf 27 Millionen im ersten Halbjahr 2013 zurück. Bei Rüstungsexporten gibt es starke Schwankungen. Einzelne Großaufträge führen häufig zu starken Veränderungen in der Statistik nach oben oder unten.

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, Menschenrechtsfragen zu vernachlässigen. „Merkel setzt auf einen Konjunkturfrühling für die deutsche Rüstungsindustrie - der arabische Frühling spielt dagegen keine Rolle, Menschenrechte und friedenspolitische Erwägungen müssen sich unterordnen“, sagte sie.

Wer die Welt mit Waffen ausrüstet

Das Ranking

Einmal jährlich erstellt das Magazin „Defense News“ ein Ranking der größten Rüstungskonzerne der Welt. Die Liste ist dominiert durch US-Konzerne, allerdings werden chinesische Rüstungsriesen wie China South Industries, China State Shipbuilding und China Aerospace Science wegen unsicherer Datenlage nicht im Ranking aufgeführt. Handelsblatt Online zeigt, welche zehn Unternehmen 2011 zu den größten Waffenproduzenten der Welt gehörten.

Platz 10

United Technologies (USA) - 11,0 Milliarden Dollar Umsatz in der Militärsparte

Der US-Mischkonzern gehört zu den größten Unternehmen der Welt und mischt auch im Rüstungsgeschäft kräftig mit. Zum Portfolio der US-Amerikaner gehören Hubschrauber für die zivile und militärische Luftfahrt, Raketenantriebe, aber auch Klimaanlagen. Die Militärsparte macht knapp 20 Prozent des Umsatzes aus.

Platz 9

L-3 Communications (USA) - 12,52 Milliarden Dollar

Die US-Firma aus New York erlangte zuletzt als einer der Marktführer für Körperscanner einige Bekanntheit. Vor allem aber stellt L-3 Kommunikationslösungen sowie Navigationssysteme und -geräte für militärische Zwecke her. Das macht den Konzern laut „News Defense“ zum weltweit neuntgrößten Hersteller von Kriegsgerät - mit einem Umsatz in diesem Sektor von 12,52 Mrd. Dollar im Jahr 2011. Kriegsgerät macht fast 83 Prozent am Gesamtumsatz aus.

Platz 8

Finmeccanica (Italien) - 14,58 Milliarden Dollar

Auch der italienische Finmeccanica-Konzern gehört zu fast einem Drittel dem Staat. Im zivilen Bereich baut das Unternehmen unter anderem U-Bahnen, Lokomotiven und Verkehrsleitsysteme. Im militärischen Bereich gehören Hubschrauber, Lenkwaffen und Panzer zum Portfolio. Im Jahr 2011 setzte Finmeccanica 14,58 Mrd. Dollar mit Kriegsgerät um (knapp 61 Prozent Gesamtanteil).

Platz 7

EADS (Westeuropa) - 16,10 Milliarden Dollar

Auf Platz sieben der Top 10 landet der von Deutschland und Frankreich kontrollierte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Er bietet neben zivilen Verkehrsflugzeugen (Airbus-Reihe) sowie Trägerraketen (Ariane) und Satelliten Militärflugzeuge (zum Beispiel Eurofighter, im Bild) und Sicherheitslösungen an. Mit militärischen Produkten erwirtschaftete EADS 2011 laut „Defence News“ knapp 16,10 Mrd. Dollar. Das entspricht knapp 24 Prozent Anteil am Gesamtumsatz.

Platz 6

Northrop Grumman (USA) - 21,4 Milliarden Dollar

Schlagzeilen machte Northrop Grumman als US-Partner von EADS bei der Bewerbung um einen Milliardenauftrag zum Bau von Tankflugzeugen für das US-Militär. Der Konzern mit seinen mehr als 75.000 Mitarbeitern erzielte in seinem militärischen Segment 2011 einen Umsatz von 21,4 Mrd. Dollar und ist damit der sechstgrößte Rüstungskonzern der Welt. Rüstung macht an seinem Umsatz 81 Prozent aus. Zu den bekanntesten Produkten zählt der Tarnkappenbomber B-2 (im Bild) oder die Atom-U-Boote.

Platz 5

Raytheon (USA) - 23,06 Milliarden Dollar

Der US-Konzern Raytheon stellt hauptsächlich Raketen und optische Militärsysteme her: Den Marschflugkörper „Tomahawk“ etwa, die Luft-Luft-Rakete „Sidewinder“ oder das Flugabwehrsystem „Patriot“. Das Unternehmen mit seinen mehr als 71.000 Mitarbeitern hat 2011 mit militärischen Gütern einen Umsatz von 23,06 Mrd. Dollar (93 Prozent Anteil am Umsatz) erzielt.

Platz 4

General Dynamics (USA) - 25,51 Milliarden Dollar

Der US-Konzern, der unter anderem schwere Militärfahrzeuge herstellt, setzte 2011 mit militärischen Gütern 25,51 Mrd. Dollar um und landet damit auf dem 4. Rang. Zu den Produkten gehören unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, Kampfflugzeuge sowie Lenkflugkörper und IT-Lösungen. 78 Prozent des Gesamtumsatzes machen die Kriegsgüter aus.

Platz 3

BAE Systems (Großbritannien) - 29,13 Milliarden Dollar

Platz drei nehmen die Briten ein: BAE Systems erzielte mit seinen 88.000 Mitarbeitern 2011 einen Umsatz im Rüstungsgeschäft von 29,13 Mrd. Dollar. Der größte Rüstungskonzern Europas (der in seinem zivilen Segment vor allem in der Luft- und Raumfahrt aktiv ist) stellt eine bunte Palette militärischen Geräts her: Von Kriegsschiffen über Raketensystemen bis zu Kampfflugzeugen. Hierbei kooperiert BAE zum Teil mit anderen Rüstungskonzernen, wie etwa mit Lockheed Martin bei der F-22 oder mit EADS beim Eurofighter. BAE hängt mit knapp 95 Prozent Kriegsanteil am Gesamtumsatz fast vollständig von Rüstungsaufträgen ab.

Platz 2

Boeing (USA) - 30,7 Milliarden Dollar

Der drittgrößte Rüstungskonzern ist Boeing - mit einem Umsatz laut „Defense News“ von 30,7 Mrd. Dollar im Rüstungsgeschäft, was knapp knapp 45 Prozent der Gesamtumsätze entspricht. Im zivilen Bereich konkurriert der 170.000 Mitarbeiter starke US-Konzern seit Jahren mit EADS/Airbus um die Vorherrschaft. Im Rüstungsgeschäft hat Boeing eine breite Palette an Flugzeugen und Lenkwaffen im Angebot: von der Transportmaschine C-17 über den Bomber B-52 Flying Fortress bis zum Tankflugzeug KC-767.

Platz 1

Lockheed Martin (USA) - 43,98 Milliarden Dollar

An der Spitze der Rüstungskonzerne steht Lockheed Martin. Der US-Konzern erwirtschaftete 2011 aus seiner Rüstungssparte 43,98 Mrd. Dollar. Knapp 95 Prozent der Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen mit Kriegsgerät: Lockheed Martin stellt einerseits Kampfflugzeuge und -bomber her, darunter die F-16 und die neue, milliardenteure F-22A Raptor. Daneben produziert der Konzern Aufklärungsmaschinen wie die auch von der Bundeswehr genutzte P-3 sowie Luftschiffe. Rein deutsche Hersteller sind im Ranking der größten Rüstungskonzerne nicht in der Top-10.

Der stellvertretende Linke-Vorsitzende Jan van Aken warf der Regierung eine verantwortungslose Rüstungspolitik vor. „Merkels Motto scheint zu sein: Wozu aus dem arabischen Frühling lernen, wenn man Waffen verkaufen kann“, sagte er. „Dass Menschenrechte von den Golf-Despoten mit Füßen getreten werden, die ganze Region ein Krisenherd ist, der jederzeit explodieren kann, ist der Bundesregierung offenbar vollkommen egal. Hauptsache, der Euro rollt.“

Deutschland zählt zu den größten Waffenexporteuren der Welt. 2011 wurden Ausfuhren im Wert von insgesamt 5,4 Milliarden Euro genehmigt. Nach Katar sollen unter anderem 62 Leopard-Kampfpanzer und 24 Panzerhaubitzen geliefert werden. Seit Monaten gibt es auch Spekulationen über einen möglichen Panzer-Deal mit Saudi-Arabien, die aber bisher nicht bestätigt wurden.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Nachwuchs

07.08.2013, 19:15 Uhr

Wo ist der Unterschied? Waffen aus Deutschland oder anderen Staaten? Bei uns werden Arbeits-/Ausbildungsplätze erhalten und wir bekommen auch noch Steuer, die wir für die Pflege, Bildung, Infrastruktur usw. sinnvoll nutz können.

Republikaner

07.08.2013, 19:21 Uhr

Warum ausgerechnet hier eine Grüne darstellen? Absicht? Strategie? Steht das HB auf Abschaffung industrieller Kompetenzen?
Liebes HB - die Rüstungsindustrie ist in D wesentlich kleiner als in unseren Nachbarstaaten. Dieses Thema in der Vorwahlzeit zu puschen zeigt auch den politischen Sinn der Redakteure.
Gut - schaffen wir den Rest von Kernkompetenz im Maschinenbau auch noch ab. Am Schluß werden wir dann uns nur noch vegetarisch ernähren können, weil wir uns etwas anderes nicht leisten können.

Republikaner

07.08.2013, 20:24 Uhr

Das HB täte gut daran die Aussage "Rüstungsexporte boomen" in den richtigen Rahmen zu stellen! Mein Gott als Wirtschaftszeitung kann man wirklich mehr erwarten! Z.B.: wer sind die größten im europäischen Geschäft? Wie groß ist deren Anteil am BSP? Etc. Für euer Geld könnt Ihr schon etwas mehr tun und nicht nur Pamphlete der Grünen kommentarlos übernehmen.

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