Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.02.2015

16:19 Uhr

Waffenmesse Idex in Abu Dhabi

Wie die Araber ohne Deutschland aufrüsten

VonSimona Foltyn

Die Angst vor terroristischen Angriffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten wächst - und damit die Nachfrage nach modernen Waffensystem. Doch die deutsche Industrie scheint dabei leer auszugehen.

Der saudi-arabische Verteidigungsminister, Prinz Mohammed bin Salman (Mitte), besucht die Idex in Abu Dhabi. Reuters, Sascha Rheker

Araber in Kauflust

Der saudi-arabische Verteidigungsminister, Prinz Mohammed bin Salman (Mitte), besucht die Idex in Abu Dhabi.

Abu DhabiDie Armee der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) lässt die Muskeln spielen. Panzer und Sondereinheiten schlagen den Angriff von schwarz-bekleideten Terroristen auf ein Containerterminal entschlossen zurück. Diese Szene der Eröffnungszeremonie der diesjährigen internationalen Verteidigungsmesse (Idex) in Abu Dhabi ist zwar martialisch, aber tatsächlich eine nicht unrealistische Gefahr. Mit der Ausbreitung des Terrorismus im Nahost ist die Stabilität der ölreichen Golfstaaten immer stärker gefährdet. 

Das ist auch bei der diesjährigen Idex zu spüren, sagt Oliver Hoffmann. Für den Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des größten deutschen Waffenexporteurs Rheinmetall hat sich die Bedrohungslage spürbar verändert: „Im Gegensatz zur Idex Messe vor zwei Jahren, ist die Bedrohungssituation hier in der Region weniger von einer Bedrohung aus Richtung Iran geprägt, sondern in zunehmendem Maße von einer Bedrohung im terroristischen Bereich,“ sagte er dem Handelsblatt.

Die Waffengeschäfte am Golf sind für die Branche lukrativ. Allein im Laufe der Messe verkündete die emiratische Armee Vertragsabschlüsse im Wert von 4.4 Milliarden Euro. Das sind 30 Prozent mehr als 2013. Militärausgaben im arabischen Golf schossen seit Beginn des arabischen Frühlings deutlich in die Höhe. Die VAE, einer der strategischen Partner der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak, gibt mittlerweile doppelt soviel für Waffen aus wie vor fünf Jahren.

Die erhöhten Rüstungsauslagen gehen einher mit einem sicherheitspolitischen Wandel auf der arabischen Halbinsel. Zwar wirkten die VAE schon in Afghanistan und im Irak bei Einsätzen der USA mit, jedoch verblieben jene Interventionen größtenteils unter dem Radar der Öffentlichkeit. Mit den Luftangriffen gegen die IS sowie Milizen in Libyen haben sich die VAE als aufsteigende Regionalmacht nun öffentlich bekannt.

Das sichtbarere Engagement in regionalen Konflikten signalisiert außerdem, dass die VAE in Sicherheitsfragen weniger von den USA und Regionalmächten wie etwa Saudi Arabien abhängen wollen. „Saudi Arabien ist zwar ein strategischer Partner, aber wir wollen uns nicht komplett auf unseren Nachbarn verlassen, denn das Königreich ist nicht stabil genug“, verrät ein ehemaliger Angehöriger der emiratischen Armee, der anonym bleiben wollte.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Paul Kersey

27.02.2015, 17:07 Uhr

Die arabischen Länder haben alle ein sehr fragwürdiges Verhältnis zu den Menschenrechten und liegen geografisch in einer der kritischsten Regionen der Welt. Warum bitte sollen wir dort Waffen hinliefern? Weil Geld die Welt regiert?

Herr Franz Paul

27.02.2015, 17:13 Uhr

Ach was! Direkt mal eine realistische Einschätzung vom HB. Ja, Deutschland darf keine Waffen verkaufen. Es muss sie verschenken.

Herr Thomas Melber

27.02.2015, 19:30 Uhr

"German free" ist ja mittlerweile bei Rüstungsgütern ein Verkaufsargument.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×